Wolfgang Kersting hat auf ca. 140 Seiten eine inhaltlich unglaublich komprimierte Darstellung des Denkens von Machiavelli geschrieben, die sprachlich sehr professoral daherkommt und dem Leser nicht nur die Herkunft der Begrifflichkeiten und Kategorien des Florentiners verdeutlicht, sondern ein systematisch enges Netz der Thesen und Annahmen knüpft und so die Hauptwerke logisch miteinander zusammenschließt, ohne großartige Widersprüchlichkeiten zuzulassen. Auch wenn es in dieser Darstellung eine tendenziell starke republikanische Auslegung zu bewundern gilt, die die Annahmen im Principe als letztendliche Notwendigkeiten für den Republikanismus deuten, so werden doch auch die Konsequenzen und negativen Beschaffenheiten des machiavellischen Republikanismus klar herausgestellt und die unangenehmen Eigenschaften benannt (Stichwort: militärische, expansiv-imperiale Republik mit Hang zu Eroberungsfeldzügen usw.).
Dreigeteilt in
1.) Leben
2.) Das politische Denken und
3.) Wirkungsgeschichte
und mit weiteren Unterkapiteln versehen, dominiert in diesem Buch eindeutig eine ideengeschichtlich, theoretische Darstellung, also Kapitel 2.
Wer mehr über Florenz und die geschichtliche Situation, insbesondere ökonomische oder soziale Entwicklungen erfahren möchte, muss dann doch das Standardwerk von Herfried Münkler lesen, da dort ziemlich exakt und weitläufig Untersuchungen zum Wechselspiel von politischer Theorie und konkreter historischer Situation vorgenommen wurden. Kersting ist, wie gesagt, eher kompakt und konzentriert auf den Kern der Gedanken aus, sagt das Wesentliche und ist aufgrund der strengen Gliederung wirklich gut für eine Seminararbeit verwendbar.
Empfehlung !