Höchstpunktzahl von fünf Sternen für diesen puren Lese-Genuss! Das Autorenteam Eric T. Hansen und Astrid Ule führt in ihrem herrlich satirischen Roman "Nibelungenfieber", der die Lachmuskeln arg strapaziert, seinen Lesern in Gestalt des Bürgermeisters von Loch und deren Bewohner die - typisch deutschen - Eigenschaften schonungslos vor Augen! Aber stets mit einem Lächeln und einem Augenzwinkern, voller Ironie, bei der man gar nicht anders kann, als lauthals drauf loszulachen und sich beim Lesen köstlich zu amüsieren!
Doch der Reihe nach: Loch ist eine niedliche, kleine beschauliche Stadt in der Nähe von Worms, der nächst größeren Nachbarstadt. Eine Stadt, die so klein ist, dass sie auf keiner Landkarte zu finden ist. Eine Stadt, so niedlich wie eine Puppenstube oder ein Teddybär. Immerhin gibt es ein Hinweisschild am Ortseingang, damit der ortsunkundige Besucher auch merkt, dass er sich bereits mittendrin befindet:
"Willkommen in der Stadt Loch am Rhein, die Stadt, wo der Schatz der Niebelungen begraben liegt". (Die Sache mit dem Rechtschreibfehler auf dem Schild wird den Bürgermeister noch eine Weile beschäftigen).
Da die Nachbarstädte im Umkreis um Einiges bekannter sind, hat sich der ehrgeizige Bürgermeister es zu seiner Lebensaufgabe gemacht, seine Stadt ein bisschen bekannter zu machen und zu Weltruhm zu verhelfen. Was könnte da hilfreicher sein als der Schatz der Nibelungen, ein goldenes Amulett, ein Relikt aus der Nibelungenzeit, das zufällig in einem kleinen Fluss gefunden wird?
Nun, so ganz ohne fremde Hilfe geht das mit dem Über-Nacht-Bekanntwerden natürlich nicht, deshalb wird schnell noch ein Reporter der New York Times geordert: Steve Gunderson, ein gebürtiger US-Amerikaner, der seit vielen Jahren in Deutschland lebt. Eigentlich ist sein Genre Romane schreiben, aber was soll's? Wenn's mit den Aufträgen nicht so läuft, nimmt man, was man kriegen kann. Steve soll helfen, dass die ganze Welt bald neben den Städten New York und Peking nur noch von Loch und den Lochern spricht. Was der Reporter der Times nicht weiß: der etwas neurotisch veranlagte Bürgermeister und sein Bruder (ebenfalls neurotisch veranlagt!) sind geradezu besessen von der Vorstellung, ihre Stadt könne bald zu großem Weltruhm gelangen... Keine leichte Aufgabe! Festspiele zum Thema "Nibelungen" müssen da natürlich auf der Stelle her. Doch damit fängt das Nibelungen-Drama eigentlich erst richtig an...
Das Buch hat alle meine Erwartungen in höchstem Maße übertroffen! Die Geschichte der Locher Bürger spiegelt auf humorvolle Weise das Leben und Denken vieler Kleinstadt-Bürger wider, die meinen, ihre Stadt sei die schönste und die bedeutendste in ganz Deutschland. Fazit: ein bisschen Loch ist eigentlich überall in diesem Land, oder nicht?
Fieber ist ja bekanntlich ansteckend, und ich bin sicher, nach dem Lesen wird es auch Sie gepackt haben:
Das Nibelungenfieber!
;-)