Die hilfreichsten Kundenrezensionen
|
|
45 von 46 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Ein Thema - zig Handlungsstränge, 19. Februar 2007
Nach seinem letzten Bestseller "Welt in Angst", welcher den Klimawandel und damit einhergehenden Öko-Terrorismus thematisiert hat, widmet sich Michael Crichton nun erneut der Thematik genetischer Manipulation. Anders als in Jurassic Park befasst sich Crichton diesmal mit einem realistischeren Schreckensszenario.
Ohne dass er es erfährt verkauft die Universitätsklinik von Los Angeles die Rechte an einer Zelllinie Frank Burnets an BioGen Research Inc. Burnet, der vor wenigen Jahren eine Krebserkrankung überwinden konnte versucht daraufhin das Besitzrecht an seinen Zellen einzuklagen. Im Prozess wird ihm jedoch vorgeworfen der Wissenschaft und dem medizinischen Fortschritt im Wege zu stehen, woraufhin er den Prozess verliert. Doch die Wissenschaft ist lange noch nicht so weit, funktionierende Gentherapien einsetzen zu können. Kurze Zeit später wird die Burnet-Zelllinie jedoch kontaminiert. Alle Gewebeproben werden dadurch wertlos. Doch der Verlust seines wertvollsten Produktes ist zu diesem Zeitpunkt nicht das einzige Problem BioGens, denn ein vermeintliches Wundermittel gegen Drogensucht entpuppt sich als tödliches Gift. Anderenorts stellt sich heraus, dass ein gescheitertes Experiment einen wundersamen Ausgang genommen hat und ein Affe tatsächlich die menschliche Sprache erlernt hat, was jedoch daran liegt, dass er eine genetische Kreuzung ist. Um BioGen vor dem Untergang zu bewahren wird gewissermaßen ein Kopfgeldjäger auf Frank Burnet angesetzt, der es nicht alleine auf Burnet sondern auch auf seine Tochter und seinen Enkelsohn abgesehen hat, denn die beiden könnten ebenso die wertvolle Burnet-Zelllinie in sich tragen. Eine Reihe verhängnisvoller Entwicklungen nimmt daraufhin ihren Lauf...
Neben dem eigentlichen Haupthandlungsstrang rundum Frank Burnet zeichnet sich Next gleich durch mehrere unterschiedliche Nebenhandlungen aus. Gegen Ende wird jedoch nur eine handvoll dieser Nebenhandlungen aufgelöst, was wohl eigentlich dazu motivieren sollte, das Buch erneut zur Hand zu nehmen, um nachzusehen, ob man nicht doch etwas übersehen hat. Schade, aber Next vermittelt dadurch eher den Eindruck einer Sammlung verschiedener Kurzgeschichten, die nur durch die gemeinsame Handlung und bestimmte Charaktere miteinander in Verbindung gebracht werden konnte.
Dessen ungeachtet brilliert Next durch die umfangreiche Darstellung der Genforschung und ihrer Auswirkungen, so zeigt Crichton nicht alleine die utopischen Möglichkeiten der genetischen Manipulation von Tieren, sondern befasst sich auch mit der Bedeutung von Gentests für Vaterschaftsklagen und Sorgerechtsstreitigkeiten. Sein Hauptanliegen, welches durch Frank Burnet verdeutlicht, ist jedoch die Kommerzialisierung der Genforschung, bei welcher unter dem Vorwand des medizinischen Fortschritts Gene patentiert werden, wodurch die Forschung eigentlich blockiert wird.
Stilistisch lässt sich bemängeln, dass Crichton mit seinen zig Nebenhandlungen dem Leser wohl doch etwas zu viel zumutet, denn viele Charaktere bleiben äußerst leblos und verschwinden ebenso sang und klanglos. Schon nach den ersten Kapiteln verstärkt sich der Eindruck, dass man aus Next gut und gerne 2 oder 3 Bücher hätte machen können, aber spannungstechnisch scheitert selbst das Gesamtwerk. Erst kurz vor dem Finale, vereinen sich die wichtigsten Handlungsstränge und sorgen zumindest für etwas Spannung, doch das Ende ist bereits vorprogrammiert und überrascht kaum noch.
Fazit:
Ein leidenschaftliches Plädoyer gegen die Kommerzialisierung der Genforschung, welches schlussendlich an einem Gewirr von Nebenhandlungen und unvollständigen Ende scheitert.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
18 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Kunterbunte Verwirrspiel-Propaganda, enttäuschend öde., 31. Januar 2007
Unter keinen Umständen darf man Michael Crichton vorwerfen, thematische Langeweile zu verbreiten: ob süffisante, sprechende Graupapageien mit menschlichen Zügen, ob sprechende Schimpansen und Orang-Utangs, ob Anti-Alterungs-Sprays und lila-leuchtende Schildkröten, ob Meeresfische mit bp-Werbung auf den Kiemen oder Gentherapie gegen Demenz, Krebs und Alzheimer, ob Thesen hinsichtlich des Aussterbens der Neandertaler oder hinsichtlich des Aussterbens blonder Menschen in nahferner Zukunft... Crichton schmeisst hier ein seltsames Sammelsurium verschiedenster Sci-Fi-Themen und -thesen in den Topf und rührt kräftig. Klingt das etwa zu chaotisch ..?
Aber keine Sorge, das ist doch noch längst nicht alles. Denn Crichton würzt die eher scheinbar unwichtige Story des Klappentexts mit Kidnapping und Kopfgeldjägern, Industrie-Spionage, Gerichtsdramen und Kindesentführung, Schusswaffengebrauch und Bestechung, dubiosen Anwälten und Gerichtsentscheidungen, Medien-Hysterie und Pädophilie, Verfolungsjagden und Spielsucht, Drogenmissbrauch und Scheidungskrieg.
Glauben Sie mir, auch das ist noch längst nicht alles - als Zuckerguss strickt und webt Crichton mehr als dies in mehr als 10 verschiedene Handlungsstränge, die ein verwirrendes Szenario erzeugen, das zu Beginn beeindruckende Tempo des Thrillers lässt schnell nach und es bleibt eine verunsicherende Verwirrung über. Vielleicht propagiert Crichton nicht zuletzt deswegen im Nachwort zusammengefasst seine Forderungen an Politik, Medien und Wissenschaft hinsichtlich aktueller Genetik-Themen - denn aus dem Thriller selbst wird man nicht wirklich schlau.
Schleichende Spannung, chaotische Themenwahl, ungenau skizzierte Protagonisten, kein großes Finale, keine herausragenden Höhepunkte und darüberhinaus eine absehbare Entwicklung einzelner Miniatur-Geschichten. Und doch ist der Wälzer so leicht und so locker geschrieben, dass man ihn durchaus als unterhaltsam bezeichnen darf. Crichton-Fans werden ihn alleine darum kaufen, weil 'Crichton' draufsteht - wer hochwertiger und spannungsgeladene Thriller sucht, wird hier jedoch nicht fündig, auch wenn man hier von einem Bestseller-Autor spricht. Kurzum: ein enttäuschendes Chaos.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
24 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Starkes Thema, schwacher Roman, 20. Januar 2007
Was habe ich mir damals mit Crichtons Romanen, wie 'Andromeda', 'Der grosse Eisenbahnraub', 'Congo', 'Nippon Connection', 'Enthüllung' und natürlich 'Jurassic Park' die Nächte um die Ohren geschlagen. Wie fasziniert war ich von dieser bislang unbekannten Hybris, die Crichton meisterhaft aus hervorragend recherchierten wissenschaftlichen und historischen Fakten, Fiktion, Vision und unerträglicher Spannung zu spinnen vermochte. Leider hat Crichton diese Hochform in seinen späteren Romanen nie wieder erreicht. Die Geschichten wurden immer hanebüchener, flacher, klischeehafter, ja man kann fast sagen lächerlicher.
Doch der Virus lässt einen halt nicht los und so greift man immer wieder ins Regal und holt sich den neuen 'Crichton'; es könnte ja wieder einmal ein guter sein. Ich muss mich sogar soweit outen, dass ich hin und wieder auch auf die Originalausgabe zurückgreife, wenn ich die deutsche Übersetzung nicht abwarten kann. So auch bei seinem jüngsten Werk 'Next'.
Das Thema ist natürlich wieder hochaktuell und brisant, eines der klassischen Merkmale vieler seiner Werke, und diesbezüglich sollte man ihm nicht nur handfeste Marketinginteressen unterstellen. Nein, Crichton hat den Anspruch mit seinen Büchern auf aktuelle Themen aufmerksam zu machen und er versteht es immer wieder meisterhaft, komplexe Themen populärwissenschaftlich allemal, aber dennoch präzise und hochinteressant einem breiten Publikum näherzubringen. Das kann er einfach unglaublich gut und da kann selbst ein Frank Schätzing noch von ihm lernen (hat er sicher auch). Im Gegensatz zu seinem sehr umstrittenen und außerordentlich schlechten Roman "Welt in Angst", in dem er auf, wie ich finde, unverantwortliche Art und Weise dem industriellen Establishment in Sachen übertriebener Angst vor klimatischen Veränderungen das Wort redet, macht Crichton es bei 'Next' besser. Er stellt in seinem neuesten Werk die völlig abstrusen Entwicklungen in Sachen Genpatentierung, illegaler Forschung und Entwicklung sowie die skrupellosen Machenschaften gewissenloser und publicitysüchtiger Gentechnikbarone an den Pranger und verpackt den aktuellen Stand der Forschung und Wissenschaft auf diesem Gebiet in eine spannende Geschichte. So weit so gut. Natürlich macht er das auf die gewohnte Weise, in dem er viele Handlungsstränge aufbaut, diese in knappen Kapiteln atemlos aneinanderreiht und geschickt verwebt, dadurch Spannung und Tempo aufbaut und immer wieder brisante wissenschaftliche Informationen einstreut. Teilweise sind diese 'Inserts' auch recht humorig und entlarvend (z.B. wenn Berlusconis abgesaugtes Körperfett von einem Schweizer Aktionskünstler zu Edelseife verarbeitet wird oder ein neusseländischer Millionär das aus seinem Gesäss abgesaugte Fett zu Treibstoff für seine Segelyacht umwandeln lässt). Das macht er gut und zeigt damit auch den Irrsinn auf, den Forschung, Medizin und Lifestyle-Industrie für die Welt heute bereithalten.
Dennoch hat sein neues Buch auch Schwächen. Die Handlung ist durch die vielen Nebenschauplätze, Personen, Handlungsstränge und Verläufe arg zerfasert und sehr gewollt auf Tempo getrimmt. Die Begebenheiten und Entwicklungen wirken immer wieder äusserst konstruiert und hingebogen, so dass ich beim Lesen immer wieder die Augen verdrehen und mich fragen musste, warum ich mir das antue. Ein kleiner Schimpanse mit Menschengenen, der fliessend sprechen kann, allerdings ein bisschen Probleme mit den Verbformen und dem flüssigen Lesen hat. Ein vermenschlichter Graupapagei mit feinem Humor, englischem und französischem Akzent sowie einer Vorliebe für das Zitieren klassicher Filmdialoge und dem Ausplaudern pikanter, zwischenmenschlicher Details. Ein Orang-Utan, der im Dschungel Borneos flucht wie ein holländischer Seemann. Alles ganz nett und humorig, doch letztlich der Qualität des Buches abträglich und überflüssig. Dass die Bösen am Ende ihr Fett wegbekommen (nein, nicht das von Berlusconi..) und alles wieder irgendwie gut wird, sei dem Zielpublikum geschuldet, für das Crichton seine Romane schreibt und soll auch kein Kritikpunkt sein. Dennoch bin ich der Meinung, das man das Buch durchaus lesen kann, wenn man sich für ein paar Stunden im grauen Spätwinter kurzweilige Unterhaltung verschaffen möchte. Leider nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
Die neuesten Kundenrezensionen
|