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5.0 von 5 Sternen
Was kommt nach der New Economy? Next Economy!, 6. Januar 2004
Rezension bezieht sich auf: Next Economy (Taschenbuch)
Zugegeben: Von der Grundthese des Buches, dass die eigentliche Revolutionierung der Wirtschaft (und anderer Lebensbereiche) durch das Internet und verwandte Technologien erst noch bevor stehe und nicht etwa vom Dotcom-Crash schon im Ansatz erstick worden sei, muss man mich als Web-Developer nicht erst überzeugen. Was das Buch für mich trotzdem zu einer anregenden, spannenden und nicht zuletzt vergnüglichen Lektüre macht, ist vielmehr wie der Autor diese These anhand von vielen Beispielen für Geschäftsideen der "Next Economy" und zugespitzten Argumentationen vorträgt. Fischermann ist Wirtschaftskorrespondent der Zeit in New York und die journalistische Herkunft merkt man dem Buch denn auch mehr als deutlich an. Es finden sich viele reportagehafte Passagen, bei denen der Leser eine Reihe teils schillernder, teils schräger Figuren in z.T. genauso schrägen Umgebungen kennen lernt, von Hackern, die auf Offshore-Plattformen in der Nordsee oder an karibischen Stränden residieren über Drill-Instructor der US-Marines bis hin zu den 80er Jahre Rockern von Marillion, deren Erläuterung ihres heutigen "Geschäftsmodells" klingt, als sei sie eins zu eins aus einer Broschüre über datenbankgestütztes Customer Relationship Management (CRM) entnommen. Dargeboten wird das alles in einem lockeren, erfrischenden Stil, der übrigens auch für die im Wortlaut abgedruckten Interviews charakteristisch ist, die der Autor mit dem Zukunftsforscher Raj Reddy und dem Vater des "Business Reengineering" James Champy geführt hat. Dies macht die Lektüre des Buches äußerst unterhaltsam und kurzweilig. Doch geht es hier nicht um bloße Effekthascherei: Der Autor geht sein Thema von vielen, zum Teil überraschenden, auf den ersten Blick gelegentlich abseitigen und skurrilen Perspektiven aus an, aber immer gewinnt er diesem Einstieg gleichsam "durch die Hintertür" interessante Einsichten ab, die ein "konventionellerer" Ansatz so nicht geboten hätte. Dieser Reportage-Charakter wechselt ab mit der nötigen wirtschaftstheoretischen Unterfütterung und der diskursiven Aufbereitung von Fakten, Meinungen und Prognosen. So nimmt der Leser Teil an einer fulminanten Tour de Force durch viele Aspekte gegenwärtigen Wirtschaftens, die in Zukunft wesentlich anders aussehen könnten, als wir dies heute gewohnt sind. Nur ein Beispiel: Im Zusammenhang mit der sog. "Open Source" Bewegung wird der Schwerpunkt der Diskussion nicht auf die (offensichtliche) Frage gelegt, ob und wann etwa das freie Betriebssystem "Linux" den Marktführer Microsoft verdrängen könnte, sondern vielmehr darauf, welche Einsichten aus dem Funktionieren solcher Projekte für eine künftige Zusammenarbeit in großen, räumlich weit verteilten Teams überhaupt zu gewinnen sind und was dies für die künftige Struktur und Organisation von Unternehmen bedeuten kann. Eine solche Ausweitung der Perspektive hin zu grundlegenderen Fragen ist kennzeichnend für das Buch insgesamt. Einziger Kritikpunkt: der Chor der angeführten Expertenmeinungen und Studien fällt gelegentlich allzu vielstimmig aus, weniger wäre hier manchmal mehr gewesen, da die Einordnung nicht immer leicht fällt. Wer die eine oder andere Diskussion oder These weiter verfolgen und vertiefen möchte, kann dies aber mit Hilfe des umfangreichen Literaturverzeichnisses tun. Doch vermag das den positiven Gesamteindruck kaum zu trüben. "Next Economy" vermittelt viele interessante Einsichten, es regt zum Nach- und Weiterdenken an, fordert gelegentlich sicher auch zum Widerspruch heraus. Auf jeden Fall ein Buch, mit dem man sich auseinandersetzt und das nie langweilig ist - was will man von einem Buch über Wirtschaftstrends mehr verlangen?
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
'Next Economy' - sehr zu empfehlen, 22. Oktober 2003
Rezension bezieht sich auf: Next Economy (Taschenbuch)
Fischermanns 'Next Economy' ist ein durchaus optimistischer Leitfaden für alle Technolgiemüden und Bubblegeschädigten. Da ich mich selbst dazu zähle (zählte), hat mich Fischermanns Buch wieder aufgebaut, da er gutgelaunt belegt, dass der gegenwärtige Antihype genauso übertrieben ist wie ehemals der Dotcomhype und er zeigt, dass erfolgreiche Internetunternehmen durchaus nicht die grosse Ausnahme sind.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wider die übertriebene Katerstimmung, 24. Dezember 2003
Rezension bezieht sich auf: Next Economy (Taschenbuch)
In Kürze: Ein unbedingt empfehlenswertes Buch - gerade für jene, die glauben, mit dem Ende des Dot-com-Booms seien auch die Umwälzungen passé, die von der Revolution bei den Informationstechnologien zu erwarten sind. Im Detail: Wie die "nächste Wirtschaft" aussieht? Auch Tom Fischermann weiß es nicht, und er tut auch gar nicht so. Aber er zeigt überzeugend, dass der rasante Forschritt bei den Informationstechnologien in manchen Bereichen der Wirtschaft kaum einen Stein auf dem anderen lassen wird. Fischerman belegt, dass der Neue Markt tot sein mag - aber die "neue Wirtschaft" lebt. So sind zahllose Start-ups, die den E-Commerce zwischen Unternehmen auf die Beine bringen wollten, grandios gescheitert - das so genannte B2B-Geschäft boomt trotzdem, es ist sogar stärker gewachsen, als selbst zu Zeiten der Börsenhysterie erwartet worden war. Börsen-Bubbles in Zeiten technologischer Durchbrüche können sogar ganz nützlich sein, argumentiert Fischermann - weil sie dabei helfen, die Adaption neuer Technologien zu beschleunigen. Vor allem aber ist die Blasenbildung nur normal: Ein Blick in die Archive der Wirtschaftsgeschichte zeigt, dass auch in der Vergangenheit auf anfängliche Euphorie herbe Enttäuschungen folgten. Der zentrale Grund für diese Enttäuschung: Eine neue Technik zu erfinden, ist das eine; etwas ganz anderes ist es, in einem "Trial-and-error"-Prozeß wirtschaftlich tragfähige Anwendungen finden zu müssen. Das war in früheren Fällen so, und das ist, wie Fischermann eindrucksvoll nachweist, auch heute der Fall. Welches Geschäftsmodell sich zum Beispiel in der Musikindustrie durchsetzen wird, ist noch nicht genau absehbar; sehr wohl absehbar ist aber, dass es angesichts der Internetrevolution nicht das heutige sein wird. Natürlich ist über die Internet-Ära schon viel geschrieben worden, trockene wissenschaftliche Untersuchungen ebenso wie - erst überschwängliche und dann um so skeptischere - Berichte von Journalisten. Was dieses Buch so einzigartig macht, ist, dass der Autor beide Herangehensweisen kombiniert: In journalistischer Manier argumentiert er an Beispielen entlang, zugleich aber verweist er immer wieder auf historische Parallelen und die aktuelle Diskussion in den Wirtschaftswissenschaften. Selten die ist große Bedeutung, die Phänomene vie "Netzwerkeffekte", "Ballungsvorteile" oder die "Superstar-Ökonomik" in der Internetwirtschaft haben, derart allgemeinverständlich und plastisch herausgearbeitet worden wie hier. Doch die wirkliche Stärke des Buches liegt darin, dass der Autor dem Leser die Menschen näher bringt, die die Internetrevolution vorantreiben - Leute wie den in der Karibik residierenden Computerhacker Vince Cate oder den Informatiker Raj Reddy, einem Guru auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz. "Schräge Vögel", nennt Fischermann diese Garde mit kaum verhohlener Sympathie. Überhaupt, die Sympathie: Fischermann ist von dem umwälzenden Potenzial, das das Internet birgt, sehr offenkundig fasziniert. Im Wesentlichen wohl zu recht - auch wenn man sich an einigen Stellen gewünscht hätte, der Autor würde sich stärker mit den möglichen sozialen Folgen auseinandersetzen. Aber selbst wenn schon: Ein bisschen Überschwang ist angesichts der übertriebenen Katerstimmung in der Post-Bubble-Ära das Verkehrteste nicht ...
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