Dieses Buch war nur möglich, weil der Autor offenbar derart gute Beziehungen zu Apple hatte, daß es ihm sogar möglich war, für einige Zeit im Team der Newton-Entwickler mitzuarbeiten. Das Detailwissen um Interna und Mitarbeiterteam ist ebenso profund wie überrasched. Wohl nur selten hat Apple sich so in die Karten schauen lassen.
Den Leser erwartet ein Ausblick hinter Apples Marketing-Fassade für alle, die einen Newton nicht nur wie einen Toaster benutzen wollen, sondern die Hard- und Software verstehen wollen oder müssen.
Insbesondere ist das Buch für alle gedacht, die überlegen, ob und wie sie Geräte aus der Newton Familie für eigene Projekte einsetzen können. Auch wendet es sich an potentielle Entwickler, die Software- oder Hardwareprodukte, Zubehör oder Erweiterungen entwickeln wollen. Und zu guter Letzt wendet es sich auch an Newtonbesitzer, die sich für das Innenleben ihres PDAs interessieren. Kleinere Schreib- und Grammatikfehler, auf die man gelegentlich stößt, hindern zwar den Lesefluß ein wenig, mindern den Wert des Buches aber in keiner Weise.
1994 erschienen, kann es nur die ersten Newton Modelle, d. h. den OMP (Original MessagePad) und den MP 100 beschreiben. Das Messagepad 110 war von Apple zwar schon angekündigt, aber noch nicht verfügbar.
Unterteilt ist das Buch in elf Kapitel und einen Anhang, auch ein Index fehlt nicht.
Kapitel 1 erklärt kurz den Zweck und die Zielgruppe des Buches, Kapitel 2 spricht, ebenfalls recht kurz, den Paradigmenwechsel an, den PDAs und drahtlose Computer hervorgerufen haben. Die anderen Kapitel sind erheblich ausführlicher und werden im Folgenden einzeln beschrieben.
Kapitel 3: Kleine Geschichte des Newton.
Kapitel 4: Der ARM-610-Prozessor
Eine ausführliche Beschreibung von Aufbau und Funktion dieses von der Firma Acorn hergestellten RISC-Prozessors, der das Herzstück der Newtons darstellt.
Kapitel 5: Newton Hardware Aufbau
Ein für Hardware-Interessierte erfreulich ausführliches Kapitel. Es wird zunächst auf den ARM610-Prozessor eingegangen, gefolgt von Abschnitten über die Stromversorgung und Kommunikationsmöglichkeiten wie Infrarot, serielle Schnittstelle etc. Sowohl für den ARM-Prozessor als auch für das Apple-eigene (Voyager-) ASIC gibt es eine Beschreibung aller Pins, was schon einen recht ausführlichen Einblick in die Funktionsweise der Hardware erlaubt.
Kapitel 6: Aufbau der Newton-Software
Hier wird die allgemeine Struktur von Newton Software erläutert, meist am Beispiel der in den Newton integrierten Applikationen. Angesprochen werden hier auch die Handschrifterkennung, der integrierte Bookreader sowie Newton Connection, das mitgelieferte Programm zur Synchronisation mit einem Desktop PC oder Macintosh.
Kapitel 7: Programmieren mit dem Newton ToolKit (NTK)
Beim Erscheinen des Newton Toolkit, Apple's hervorragender Entwicklungsumgebung für Newton Programme, forderte Apple ein Prozent des Umsatzes, den die Softwareentwickler mit der damit programmierten Software machten, als Lizenzgebühr. Was in Programmiererkreisen verständlicherweise nicht gerade wenig Unmut auslöste.
Auf 13 Seiten geht der Autor in diesem Kapitel auf die Macintosh-Version des NTK ein (die Version für den PC stand zur Drucklegung des Buches noch nicht zur Verfügung). Obwohl die verschiedenen Teile dieser Entwicklungsumgebung wie Projektverwaltung, Browser, graphischer Editor und Inspektor beschrieben werden, dürfte der Umfang dieses Kapitels nicht ausreichen, um in der Praxis damit arbeiten zu könnnen.
Kapitel 8: NewtonScript Referenz
Die 60 Seiten, die dieses Kapitel umfaßt, sind für den Anfänger vermutlich wertvoller als Apple's komplette Dokumentation zu diesem Thema. Syntax, Datentypen, Operatoren und die wichtigsten Funktionen der NewtonScript-Programmiersprache werden, zum Teil mit Beispielen, kurz und verständlich erläutert. Wer dieses Kapitel Wort für Wort durchgearbeitet hat, ist gut gerüstet, mit der Programmierarbeit zu beginnen.
Kapitel 9: Programmierpraxis mit dem NTK
In diesem Kapitel wird das beschrieben, was ich eigentlich zwei Kapitel vorher unter "Programmieren mit dem NTK" erwartet hätte. Es bleibt unverständlich, warum der Autor diese beiden Kapitel nicht zusammengefaßt hat.
Man findet hier eine detaillierte Schritt-für-Schritt Anleitung, wie man mit der Macintosh-Version des Newton ToolKit in kurzer Zeit seine erste Applikation erstellt, übersetzt, auf den Newton lädt und dort ausprobiert. Diese Anleitung ist für die Windows Version des NTK ebenso gut geeignet, da die beiden Versionen sich nur geringfügig unterscheiden.
Kapitel 10: Newton BookMaker und BookReader
Wie im vorigen Kapitel für das NTK wird hier nach einer kurzen Erläuterung des technischen Aufbaus von Newton-Büchern eine Schritt-für-Schritt Anleitung präsentiert, an deren Ende man mit der Textverarbeitung seiner Wahl, dem Newton BookMaker Programm und dem NTK ein elektronisches Buch erzeugt und auf den Newton geladen hat.
Kapitel 11: Mögliche Anwendungen für die Newton Familie
Dieses mit zweieinhalb Seiten eher kurze Kapitel behandelt möglich Einsatzfelder, die der Autor sich für den Newton vorstellen kann. Er gibt ehrlich zu, daß der Newton für die schnelle Eingabe größerer Textmengen eher ungeeignet ist. Sinnvolle Anwendungen sind für ihn eher das schnelle Ausfüllen von Formularen oder die Benutzung großer, elektronisch auf PCMCIA Speicherkarten gespeicherter Bücher wie Wörterbücher, Lexika usw.
Anhänge
Hier findet man unter anderem
- den Zeichensatz des Macintosh in Unicode- und Hexadezimalformat
- das Austausch-Datenformat, das zum Transfer von Daten zwischen der Newton-Familie und Macintosh oder PC Desktoprechnern verwendet wird
- Eine Beschreibung der Pinbelegungen der Verbindungskabel zwischen dem Newton und einem Macintosh oder PC
- Eine Kurzbeschreibung der 40 Programme auf der beiliegenden Diskette
- Eine (überraschend umfangreiche) Liste der Ende 1994 angebotenen Programme und (elektronischen) Bücher
- Eine ebenfalls überraschend umfangreiche Liste von Herstellern von PCMCIA Speicherkarten
Fazit
Dieses Buch ist nicht nur eines der wenigen deutschen Bücher über den Newton. Es ist auch ein Buch, das dem an der Technik dieser kleinen Wundermaschinen Interessierten viele Fragen beantwortet, die bislang noch nirgendwo beantwortet wurden. Das Preis-Leistungsverhältnis ist das Beste, was man bekommen kann (oder besser konnte, denn das Buch ist leider nicht mehr im Handel).
Die beigelegte Diskette war bei Erscheinen des Buches schon allein wegen der enthaltenen Demoversion des Newton ToolKit eine wertvolle Beigabe. Auch heute, über acht Jahre später, wäre mein Newton ohne einige der enthaltenen Programme nicht das, was er ist.
Kurz und gut, es handelt sich hier um ein Buch, das ein echter Newton Fan einfach haben muß.