Es ist mir ein sehr großes Bedürfnis, über dieses Buch zu schreiben. Niemals zuvor hatte ich einen Bildband in Händen, der mir so nahe ging. Ich selbst habe eine ganz eigene Beziehung zu den schrecklichen Ereignissen des 11.September, da ich an diesem Tag auf dem Weg nach New York war. Das Flugzeug, in welchem ich saß mußte nach Deutschland zurückkehren. Kurz vor der Landung in Frankfurt erfuhr ich von der Katastrophe.
Vermutlich hätte ich, einen Tag später, auch das World Trade Center besucht und wäre meiner Lieblingsbeschäftigung nachgegangen und hätte fotografiert.
Für mich handelt es sich beim vorliegenden Bildband um ein sehr emotionales Buch. Zum einen begründet sich dies in den Geschehnissen des 11. September und zum anderen in der Art und Weise, wie es den Magnum-Fotografen gelungen ist diese Katastrophe, für die es keine Worte gibt, zu dokumentieren. Die Aufnahmen, schaffen es das auszudrücken, was Worte und auch bewegte Bilder niemals ausdrücken können. Sie führen den Betrachter ganz nahe an die Geschehnisse und an die von der Katastrophe betroffenen. Sie verändern die Perspektive, schaffen neue Sichtweisen.
In meinen Augen ist dies ein typischer Magnum-Bildband, er zeigt Fotojournalismus auf höchstem Niveau. Die Aufnahmen der Magnum- Fotografen heben sich aus der inflationären Bilderflut unserer Zeit ab. Gleichzeitig polarisieren sie aber auch. Neben ihrem hohen dokumentarischen Wert und ihrer großen Emotionalität, muß ich aber auch kritisch anmerken, daß sie in gewisser Weise, die Katastrophe ästhetisieren! Darin liegt für mich ein Widerspruch. Ich war gleichermaßen erschrocken und begeistert von den Aufnahmen. Wenngleich es natürlich problematisch ist, in diesem Kontext das Wort begeistert überhaupt zu benutzen.
Mindestens so wichtig wie die Bilder, sind für mich die Texte und Kommentare der FotografInnen, sie geben Einblick in ihr Denken, Fühlen und Handeln. Jede Aussage steht für sich und ermöglicht es dem Leser und Betrachter, die Fotos nochmals im Kontext dieser Zeilen zu sehen.
Dieser Bildband hat für mich zwei Funktionen. Er dokumentiert ein schreckliches Stück Zeitgeschichte und er setzt, was mir viel wichtiger ist, ein Denkmal. Ein Denkmal für die vielen Opfer und deren Angehörige, den unzähligen Rettern und Helfern, der tief getroffenen und verwundeten Stadt New York.