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ein zukunft weisendes kunstwerk ..., 26. März 2003
Rezension bezieht sich auf: New York (Gebundene Ausgabe)
"sie konnte nichts im abwerfen von bomben aus flugzeugen finden, selbst wenn sie sich gegen verhasste diktaturen richteten, denn sie vergaß nie die unschuldigen menschen, die unter den flügeln des flugzeugs in stücke gerissen wurden ...", schreibt arthur miller über seine ehefrau, die fotografin inge morath. folgerichtig ist inge moraths fotografie ausgerichtet auf die darstellung des kleinen, menschlichen, desjenigen nämlich, das sich tapfer gegen die monumentale, gewaltige architektur new yorks ein lebensrecht erkämpft. typisch dafür zum beispiel jenes foto "happy man strolling": ein fröhlicher schwarzer schlendert ausgelassen mit den gliedmaßen schlenkernd durchs bankenviertel - die monumentalen löwen aus stein, die gigantischen hausfassaden vergessend. selbst jene berühmte brooklyn bridge wird zur kleinen beigabe eines mannes, der tief versunken in seine zeitung ist und sich die morgenluft vom hudson-river hochwehen lässt. fotogeschichte hat auch jenes 1957 erwischte lama gemacht, das neugierig seinen kopf aus einem taxi-fenster streckt, erstaunt über den times square - und es hat die ohren perfekt stehen wie ein victory-zeichen - das symbol der optimistischen immi- und emi-granten aller welt. selbst die freiheitsstatue hat inge morath 1997 einmal erwischt, wie sie am south street seaport auf einer bank sitzt und sich lachend und lebendig mit einem clown neben ihr unterhält - natürlich nicht jene unbewegliche tausendfach erkletterte aus stein, sondern eine sympathische, grün angemalte künstlerin. heitere verlebendigung als prinzip - das zieht sich durch das ganze new york-buch der inge morath - von den schachspielern bis zu den tortilla-bäckern, ja selbst die gegenstände haben etwas gelassenes, entspannt pausierendes: so der kontrabass, hingelegt auf den bürgersteig, weil sein besitzer gerade telefoniert - oder jener cadillac oder plymouth - was ist es - man sieht ihn kaum - begraben unter den schneemassen des dezembers 1961. inge morath, im januar 2002 verstorben, hat hier mit ihrer letzten arbeit sich mehr als ein anrührendes denkmal gesetzt - es weist als kunstwerk in die zukunft.
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