Mir liegen sowohl die originale US-Ausgabe als auch die neue deutsche Auflage aus dem Carlsen-Verlag vor. Zu Will Eisner viel zu sagen, wäre so, als würde man Comicfans nach Metropolis tragen. Vollkommen zurecht wird Eisner als einer der großen alten Comic-Männer über seinen Tod (2005) hinaus geehrt und auch ein (in Amerika hoch angesehener Comic-Preis) ist nach ihm benannt.
Die US-Ausgabe aus dem Norton-Verlag ist vom Format her geringfügig größer als die Carlsen-Ausgabe, und im Gegensatz zur deutschen Ausgabe hat sie eine (fast schon grell-)farbige Titel-Illustration auf dem Schutzumschlag. Um einiges edler wirkt da die deutsche Ausgabe in blau, die eine Illu aus dem Innenteil reproduziert. Außerdem ist der Titel "New York" geprägt, was auch sehr wertig wirkt. Ein Schutzumschlag fehlt indes.
Auf mehr als 400 Seiten zeichnet Eisner gewohnt detailiert mal große und mal kleine Geschichten der Stadtbewohner nach. Besonders berührt haben mich dabei die erste Episode aus "The Building" über Monroe Mensh, der sich die Schuld am Tod eines Kindes gibt und sein Leben lang daran nagt und die Kurzgeschichte "Das Allerheiligste", in dem die fälschlich in der Zeitung abgedruckte Todesanzeige Pincus Pleatniks sein ganzes Leben entgleisen und ihn zu einem Unsichtbaren werden lässt.
Probleme hatte ich mit der Geschichte "Die Kraft", da sie als einzige in "New York" eben nicht in den Straßen der Stadt spielt und, weil der Hauptcharakter übermnschliche Fähigkeiten hat, auch nicht besonders realistisch ist. Sie wirkt auf mich etwas wie ein Fremdkörper in dem ansonsten in sich stimmigen Band.
Will Eisners feine Zeichnungen und Bilder sind nicht schwarz azf weiß gedruckt, sondern in einem dunklen Braunton auf leicht beigefarbiges Papier gedruckt.
Insgesamt ein weiterer feiner Band aus der Graphic-Novel-Aera Will Eisners. Bleibt zu hoffen, dass sich genügend (neue?) Leser finden, die die 34 Euro in den mit einem Lesebändchen ausgestatteten Prachtcomic investieren. Bitte diese Reihe unbedingt fortsetzen.
PS: Positiv bemerken möchte ich noch das Handlettering von Hartmut Klotzbücher für die deutschsprachige Ausgabe. Mit viel Liebe zum Detail und großer Nähe zum Original ist auch die Typo im deutschen wunderbar harmonisch! Schön, dass Carlsen in richtiges Handlettering Geld investiert - es kommt dem Gesamtwerk zugute!