Martin Scorsese sagte, "New York, New York" sei ein Film-Noir-Musical. Tatsächlich ist es kaum möglich, diesen Streifen einem Genre zuzuordnen. Er vereint Elemente des Jazzfilms mit denen der Tragikomödie. In seiner tiefsinnigen Handlung ist er zwar deprimierend, erreicht aber keine echte Tragik, was an dem oberflächlichen, teilweise unlogischen Drehbuch liegt, dessen Dialoge bis ins Blödsinnige abgleiten. Dafür können freilich die Schauspieler nichts, die in der Tat überzeugen; allen voran Robert De Niro, der eigens für diesen Film das Saxofonspiel lernte, und Liza Minnelli, die einmal mehr Stimmgewalt und Ausdruckskraft vor allem als Sängerin beweist. Eindrucksvoll wird außerdem die Entwicklung der Jazzmusik verdeutlicht, die sich als roter Faden von 1945 bis zum Ende der 50er Jahre zieht, also der Zeit, in der sich auch die Handlung abspielt.
Der Saxofonist Jimmy Doyle (De Niro) und die Truppenbetreuerin Francine Evans (Minnelli) lernen sich auf einer Siegesfeier 1945 nahe des New Yorker Times Square kennen. Jimmy macht sehr plumpe Annäherungsversuche, und nach einigem Hin und Her und Wenn und Aber werden die beiden schließlich ein Paar und treten gemeinsam im Orchester von Frankie Harte auf. Dieser gibt seine Bigband nach einer ertragreichen Tournee auf und überlässt sie dem talentierten Jimmy, der sie modernisiert und ihr mit einem neuen Stil auch einen neuen Erfolg bringt. Als Francine schwanger wird, bahnt sich jedoch eine Hassliebe zwischen den beiden an; sie können nicht mit-, aber auch nicht ohneeinander. Mit seiner Jähzornigkeit und seiner naiven Selbstsucht nervt Jimmy seine Frau bis zum Gehtnichtmehr. Das Orchester stürzt ab, als Frontsängerin Francine nach New York City zurückkehrt, um Studioaufnahmen einzuspielen. Nach der Geburt ihres Sohnes trennen sich Jimmy und Francine. Während er in den schwarzen Bluesclubs von Harlem einen Neuanfang wagt, steigt sie zur gefeierten Sängerin und Filmmusicalschauspielerin auf. Verbunden sind die beiden fortan durch "Theme from New York, New York", das er auf seinem Saxofon zum Besten gibt, während sie mit einer Gesangsversion dessen ihre Fans erobert.
Es sollte eine Hommage an die gute, alte Zeit des Filmmusicals der 40er Jahre sein - und Scorsese ist dies im Großen und Ganzen auch gelungen: durch die phänomenale Ausstattung, das Design, die Kostüme, die Kulissen, die Musik. Auch wenn letzteres nicht jedermanns Geschmack ist, denn nicht alle Welt steht auf Jazz. Aber das war's dann auch schon, weil Scorsese nicht in die Tiefe geht, zwar Emotionen auffängt, jedoch an der Oberfläche kleben bleibt. Das Drehbuch kommt zu kurz, wodurch das Beziehungsdrama zwischen Jimmy und Francine vor allem mit Klischees behaftet ist. Ansonsten hätte "New York, New York" trotz seiner ermüdenden Überlänge ein großer Filmklassiker werden können und hätte weitaus mehr Beachtung von Kritik und Publikum erfahren. Tatsächlich floppte der Streifen 1977 an den Kinokassen. Liza Minnelli hat dennoch zwei Signatursongs mitgenommen, die sie bis heute auf zahlreichen Konzerten singt: "But the World Goes 'Round" und "Theme from New York, New York". Letzterer hingegen wurde aber durch Frank Sinatras Neuinterpretation 1979 wesentlich bekannter.