Ah, endlich. Ich lehne mich entspannt zurueck in einen Buerostuhl, und der braune Amazon-Karton gibt unter meiner Fingern nach: Neue Welle, Nouvelle Vague, Bossa Nova NEW WAVE des großen Besuchsschriftsteller Christian Kracht ist endlich da.
Für die Zeit nach dem FREUND, und für all jene auch, die vielleicht sich nie ganz erholt haben von 1979 hat unser Held seine Festplatte durchforstet und die Suchergebnisse in einen von Martin Fengel und Tom Ising ganz wunderbar gestalteten Umschlag binden lassen. Das mit der Festplatte ist ganz wörtlich zu nehmen, denn es finden sich zwischen (es klingt albern, aber wir müssen die Dinge bei Namen nennen:) Neo-Klassikern der Reiseliteratur wie Wie der Boodkh in die Welt kam und warum, Smiths-Zitaten, Gesprächen, und einer Schlüsselloch-Hommage an das Gesamtkunstwerk Axel Springer(s) auch außerordentliche email-Korrepondenzen des Autors.
Christian Kracht rekonstruiert uns seine, nein, leider, nur: eine Welt von 1999 bis 2006, die und das ist das Verblüffende, liebe Berichterstatter im Hier und Heute auch noch in vielen Jahren etwas in ihren Lesern und Leserinnen auslösen wird. Ich glaube nicht, dass es Christian Krachts vornehmliches Ziel ist, in 20 Jahren noch lesbar zu sein. Eher will er auch dem in 150 Jahren zurückkehrenden Philip K. Dick etwas zu sagen haben, deshalb finden sich auch die mindestens ambitioniert zu nennenden Treatments und Skripte zu einem nie gedrehten Film ('Faserland', verfasst mit dem Dr. Eckart Nickel; Alle beginnen, christlich zu summen und das Wort Neckarauen zu chanten) und einem vielleicht doch nicht aufgeführten Theaterstück ('Hubbard', verfasst mit Akademie-Präsident Rafael Horzon).
Natürlich ist es völlig unmöglich, dieses Kompendium in weniger als 500 Worten zu summieren geschweige denn ausreichend zu lobpreisen. Zu vielfältig, zu hinterhältig, zu erratisch Freund Krachts Geist, zu reich seine Sprache, als dass man hier mit Rezensenten-Taschenspielertricks und Wortspielen (dass es kracht) dagegenhalten wollen sollte.
Am Ende nur, am Ende, da lacht Christian Kracht bestimmt, und der Leser ist wieder viel zu ergriffen von der Schönheit, die der Autor geschaffen hat.