Für das inzwischen zweite Album hat sich „Khymera" von einem Studioprojekt zu einer echten Band entwickelt, so sagte es zumindest deren Boss Daniele Liverani, Keyboarder der Prog Metaller Empty Tremor und Komponist der Rockoper Genius, der hier aber im Gegensatz zum Debüt nur Keyboards und Bass beisteuert und den Gitarrenjob dem jungen Tommy Ermolli überlässt - Nachwuchsförderung auf italienisch. Die Überraschung schlechthin ist der Sänger dieser Band, nämlich Pink Cream 96-Basser Dennis Ward mit seinem aller ersten Job als Lead Sänger. Den macht er gar nicht übel und präsentiert sich als sehr gute Rockröhre mit angerauter Stimme und akzeptablem Tonumfang. Andererseits ist Herr Ward am Mikrofon aber auch keine Sensation. Auf ähnlichem Level - sehr hörenswert aber recht unspektakulär - bewegen sich auch die 50 Minuten Musik auf „A New Promise". Die zwölf Songs (der Opener ist nur ein kleines Instrumental-Intro) bieten Melodic Rock im Stile der 80er Jahre ohne große Überraschungen. Tracks wie „Alone" und „Looking For You" haben einen Touch von Glam Rock und könnten durchaus von Bands wie Bad English oder Foreigner stammen, erreichen aber keinen ebenbürtigen Gänsehaut-Effekt. „The Damage Is Done" ist ein Stück heavier ausgefallen, dafür zeigt sich die Band mit den romantischen Powerballaden „All That I Have", „Tomorrow Never Comes" und „All Is Gone" von ihrer emotionaleren Seite. Hervorzuheben sind „After The Way" und „If You Dare To Dream", weil sie im Gegensatz zum Großteil der Songs durch etwas ausgefallenere Melodien auf sich aufmerksam machen anstatt zum einen Ohr rein und zum anderen raus zu gehen, und „You Can't Take Me (Away From You), ein toller Party-Kracher im Stile von Kiss in den 70ern mit beachtlichem Mitsing-Refrain. Dieser Song stammt übrigens aus der Feder von Jeff Scott Soto, genau so wie alle Songs auf die Konten von Fremdzulieferern gehen - erfahrene Songwriter, von denen Soto aber mit Abstand der Bekannteste ist. Summa summarum halten Fans des klassischen Melodic Rock/AOR ein Plättchen im oberen Durchschnittsbereich in Händen, das ihnen beim Hören wohl ebenso wie Liverani, Ward & Co. beim Einspielen ein paar Tage Spaß einbringen und dann schnell ins Hinterstübchen der musikalischen Hirnwindungen gedrängt werden dürfte. Besonders für Pink Cream 96-Fans ist es sicher ein Spaß, Dennis Ward beim Singen zuzuhören, zumal sich „A New Promise" musikalisch nicht so weit von dessen Stammband entfernt tummelt. Drei oder vier Sterne? Drei! Denn die neue Khymera muss zusätzlich dem Vergleich mit ihrer Vorgängerin standhalten, wo Kansas-Sänger Steve Walsh mit seiner einzigartigen Stimme die durchweg eine Klasse besseren Songs mit Magie erfüllte.