Das multinationale Ensemble Sarband hat sich auf alte Musik rings um den Mittelmeerraum spezialisiert.
Auf diesem Album geht es um die höfische Musik, die zu Regierungszeiten von Friedrich II. (Palermo) und Timur Leng (Samarkand) gespielt wurde. Die verschiedenen religiösen und kulturellen Hintergründen entstammenden Herrscher unterhielten vorsichtige diplomatische Beziehungen zueinander, und dazu gehörte u.a. auch der Austausch von Geschenken. Statt CDs schenkte man sich jedoch leibeigene Musiker, und diese brachten die Musik ihrer Kultur in die neue Umgebung mit. So entstand ein frühes Beispiel dessen, was Jahrhunderte später unter dem Etikett Weltmusik als große Neuerung des 20. Jahrhunderts gepriesen werden sollte. Das Ensemble Sarband hat sich mit gewohnter großer Virtuosität und Spielfreude den Zeugnissen dieser alten Musik angenommen.
Trotz der zwei lauteren kurzen Stücke, die das Programm des Albums wie Prozessionsfanfaren umrahmen, ist der Großteil der Aufnahmen den ruhigen, sehr charismatischen Liebesliedern und Meditationen gewidmet. Sowohl bei der Wahl der Instrumente als auch bzgl. der Klangfarben, Harmonien und Texten steht die Vermischung von Orient und Okzident im Vordergrund. Das Ergebnis dieser Synergie ist eine leise-dynamische, verspielte-virtuose Musik, die ich nicht anders denn als 'zaubrisch' zu charakterisieren vermag. Da mag ein leiser, kraftvoller, für unsere Ohren sofort "Bauchtanz!" assoziieren lassender Rhythmus überlagert werden von mehrstimmigem Gesang, der eher ins Gregorianische spielt: und die Mischung entführt und verzaubert, läßt träumen und genießen. Die alten Texte (in meiner Version teilweise mit abgedruckt) sind poetisch, vielschichtig - oft bleibt es unklar, ob es sich um ein religiöses, ein weltliches oder sogar versteckt erotisches Lied handelt. Das fügt der Faszination der Musik eine weitere Facette hinzu.
Sarband haben meines Wissens noch kein qualitativ schlechtes Album hervorgebracht, und auch "Music of the Emperors" ist ein Schmuckstück in jeder Sammlung. Die Aufnahmen sind - wie eigentlich immer bei Jaro - hervorragend, hätten nur z.T. lautstärkemäßig etwas besser ausgepegelt sein können - so muß man, um z.B. von "E vantende, segnor mio" (mein Favorit auf diesem Album) etwas zu haben, sehr laut aufdrehen, um dann jedoch spätestens beim lärmend-tänzerischen Schlußstück aufzuschrecken und wieder herunterzudrehen, damit der Nachbar nicht aus dem Bett fällt.
Alles in allem: eine Musik, die ich nicht missen möchte, und die interessierten Hörer/inne/n eine ganz neue Art von alter Musik zu eröffnen vermag.