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40 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Soundtrack for the Digital Teen Age, 5. August 2003
In den (ganz) frühen 80ern, namentlich 1980, war ich 13 Jahre alt und noch hauptsächlich damit beschäftigt, mich durch lautstarkes Hören von Heavy Metal als Erwachsener zu etablieren. Oder es wenigstens so darzustellen. Dass eigentlich Synthesizer und Sampler meine Instrumente sind und ich aus ernster und pathetischer Popmusik viel mehr ziehe, bemerkte ich eher schleichend im Lauf der nächsten Jahre.So kam es wohl auch, dass ich die "New Gold Dream"-LP bei ihrem Erscheinen 1982 zunächst übersah. Erst mit dem Simple Minds-Megahit "Don't You" wurde ich richtig auf die Schotten aufmerksam und erstand dann später, irgendwann Mitte der 80er, dieses frühere Werk als die "NGD"-Single eine kleine Renaissance erlebte und in unserer Stammdisco auf Heavy Rotation heiß lief. Seltsam, richtig gut fand ich die Platte damals gar nicht. Heute finde ich sie genial! Mit ihrer unglaublichen, strahlend blauen Dichte, atmosphärischen Klanggemälden ("Big Sleep", "Sombody Up There Likes You", "Hunter And The Hunted"), gespickt mit Insider-Evergreens der New Wave Aera ("Someone Somewhere in Summertime", "Promised You A Miracle" oder eben "New Gold Dream") fesselt sie mich beim aktuellen wieder-hören dermaßen an ein längst vergessen geglaubtes 80er Lebensgefühl... Wahnsinn!!! Wirklich schade ist, wie bei dem (jetzt wieder abflauenden) 80er-Revival gerade in Sachen Musik immer nur die ganz plakative Chartsoße im Vordergrund steht. NDW und Nena halt, klar, oder auch so -damals schon- oberpeinliche Skihütten-Mitgröler wie Opus' "Life is life". Das tatsächliche Lebensgefühl der frühen 80er aber, so wie es in der "New Gold Dream" eingefroren ist, bleibt mangels Vermarktbarkeit im Archiv: Ein unbestimmtes Wissen, an der Schwelle zu einem ganz neuen Technikzeitalter zu leben; Hoffnung, dass ungeahnte Technologien die Menschheit zu neuen Höhen führen können; Angst, seine eigene Identität in ebendieser verheißungsvollen Zukunftswelt zu verlieren... Ich habe diese Zeit als Teenie gelebt, habe ziemlich genau so gefühlt (ohne mir dessen damals bewusst zu sein) und finde das Gefühl heute in manchem Song wieder, wie ich es kaum je für möglich gehalten hätte. Wie ein musikalisches Tagebuch! Man mag über Simple Minds sagen/schreiben, was man will; nicht nur in meinen Augen sind sie im Laufe ihrer Karriere tatsächlich eher überbewertet worden. Diese Platte jedoch ist als manifestierter Zeitgeist ein Geniestreich, wie er in jeder Phase der Popkultur höchstens alle zwei bis drei Jahre gelingt. Auf irgendeiner englischen Website habe ich kürzlich ein Statement gelesen, dass den Mythos für mich und viele meiner Generation auf den Punkt trifft und dem es nichts hinzu zu fügen gibt. Irgendwie beklemmend, weil so poetisch und doch absolut wahr: "New Gold Dream was the music for a future that never happened."
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