Ich bin mit Adventures aus dem Hause Lucasfilm Games / LucasArts und Sierra aufgewachsen und freue mich immer wieder über ein gutes Adventure.
Nachdem ich vor einigen Wochen eine kurze Dokumentation zum Entwickler Daedalic und ihrem neuesten Werk Deponia gesehen hatte, war mein Interesse an den Jungs geweckt. Deshalb habe ich mir "A New Beginning" in dieser "Spiel des Jahres" Ausgabe gekauft und mich auf ein ausgezeichnetes Adventure gefreut.
Ehrlich gesagt bin ich doch stark enttäuscht. Optisch geht das ganze noch in Ordnung, genre-typisch muss man sich auch hier zwar leider mit recht mäßigen Animationen abfinden, aber das ist man ja gewohnt und sooo tragisch ist das nicht. Dafür sehen die Charaktere und Hintergründe recht hübsch aus. Das Thema des Spiels spricht mich nicht unbedingt an, taugt aber als Grundlage für eine eigentlich ganz interessante Geschichte.
Problematisch finde ich allerdings die krass überzeichneten Charaktere. Bösewichte sind dermaßen karrikiert, dass eigentlich schon nach zwei Sätzen klar wird, dass das kein Guter ist, die Heldin ist teilweise so völlig naiv, dass es weh tut, und der Co-Held der Geschichte macht innerhalb von zwei Szenen eine Wandlung vom deprimiertesten Menschen, den die Welt je sah, zum unerschütterlichen Helden. Die Synchronsprecher liefern maximal gesundes Mittelmaß, stellenweise wirken gesprochene Zeilen aber auch mal völlig deplatziert.
All das ginge für mich noch in Ordnung. Es dämpft zwar den Spielspaß und den Drang, weiter zu spielen, da die Rätsel insgesamt aber meistens logisch sind und ihre Lösung durchaus Spaß macht, bleibt man doch dran. Leider ist der technische Unterbau selbst in dieser überarbeiteten Fassung immer noch sehr marode. Ich musste bisher dreimal auf vom Entwickler bereit gestellte Spielstände zurück greifen, da ich nach dem Laden meiner eigenen Spielstände entweder mit keinen Objekten mehr interagieren konnte, jede Interaktion zum selben Gespräch führte, das bereits einige Szenen zurück lag und schließlich zu einem Absturz führte, oder mein Charakter wohl in einer anderen Szene herumlief als derjenigen, die ich sah, weshalb wieder keine Interaktionen möglich waren und ich die Szene auch nicht mehr verlassen konnte.
Desweiteren startet das Spiel mehr oder minder zufällig im Fenster- oder Vollbild-Modus und zum Wechseln des Modus muss das Spiel neu gestartet werden. Von Task-Wechseln zeigt sich A New Beginning gelegentlich auch alles andere als begeistert: Bei mir traten immer mal wieder dieselben Probleme wie mit den kaputten Spielständen auf, manchmal funktionierte ein Task-Wechsel aber auch völlig problemlos.
Zu guter Letzt erhielt ich einen im Spiel eigentlich angedachten Hinweis nie (der Charakter hat die entsprechende Zeile nie gesagt), weil ich wohl einen anderen Teil des Rätsels "zu früh" erledigt hatte. Einzige Hilfe bot hier eine Komplettlösung.
Es kommt selten vor, dass mir Bugs dermaßen den Nerv und spürbar den Spielspaß rauben, aber das, was hier abgeliefert wurde, ist nichts anderes als eine technische Ruine, die es einem leider sehr schwer macht, sich an den positiven Aspekten des Spiels zu erfreuen.
Zusammengefasst:
++ Schöne Hintergründe und Charaktere
+ Unverbrauchtes Thema und eigentlich interessante Geschichte
+ Rätsel meist logisch
- Charaktere völlig überzeichnet
-- Technisch "baufällig"
Wer das Glück hat, das Spiel ohne Bugs spielen zu können, erhält ein solides Adventure, wenn auch sicher keinen Meilenstein des Genres... allerdings scheint das für mich ein bisschen Glücksspiel zu sein: Bei vielen läuft der Titel problemlos, bei anderen ist es nur mit Mühe spielbar.