Da trägt Erykah Badu aber ganz schön dick auf. "Hiphop is bigger than religion" ist in "The Healer" zu hören. Hiphop ist auf jeden Fall das geeignetere Genre als Soul, um Protest auszudrücken. Und Erykah Badu ist stoned über den Zustand der amerikanischen Gesellschaft. So packt sie die Ellenbogen aus, schärft die Messer und zieht zu Felde mit einer geballten Ladung Protest-Funk gegen Korruption, soziale Schieflagen, Umweltverschmutzung und falsche Ernährung. Für eingefleischte Fans der ersten Stunde ist der Wechsel vom Neo-Soul zu hiphop-lastigem Funk zunächst ein Schock. Das Hiphop gleichzusetzen ist mit Vollproleten, die über Money und Boobs singen, ist eher ein europäisches Klischee. In seiner amerikanischen Tradition war Hiphop immer eine Ausdrucksweise zur Kanalisation für sozialen Protest. Den Zusatz 4th World War will Badu als Kampf des Einzelnen mit sich selbst sehen, um ein besserer Mensch zu werden.
Badu versucht sich die größeren Spielräume des Hiphops zu eigen zu machen, um ihre Kritik akustisch zu untermalen. Sie verwendet sehr abwechslungsreiche Hooks und fein gesetzte Beats. Die Klangarchitektur ist sehr filigran, der Hiphop wird sehr dreckig und roh gehalten, wie er auch einst war. Die Arrangements sind sehr funky, manchmal sogar unvermutet sphärisch und stehen in bester 60er Tradition. Auf die honigsüße Stimme von Badu braucht der Hörer nicht zu verzichten. Perfekt arrangiert sich die samtig-soulige Südstaatenstimme mit der Akustik. Viele Samples etwa aus dem Film Network werden ergänzend in den Sound gemischt. Einziger Makel ist vielleicht, dass es manchmal etwas unfertig wirkt. Der sanfte Flow von Alben wie Baduizm ist hier nicht zu finden. Das Album ist entsprechend dem Thema sehr eckig und kantig. Dennoch schimmern immer wieder Badus klassische Mixturen aus weichem Soul und dezent angedeuteten Jazz durch. Es ist also nicht nur eine Rückbesinnung auf die Wurzeln des Hiphops und des Protestfunks. Es ist ein Konzeptalbum, das den Hörer fordert.