Ein ehrliches Debutalbum, das sich nicht verstecken muss.
Ich habe seinen Spruch 'Wo "Nevio" draufsteht, ist auch "100% Nevio" drin' immer für ein bisschen überzogen gehalten.
Nun zeigt uns "100% Nevio", was er damit gemeint hat: Knapp ein Jahr nach seinem Ausscheiden bei "DSDS 3" (Vierter Platz) können wir alle nur froh sein, dass er sich die Möglichkeit erkämpft hat, dieses Album zu machen.
Eingängiger, abwechslungsreicher Pop, den man gut hören kann - wie leicht oder schwer darf's denn sein? Von der grandiosen italienischen Ballade "Sano Egoismo" bis zum groovigen "Vedrai" und dem melancholischen "Vorbei", das er mit Volkan Baydar von Orange Blue singt, sind seine Eigenkompositionen durchweg gelungen.
Nach diesem Jahr des Wartens und der Livekonzerte durfte dieses Album EINES nicht werden: glatt und langweilig. Zumal der Großteil der Fans seine Songs schon auswendig kennt. Was würde das Album bringen, außer endlich mal "kreischfreie" Aufnahmen? Nun haben wir eine Sorge weniger: ein sehr lebendig eingesungenes, gut produziertes Album, das selbst für Fans noch einige Überraschungen bereit hält.
Anspieltipps: die 'haltlos' eingesungene Unplugged-Ballade "Halt mich" (ein überaus gelungenes Grönemeyer-Cover), das jazzige "Grappolo di Vita" und das poprockige "Run Away" zeigen die ganze Bandbreite seiner Musik. Nevios Stimme klingt mal "Samt", mal rockig und rauchig - auch die Bigband-Aufnahme meistert er mit Bravour. Seine Stimme passt nicht zu jeder Musikrichtung gleich gut, aber singen kann er alles zweifellos, und gut arrangiert ist es obendrein - mit "echten Instrumenten", was nicht für jedes Debutalbum, zumal von 'Castingstars', selbstverständlich ist.
Mit nur zwei (!) Covers, von denen jedes seine Berechtigung hat (das melancholische "Dolphins make me cry" von Martin Joseph ist wie geschaffen für seine Stimme) ist dieses Album insgesamt ein tolles Debut, das auch kritische Hörer nicht enttäuschen wird. Von Herzen 5 Sterne.