Nachdem ich Still Missing gelesen und mit 5 Sternen bewertet habe, konnte ich es kaum erwarten, das 2. Buch der Autorin zu lesen.
Als ich sah, dass das Buch auch in Therapiesitzungen gegliedert ist, in denen die Protagonistin zuerst in der Gegenwart mit der Therapeutin spricht und dieser dann erzählt, was seit der letzten Sitzung alles geschehen ist, war ich genervt. Beim ersten Buch habe ich es als innovativ beschrieben, aber das 2. im gleichen Sitl zu schreiben, finde ich langweilig und einfallslos. Es handelt sich auch mal wieder um eine ältere Psychiaterin.
Sara, Anfang 30, Mutter einer 6jährigen Tochter, will in 9 (!) Monaten heiraten, als sie beschließt, nochmal eben schnell ihre leiblichen Eltern zu suchen. Nur anhand des Namens der Mutter in ihrer Geburtsurkunde, ein paar Mausklicks und 2 Anrufen, hat sie diese dann auch schon gefunden. Knapp 40 lange Seiten muss man sich mit Sara's Gefühlsleben und ihren Beziehungen (zur Tochter, ihrem Verlobten, ihren Adoptiveltern, ihren 2 Adoptivschwestern) auseindersetzen, was für einen Thriller eindeutig zu lang ist, bis das Buch endlich zum Punkt kommt. Der leibliche Vater ist ein Serienkiller!
Sich vorzustellen, der eigene Vater wäre einer, oder der Vater einer Freundin, des Partners, eines Bekannten, ist schon gruselig. Jetzt konnte es also losgehen. Aber von wegen! Das Buch ist dermaßen langatmig und langweilig, dass ich tatsächlich die Seiten nur überflogen habe, bis ich eine Stelle fand, die interessant oder wichtig war. Hauptsächlich geht es um die Beziehungen zu all ihren Familienmitgliedern, die natürlich durch die Sache mit dem leiblichen Vater beansprucht werden, ihren Gefühlen, Gedanken und Ängsten, die immer die gleichen sind. Es gibt auch mal wieder ein Ermittlerteam, das wieder aus einem gutausehenden, tollen Mann und einer Frau, mit der die Protagonisten, wenn diesmal auch aus anderen Gründen, auch wieder nicht so gut zurecht kommt. So kümmert sich auch dieser Polizist ein wenig mehr um das Opfer, als vermutlich üblich. Scheint also Standard bei der Autorin zu sein.
Bis zum Show-Down zieht es sich unglaublich lange, und selbst dieser konnte mich nicht fesseln. Also die Spannung hielt sich sehr in Grenzen. Am Ende gab es auch wieder eine Überraschung. Im ersten Buch war es wirklich eine, diesmal nicht. Schreibt Stevens nach Schema F?
Zu keinem der Darsteller konnte ich eine Beziehung aufbauen. Im ersten Buch war das auch nicht unbedingt besser, aber es war so - neutral. Durch die total spannende und interessante Handlung war ich auch so gefesselt, dass es mir beim Lesen gar nicht aufgefallen ist. Hier aber schon, weil eben auch die Geschichte öde war.
Tja, was bleibt da zu sagen? Die Idee ist toll, deshalb habe ich das Buch auch zu Ende "gelesen", aber die Umsetzung ist extrem schwach. Schade! Ich bin super enttäuscht und kann das Buch überhaupt nicht empfehlen. Ich wundere mich wirklich über die ganzen guten Rezensionen.
Ich kann das Buch nicht empfehlen.