Als Alfred Biolek Ende der 70er Jahre in einer seiner Sendungen - ich glaube, es war Bios Bahnhof - Kate Bush vorstellte, konnte ich meinen Ohren und Augen kaum glauben. Was für eine Frau, was für eine Musik! Nur wenige Tage später drehte sich Kate's erste Scheibe "The kick inside" unentwegt auf meinem Plattenteller, während ich Rosentee schlürfte und Räucherstäbchen mein 12-Quadratmeter-Zimmer zunebelten. Ich hatte noch nie vorher erlebt, dass ein(e) Künstler(in) es schaffte nicht einfach Songs zu singen, sondern einen Kosmos aufzubauen, in den man ganz tief eintauchen wollte.
Das zweite Album "Lionheart" enttäuschte mich dagegen schon etwas. Nette Songs, die aber bei weitem nicht so aus einem Guss wirkten, wie bei Kate's Erstlingswerk.
Aber dann wurde ich doppelt und dreifach entschädigt durch ihr 3. Werk "Never for ever":
Klar, "Babooshka" wurde am laufenden Band im Radio gespielt und auch in Diskotheken, obwohl der Song nicht gerade extrem tanzbar war. Und doch waren es eher die ruhigeren Stücke, die mich faszinierten, wie "Delius", "Blow away" oder "The infant kiss". "Breathing", der die Angst vor einem atomaren Störfall so intensiv beschreibt, dass er mir heute noch unter die Haut geht. Und dann natürlich "Army dreamers", der im Gegensatz zu seinem heiteren Walzertakt von einem jungen gefallenen Soldaten handelt. Wenn auch einer der Vorkritiker schreibt, dieser Song würde sich um die Jugendarbeitslosigkeit drehen, so ist er in meinen Augen ganz einfach ein Anti-Kriegslied und das wird auch sehr deutlich in dem dazugehörigen Video zum Ausdruck gebracht. Schade, dass es so ruhig um die feengleiche Kate geworden ist. Das letzte (leider nur mittelprächtige) Album liegt jetzt schon zehn Jahre zurück und nur die Tatsache, dass Tori Amos im letzten Jahr das wundervolle Album "Scarlet's walk" herausgebracht hat, tröstet etwas über die viel zulange Sendepause hinweg. Wenn schon nicht Kate herself, so kann Tori den Einfluss, den Kate auch auf ihr Schaffen gehabt haben muss, nicht verbergen. Gott sei Dank!