Raymond Benson wurde von der Erbengemeinschaft Ian Flemings seinerzeit auserkoren, neue Bond-Abenteuer zu schreiben und war Vorsitzender eines James Bond Fanclubs. Bessere Referenzen kann es nicht geben - sollte man meinen. Denn in Anbetracht des Romans Never dream of dying" frage ich mich, ob Benson von allen guten Geistern verlassen ist oder ob er Flemings Arbeiten überhaupt verstanden hat..
Von seinen bis dahin verfassten Bond-Romanen hat man sich dran gewöhnt, dass er geniale Grundideen für Stories nicht richtig umzusetzen und auszubauen weiß, aber was er sich hier geleistet hat, ist einfach nur SCHROTT, so traurig es ist, dies im Bezug auf einen Bond-Roman zu urteilen. Und ich bin nun wirklich seit 1987 Bond-Fan.
Ein James Bond, der in der Filmindustrie ermittelt und sich dabei in eine Schauspielerin verliebt, die ständig im Medieninteresse steht und ein Finale, das zu einem Teil in einem Kinosaal stattfindet? Schonmal überlegt, was das Wort Geheimagent mit der Betonung auf dem Wort geheim bedeutet? Das was Bond am Ende des Romans einsieht, hätte Benson eigentlich von Anfang an bewußt sein müssen. Nämlich, dass diese Grundkonzeption von einer Story interessant für einen Inspektor Closseau-Film gewesen wäre, aber nicht für einen Bond-Roman. Sollte Benson eine unterschwellige Karikatur auf die Bond-Filme im Kopf gehabt haben, als er sich das ausdachte, dann ist die gründlich daneben gegangen. Besonders katastrophal wirkt sich Bensons Roman auf eine Figur aus, bei der man sich zunächst einmal freut, ihr wieder zu begegnen. Aus Flemings Roman Im Dienst Ihrer Majestät" lässt Benson Marc Ange Draco, Vater von Bonds von Blofeld dort erschossener Frau Tracy wieder auftauchen. War er dort ein sympathischer Charakter, verfremdet Benson ihn hier total und verhöhnt damit Flemings Werk. Man könnte fast meinen Tracy - die wichtigste Frau in Bonds Leben - hätte es nie gegeben so ist das Verhältnis zwischen Bond und Draco hier. Eine absolute Schande für jeden, der diesen ganz besonderen Roman von Fleming liebt.
Anders geht es auch Bonds Freund Rene Mathis vom französischen Geheimdienst nicht, dem man hier erstmals seit Flemings Romanen Casino Royale" und Liebesgrüße aus Moskau" wieder begegnet. Dieser Charakter wird auch endgültig von Benson zerstört. Mit welchem Recht?
Draco als auch Mathis hätten eine andere Rolle in dieser Story verdient gehabt, so dass man sich gefreut hätte, alte, lang nicht gesehene Bekannte aus Bonds Welt wieder zu treffen, doch so hat Benson sie geschändet und damit Flemings Arbeit.
Never dream of dying" bildet nach dem gelungenen Roman Hightime to kill" und dem mittelprächtigen Doubleshot" den Abschluss der Trilogie von Bonds Kampf gegen die Organisation Die Union. Wenn es Bensons Absicht war, damit eine Hommage an Flemings SPECTRE schaffen zu wollen, dann ist ihm das in den beiden ersten Romanen gelungen, aber hier fährt er sie mit der Auflösung, was hinter der Union steckt, komplett gegen die Wand. Zumal auch die Idee, den Hauptgangster am Ende mit einer Bazooka vom Himmel zu holen, in Flemings Roman Diamantenfieber" geklaut ist.
Fazit: Dieser Roman ist einfach nur lächerlich und eine Schande. Ian Fleming würde im Grab rotieren. Mit weitem Abstand der schlechteste aller Bond Romane die es gibt.