Ganz anders als erwartet, repräsentiert "Never Die Alone" keinen Action-Movie, sondern die verstörende Milieu-Studie eines Drogendealers (DMX), dem es nicht gelingt, sich von den Einflüssen seiner Vergangenheit zu lösen. Interessant strukturiert und stilistisch in Anlehnung an Spike Lee verfilmt, ist "Never Die Alone" eine jener Film-Noir-Interpretationen, denen man etwas Zeit geben muss, um ihr gesamtes experimentelles Vermögen zu entfalten - ähnlich wie "Wonderland" oder "The Salton Sea". Das Drehbuch beinhaltet viele Zeitsprünge, wurde jedoch gemessen an der Schwierigkeit, diese logisch aneinander zu reihen, hervorragend realisiert. Die Synchronisation ist wesentlich besser, als man vermuten würde und die gute Darstellerriege gibt sich, allen voran der US-Rapper DMX, unerwartet faszettenreich. Fazit: Eine optisch eigensinnige, aber ansprechende Low-Budget-Produktion mit leichtem Independent-Touch, die es allerdings in sich hat. Dramatisch, spannend, verstörend und zeitweise ziemlich brutal. Fans klassischer Action-Blockbuster dürften erwartungsgemäß enttäuscht sein. Wer hingegen Freude an Filmen hat, die auch mal etwas riskieren, dürfte an diesem zu Unrecht verrissenen Kleinod der Filmkunst Vergnügen empfinden. Genreübergreifend empfehlenswert!