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Nevare Band 1. Die Schamanenbrücke
 
 
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Nevare Band 1. Die Schamanenbrücke [Gebundene Ausgabe]

Robin Hobb , Joachim Pente
2.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (9 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Sprachlich gewandt und mit Liebe zum Detail beginnt Robin Hobb mit "Die Schamanenbrücke" ihre neue Trilogie, in deren Zentrum der junge Nevare steht. (…) Ausreichend Potential für eine spannende Fortsetzung (…)« --Melanie Frommholz, booksection.de, 15.08.2009

Kurzbeschreibung

»Hobb ist eine der Großen der modernen Fantasy« Times of London Eine glänzende Zukunft liegt vor dem jungen Nevare. Gut gerüstet durch die strenge Erziehung seines Vaters und die harte Schule des alten Kidona-Kriegers Dewara reist er nach Westen, in die Hauptstadt, um an der Akademie des Königs seine Ausbildung zum Kavallerieoffizier zu absolvieren. Ohne es zu wissen, trägt er die Magie eines alten Volkes in sich. »Mit einem Wort: faszinierend.« Herald Sun, Melbourne

Klappentext

Nevares Lebensweg ist vorgezeichnet. Als Zweitgeborener eines Edelmannes ist er dazu bestimmt, Soldat zu werden, wie sein Vater es einst war, bevor der König ihn für seine Tapferkeit mit dem Adelstitel und einem Stück Land im Osten belohnte - im Osten, wo einst die Flachländer ihre Heimat hatten, jene »wilden« nomadischen Ureinwohner, die in Einklang und Harmonie mit der Natur lebten, und deren uralte Zauberei wundersame Dinge vermochte. Doch gegen die übermächtige Technologie der westlichen Zivilisation standen sie auf verlorenem Posten - sie wurden zurückgedrängt in die tiefen, undurchdringlichen Wälder.

Aber die Zauberkunst der Flachländer - der »Fleck«, wie sie sich selbst nennen - lebt. Dewara, ein Kidona-Häuptling, von dem Nevare lernen soll, wie man in der Wildnis überleben kann, nutzt die Gelegenheit und bringt Nevare mit der Magie seines Volkes in Berührung.

Über den Autor

Robin Hobb (Pseudonym), geb. 1952, hat zahlreiche Fantasy-Zyklen verfasst. Den deutschsprachigen Lesern ist Hobb vor allem durch die beiden Trilogien um »Fitz den Weitseher« ans Herz gewachsen.

Auszug aus Die Schamanenbrücke. Nevare 01. von Robin Hobb, Megan Lindholm, Joachim Pente. Copyright © 2008. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Magie und Eisen

[...] Eine Garnisonsstadt kann ein rauer Ort sein. Auch mit acht wusste ich das bereits, und deshalb näherte ich mich den älteren Jungen mit großer Vorsicht. Wie Vev gesagt hatte, übten sie sich in der engen Gasse zwischen der Schmiede und dem Lagerhaus im Messerwerfen. Sie spielten um halbe Kupfer- und Zinnstücke. Jeder Junge musste der Reihe nach das Messer mit der Spitze zuerst auf die Straße fallen lassen. Die Wetten gingen darum, ob das Messer stecken bleiben würde und wie nahe es jeder Junge mit seinem Wurf an seinen Fuß schafft e, ohne sich dabei selbst zu verletzen. Da sie allesamt barfuß waren, waren die Wetten auch ohne die kleinen Münzen, um die es ging, interessant, und ein Kreis von fünf, sechs gebannt zuschauenden Jungen hatte sich um den gebildet, der mit Werfen dran war. Der jüngste von ihnen war immer noch ein oder zwei Jahre älter als ich, und der älteste war schon deutlich über zehn. Es waren Söhne gemeiner Soldaten. Sie trugen die abgelegten Sachen ihrer Väter, starrten vor Schmutz und waren verlottert wie streunende Hunde. In ein paar Jahren würden sie ihre Papiere unterschreiben, und irgendein Regiment würde sie aufnehmen, ihnen den Dreck abschrubben und sie zu Fußsoldaten ausbilden. Sie kannten ihr Schicksal genauso, wie ich meines kannte, und schienen sehr zufrieden damit, die letzten Tage ihrer Kindheit damit verbringen zu können, alberne Spiele auf der staubigen Straße zu spielen.

Ich hatte keine Münzen, die ich hätte einsetzen können, und ich war zu gut gekleidet, als dass sie mich in ihren Kreis aufgenommen hätten, also öffneten sie ihren Kreis ein kleines Stück, damit ich zuschauen konnte, aber sie sprachen nicht mit mir. Ich erfuhr ein paar von ihren Namen, indem ich zuhörte, was sie einander erzählten. Für eine Weile machte es mir Spaß, ihnen bei ihrem seltsamen Spiel zuzuschauen und ihren groben Flüchen und Schimpfwörtern zu lauschen, die verlorene oder gewonnene Wetten begleiteten. Das war etwas ganz anderes als die Teegesellschaft en meiner Schwestern, und ich entsinne mich, dass ich mich fragte, ob dies wohl die Art von männlicher Gesellschaft war, von der mein Vater neuerdings ständig behauptete, dass sie mir angemessen sei.

Die Sonne war warm, und das Spiel zog sich endlos hin. Die Münzen und andere zufällige Schätze, die als Einsatz zugelassen worden waren, wechselten fortwährend den Besitzer. Ein Junge namens Carky verletzte sich am Fuß. Er hüpft e und heulte ein bisschen, machte aber bald wieder mit. Raven, der Sohn von Vev, lachte ihn aus und sackte fröhlich die zwei Pennys und drei Murmeln ein, die Carky gesetzt hatte. Ich schaute ihnen gebannt zu und hätte die Ankunft des Kundschafters wohl kaum bemerkt, hätten nicht alle anderen Jungen das Spiel plötzlich unterbrochen, als er vorbeiritt. Alle verstummten.

Ich wusste, dass er ein Kundschaft er war, denn seine Kleidung war zur Hälft e die eines Soldaten und zur Hälft e die eines Flachländers. Er trug eine dunkelgrüne Kavalleriehose wie ein richtiger Soldat, aber sein Hemd war das wallende, makellos saubere Leinenhemd eines Flachländers. Sein Haar war nicht kurzgeschoren wie das eines Soldaten, und er trug auch keinen richtigen Hut. Er trug sein schwarzes Haar lang und offen. Es war gekrönt von einer weißen Kaffi yah, die von einer weißen Seidenkordel gehalten wurde. Seine Arme waren nackt an jenem Sommertag, die Ärmel seines Hemdes waren bis zu seinen Bizeps hochgekrempelt, so dass seine Unterarme zu sehen waren, die umkränzt waren von tätowierten Ornamenten, Armbändern aus Silberperlen, Zinn-Talismanen und glänzendem gelben Messing. Sein Pferd war gut. Es war von pechschwarzer Farbe und hatte lange, gerade Beine. In seine Mähne waren klimpernde Talismane eingefl ochten. Ich betrachtete ihn mit gebanntem Interesse. Kundschaft er waren etwas Besonderes, hieß es. Sie waren Offiziere, zumeist Leutnants und oft von hoher Geburt, aber sie führten ein unabhängiges Leben, außerhalb der regulären militärischen Rangfolge, und waren oft direkt dem Kommandanten eines Außenpostens unterstellt. Gab es schlechte Nachrichten, waren sie immer die Ersten, die sie uns überbrachten, seien es Blockaden auf dem Fluss, Wegschäden oder Unruhen unter den Flachländern.

Ein Mädchen von zwölf oder dreizehn Jahren auf einem kastanienbraunen Wallach folgte dem Kundschaft er. Es war ein kleineres Tier mit einer fein ausgebildeten Stirn, die von bester Nomadenzucht kündete. Das Mädchen saß rittlings auf dem Pferd, was kein anständiges gernisches Mädchen je tun würde, und daran, wie auch an seiner Kleidung, erkannte ich, dass es ein Mischlingsmädchen war. Es war nicht ungewöhnlich, wenngleich noch immer nicht gern gesehen, dass gernische Soldaten sich eine Flachländerin zur Frau nahmen. Weniger üblich war, dass ein Kundschaft er sich so tief herabließ. Ich starrte das Mädchen mit unverhohlener Neugier an. Meine Mutter sagte oft , dass die Produkte von Mischehen dem gütigen Gott ein Gräuel seien. Ich war überrascht, als ich sah, dass eine so lange und hässlich klingende Wortfolge ein solch entzückendes Geschöpf beschrieb. Das Mädchen trug bunte, übereinanderfallende Röcke, einen orangefarbenen, einen grünen und einen gelben, die über den Rücken des Pferdes fielen und die Knie des Mädchens bedeckten, aber seine Waden und Füße frei ließen. Es trug weiche Stiefel aus Antilopenleder, an deren Schnüren silberne Glücksbringer funkelten. Eine weite weiße Hose lugte unter den bunten Röcken hervor. Seine kürzere Kaffi yah passte zu der seines Vaters und lenkte den Blick auf sein langes braunes Haar, das ihm in Dutzenden feinen Zöpfen über den Rücken fi el. Es hatte eine hohe, runde Stirn und kühle graue Augen. Seine weiße Bluse ließ seinen Hals und seine Arme unbedeckt und gab den Blick auf das schwarze Halsband frei, das es trug, und auf eine Anzahl von Armreifen, von denen sich einige über seinen Ellenbogen stapelten, während andere an seinen Handgelenken klimperten. Das Mädchen trug den ganzen Frauenschatz seiner Familie stolz und für alle sichtbar zur Schau. Seine nackten Arme waren sonnengebräunt und muskulös wie die eines Jungen. Während es die Straße entlangritt, schaute es sich kess um, ganz anders als meine Schwestern, die in der Öff entlichkeit stets züchtig die Augen niederschlugen.

Ihr Blick traf meinen, und wir tauschten Blicke ehrlicher Wertschätzung aus. Sie hatte wahrscheinlich noch nie den Soldatensohn eines Edlen gesehen, und ich reckte mich unvermittelt ein Stück, durchaus der Tatsache eingedenk, dass ich einen feschen Anblick bot in meiner dunkelgrünen Hose, meiner gestärkten Bluse und meinen schwarzen Stiefeln, besonders im Vergleich zu den ärmlichen Lumpen der schmutzigen Straßenjungen neben mir. Ich war nicht mehr so jung, als dass ich die Aufmerksamkeit eines Mädchens nicht als schmeichelhaft empfunden hätte. Ein Blick zu den anderen Jungen verriet mir, dass sie sich über die Aufmerksamkeit ärgerten, die das Mädchen mir schenkte. Sie starrten es an wie hungrige Hunde ein fettes Kätzchen.

Sie und der Kundschaft er saßen vor demselben Gebäude ab, in das mein Vater gegangen war. Der Kundschaft er hatte eine klare, sonore Stimme, und wir alle hörten, wie er zu ihr sagte, dass er zurück sein würde, sobald er dem Kommandanten Bericht erstattet habe. Er gab ihr ein paar Münzen und sagte ihr, sie könne, wenn sie wolle, die Straße hinunter zum Basar gehen und sich ein paar Süßigkeiten oder frischen Karalinensaft oder Bänder für ihr Haar kaufen, aber sie dürfe nicht hinter die Buden reihe dort gehen. »Ja, Papa«, versprach sie ihrem Vater hastig; dass sie möglichst schnell zum Basar wollte, war nicht zu überhören. Der Kundschaft er schaute herüber zu dem Haufen Jungen neben mir und warf uns geistesabwesend einen warnenden Blick zu; dann stieg er die Treppe hinauf und betrat das Hauptquartier des Kommandanten. Seine Tochter stand allein auf der Straße. [...]

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