Für mich ist das Buch ein gelungener Auftakt einer Trilogie. Wer die "Chroniken vom Weitseher" kennt, der kann in etwa erahnen, dass dem "Helden" ein langer Weg bevorsteht. Die vorliegende Geschichte handelt vom Werdegang eines heranwachsenden Jungen, dessen Lebensweg durch gesellschaftliche Konventionen vordefiniert ist. Schwerpunkt des Buches ist das erste Ausbildungsjahr an einer Militärakademie (Kavallerieakademie). Durch seine Erziehung militärisch und körperlich gut vorbereitet wird der Protagonist völlig unbedarft mit den politischen Machtverhältnissen konfrontiert und stellt schnell fest, dass die von seinem Vater hochgehaltenen Ideale nicht mit der Wirklichkeit konform gehen (Wenngleich sich gerade dieses Thema nach einiger Zeit etwas abgreift).
Der Protagonist ist ein Produkt seiner Welt, gefangen durch gesellschaftliche Zwänge und in seiner Handlungsfreiheit durch seine Erziehung gefesselt. Als Mitläufer versucht er den Anforderungen gerecht zu werden, die vermeintlich an ihn gestellt werden. Dabei agiert er genau so feige oder überheblich wie es jeder Mensch in einer Gruppe gleichgesinnter machen würde. Von Versagensängsten getrieben entsprechen seine Handlungen hauptsächlich den Mustern, die seiner Interpretation der gesellschaftlichen Erwartung gleichkommen. Falsch verstandene Kameradschaft hindern den Protagonisten immer wieder daran, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Ehrgefühl kollidiert mit Pflichtgefühl, Gerechtigkeitssinn kollidiert mit Aufrichtigkeit. Beschrieben wird alles andere als ein Held - nichts desto trotz sind die Handlungen nachvollziehbar. Insgesamt ist das Buch eine bunt gezeichnete Studie eines jungen Menschen, der - durch die Gesellschaft geformt - genau so reagiert, wie eben unter den Rahmenbedingungen erwartet werden kann.
Die Autorin hat eine Welt geschaffen, in welcher der Leser sich nicht fremd fühlt. Eine schön beschriebene und durchdachte Gesellschaftsform besticht und lässt genügend Raum für Spekulationen. Das Besondere an der gezeichneten Gesellschaft ist die vom Klerus vorgegebene Erbfolge und die damit einhergehende Berufswahl.
Fazit: Wer den Ritter ohne Fehl und Tadel sucht ist falsch beraten. Wer die Entwicklung eines jungen Mannes verfolgen möchte - mit allen seinen Unzulänglichkeiten - , der hat hier ein Buch gefunden, das den Erwartungen entspricht. Ich empfand dieses Buch als kurzweilig, gut geschrieben und durchaus ansprechend. Den Kauf habe ich nicht bereut und freue mich schon auf die folgenden Bände.