Immer, wenn ich drüben" sage ... und andere Kabarettgeschichten" ist eine großartige DoppelCD - eine Einzigartigkeit der deutschen politischen Kabarettgeschichte. Man stelle sich das vor: Wolfgang Neuss und das Jüngste Gerücht" 1965 im Berliner Ensemble in Ost-Berlin! Trotz Mauer und Dank des Tontechnikers in der Theater-Kantine direkt mitgeschnitten. Dazu auf einer weiteren CD andere bisher unveröffentlichte Kabarettgeschichten".Alles auf 2 CDs im Dezember 2003 erschienen. Sehr gutes Booklett vom Kabaretthistoriker Volker Kühn.
Neuss trat ja bereits gemeinsam mit Wolf Biermann ein Jahr vorher 1964 in seinem West-Berliner Asyl" auf. Sein legendärer Satz Immer wenn ich drüben" sage - mein ich hier" stammt jedoch aus dem Auftritt vom 18. Januar 1965 in der Theater-Kantine des Berliner Ensemble" in Ost-Berlin. Auf Einladung von Helene Weigel und mit enormen Schwierigkeiten verbunden reiste Neuss in den östlichen Teil der geteilten Stadt. Sein Besuch und Programm das Jüngste Gerücht" fanden vor Schauspieler-Kollegen, unter Aufsicht" und als geschlossene Veranstaltung" statt. Der inoffizielle Auftritt blieb nicht ohne Folgen für Neuss und die Nachwelt.
Grandios!
Mit dieser Sternstunde des deutschen Kabaretts setzen das Archiv der Akademie der Künste Berlin, edel records Hamburg sowie der Regisseur und Produzenten Volker Kühn ihre Reihe mit historischen Aufnahmen aus den Archiven der Akademie der Künste fort.
WOLFGANG NEUSS - (03. Dezember 1923, Breslau - 05. Mai 1989, Berlin)
"Ich bin der, vor dem mich meine Eltern immer gewarnt haben!" feixt Wolfgang Neuss, schlägt die Pauke und ist sehr mit sich zufrieden. Er wird 1923 in Breslau geboren, erlernt den Schlachterberuf, verweigert auf Hitlers Schlachtfeld den Dienst als MG-Schütze, indem er sich einen Finger abschießt. Nach dem Krieg wird er bekannt als Mann mit der Pauke, als scharfzüngiger Kabarettist mit Biss. Er singt auch als Filmschauspieler dem Wirtschaftswunder sein garstig Lied, tritt solo vor 20.000 Zuschauern in der Berliner "Waldbühne" auf und engagiert sich kompromisslos im politischen Kampf der APO. Bis er Zuflucht zu Drogen sucht und sich selbst ins Abseits manövriert. Allein und verarmt stirbt er 1989 in einer fast leeren Berliner Wohnung. (Hessischer Rundfunk)
"Eine Frage schwirrt mir durchs Hirn: Kann man so geschickt schweigen, daß man verstanden wird.?"
Wolfgang Neuss
"Es lebe der Wollhändler!
Gäbe es keine Wollhändler
gäbe es keine Schafe.
Gäbe es keine Schafe
hätte ich kein Publikum.
Also muß es Wollhändler geben."
Wolfgang Neuss