Ich habe mir diesen Reiseführer ausgesucht, da er sehr umfangreich ist und ich auf meiner Reise quer durch Neuseeland zu allen Regionen Infos haben wollte.
Insgesamt war ich allerdings eher mäßig zufrieden mit dem Reiseführer:
Aktualität - Infos zu Hostels, Backpackern und Gastronomie
Als junger, mit dem Internet vertrauter Mensch halte ich grundsätzlich wenig davon, Seite um Seite eines Reiseführers mit Hostel- und Backpackerinfos zu bedrucken. Das ist reine Papierverschwendung, kann niemals aktuell sein und Tripadvisor oder die BBH-Seite speziell für Neuseeland geben wesentlich umfassendere und aktuellere Infos zu den Unterkünften und Preisen. Dasselbe gilt für Infos zu Restaurants und Cafés (hier muss gesagt werden, dass der Reiseführer gar nicht den Anspruch hat, die besten Restaurants zu empfehlen, sondern man in den Auflistungen viele Restaurants findet, die der Autor als mittelmäßig oder sogar schlecht einstuft und sie einfach nur auflistet, weil er eben einmal da war und den Platz füllen möchte).
Insofern würde ich mir wünschen, dass die Verlage heutzutage einsehen, dass solche Infos die Reisenden nicht mehr interessieren, da sie viel besser über's Internet abgerufen werden können und es wirklich vor allem um Landschaft, Kultur, Wanderwege und Attraktionen in den Städten bei einem Wanderführer geht.
Wanderwege
Der Reiseführer nennt einige Wanderwege, verweist aber auch auf's Department of Conservation (DOC) - zurecht, da dieses eine wundervolle umfangreiche Website hat, auf der in allen Regionen Neuseelands die vom DOC verwalteten Wanderwege beschrieben sind (und das sind beinahe alle Wanderwege, bis auf die, die über Privatland führen). Aus diesem Grunde verstehe ich auch nicht, weswegen Wanderwege, die auf der Website des DOC bestens erklärt sind, überhaupt im Reiseführer erwähnt werden müssen. Die 40 detailliert beschriebenen Wanderungen und Touren, mit denen sich der Wanderführer rühmt, halte ich für eine Papierverschwendung, da alle, die ich davon bewanderte, ebenfalls auf der DOC Seite beschrieben standen (insbesondere bei einem Klassiker wie dem Tongariro-Crossing, zu dem man haufenweise Infos findet, verstehe ich nicht, warum der Wanderführer diese Tour noch mal verwurstet).
Ich hatte gehofft, dass der Autor bei diesen 40 Touren eigene Entdeckungen beschreiben würde, d. h. Touren, die nicht bereits beschrieben und kartographiert vorliegen, sondern die der Autor bei seinen vielen Neuseeland-Reisen selbst entdeckt hat oder Tipps von Einheimischen bekommen hat. Bekannte Wanderungen noch mal aufzuschreiben, halte ich für witzlos.
Outdoor-Aktivitäten
Hierbei nennt der Autor immerhin einige Möglichkeiten, die sich jeweils in bestimmten Regionen anbieten, wobei ein viel zu starker Schwerpunkt auf Mountain-Biking liegt. Es mag die persönliche Präferenz des Autors sein, Mountainbike zu fahren, aber dies trifft sicherlich nur auf eine Minderheit der Leserschaft zu. Ich fand es deshalb unnötig, dass in jedem kleinsten Kaff auf einen Mountainbike-Verleih oder eine Fahrradwerkstatt und Mountainbike-Tracks hingewiesen wurde, weil das einfach ein zu spezielles Interessengebiet ist, als dass es soviel Beachtung in einem allgemeinen Reiseführer über Neuseeland verdient.
Kulturelle Angebote in Städten
Die Auflistung ist gut, jedoch werden vor allem die Mainstream-Attraktionen erwähnt, über die man sich auf leichterdings in der Touri-Info informieren kann und einige Besonderheiten, die man als aufmerksamer Tourist in bestimmten Städten auch außerhalb des Touristenrummels für sich entdecken kann, wurden leider fast nie erwähnt. Da der Autor so oft in Neuseeland war, hatte ich auf etwas mehr Insider-Wissen gehofft.
Karten
Die Karten von den größeren Städten fand ich sehr hilfreich und gut, auch wenn es in jeder Touri-Info normalerweise einen kostenlosen Stadtplan gibt. Wenn man die Stadt allerdings gerade erst betritt oder nur hindurchreist und nicht extra einen Stadtplan braucht, können diese Karten einen guten Überblick bieten. Auch zeigen sie einem, wenn man seine Reise plant, gut den Aufbau einer Stadt, so dass man bereits eine Vorstellung von ihrer Größe und der Infrastruktur hat.
Beschreibungen der Regionen, der Flora und der Fauna
Auch diese Beschreibungen waren detailliert und interessant und boten einem einen Überblick über einen bestimmten Teil Neuseelands. Zum Teil waren die Hintergrundinfos zu Attraktionen an Wanderwegen etc. sehr eindeutig von den Schildern abgeschrieben, die dort für Touristen aufgestellt sind, so dass man bei der Besichtigung auf den Hinweisschildern noch mal dasselbe las, wie im Reiseführer. Hierbei wären zusätzliche Infos darüber hinaus nett gewesen, aber das hätte dann natürlich auch mehr Recherche verlangt =).
Trotzdem war ich gerade mit den Einleitungen der Kapitel über die jeweiligen Regionen insgesamt sehr zufrieden, da sie mir einen Überblick verschafften und bei der Reiseplanung halfen.
Zusammenfassend hätte ich mir einen anderen Schwerpunkt in dem Reiseführer gewünscht: weniger unnötige Hotel- und Restaurantinfos, die man im Internet besser und aktueller erhält, dafür mehr Insiderwissen, Wanderwege, die nicht schon umfassend ausgeschildert sind und interesseante Fleckchen in Städten, von denen einem nicht sofort an der Touri-Info erzählt wird.