Ich hatte das Taschenbuch Neurosenlehre, Psychotherapeutische und Psychosomatische Medizin von Hoffmann und Hochapfel zur Vorbereitung für den mündlichen Teil des 2. Staatsexamens in Humanmedizin erworben, da es einen relativ kompakten Eindruck machte und auch verschiedene Kommilitonen damit bereits auf die, einige Semster zurück liegende, Klausur in diesem Fach gelernt hatten. Wenn dieses Werk für Psychologen und Psychologiestudenten auch sehr aufschlußreich und geeignet sein mag (dies entzieht sich meiner Beurteilung, da ich Mediziner bin), so ist es meines Erachtens für Medizinstudenten gänzlich ungeeignet. Die Autoren bedienen sich eines ausgesprochen umständlichen Stils, der häufig mehrere Seiten für Informationen benötigt, die sich auch in wenigen Sätzen zum Ausdruck bringen ließen. Zu Gunsten (für Studenten) vollkommen überflüssiger peripherer Zusatzinformationen (denen außerdem teilweise ein erhebliches verwirrendes Potential innewohnt), wird auf die detailliertere Ausführung essentieller Informationen verzichtet. Des weiteren gestaltet sich das Buch ausgesprochen unübersichtlich strukturiert und disqualifiziert sich damit noch einmal mehr als ein Werk, aus dem ein Student effizient lernen könnte. Zum Vergleich dazu ist das gewaltige Werk "Praxis der Psychotherapie" von Senf und Broda, das rein physikalisch doppelt so groß und doppelt so dick ist und dabei noch die doppelte Seitenzahl aufweist, trotz dieses Umfangs einfacher und schneller zu handeln als das Taschenbuch von Hoffmann und Hochapfel. Davon abgesehen wirkt der ständig (subjekiv) wertende Charakter in den Formulierungen der Autoren, sowie deren (auf etwa jeder 10. Seite erfolgende) destruktive Kritik an der ICD10, gleichwohl überzogen wie subtil indoktrinierend. Schon möglich, daß manche Klassifkation in der ICD10 auf den einen oder anderen primär unlogisch wirken mag - dies ist jedoch kein Grund, in derartiger Häufigkeit und vor allem innerhalb eines Lehrbuches, diesem Unmut Ausdruck zu verschaffen.
Alles in allem ein Buch, daß dem psychoanalytisch (UND NUR DIESEM!) und psychologisch-historisch interessierten Leser sicherlich viele kurzweilige Stunden bereiten wird - für den klinischen Gebrauch, sowie für die Vorbereitung auf Klausuren und Examina, meines Erachtens aber gänzlich ungeeignet ist.