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Neuromancer
 
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Neuromancer [Taschenbuch]

William Gibson , Reinhard Henz
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (24 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 366 Seiten
  • Verlag: Heyne; Auflage: 1 (1. Januar 1994)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3453056655
  • ISBN-13: 978-3453056657
  • Größe und/oder Gewicht: 18,1 x 11,6 x 2,5 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (24 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 45.694 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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William Gibson
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Aus der Amazon.de-Redaktion

Cyberpunk -- wohl eine der wichtigsten Strömungen der 80er Jahre und hier in ihrer Rein- und beinahe auch Urform vorliegend. Die entworfene Welt ist düster und jeder sorgt sich nur ums eigene Überleben. Entweder hält man sich mit Verbrechen über Wasser oder aber man ist Angestellter eines Großkonzerns -- was im Grunde nicht viel Unterschied macht, denn diese Konzerne halten faktisch die Macht in ihren Händen und meist sind sie es auch, die das Geld für die Verbrechen der "kleinen Leute" springen lassen.

Es geht um Case, ehemals einer der "Daten-Cowboys", die über ihre Decks in das weltumspannende Netz der Matrix einloggen und für ihre Auftraggeber wertvolle Daten und Informationen besorgen. Dabei tauchen diese Freaks gleichsam in eine virtuelle Realität ein, sie sind direkt in die Matrix eingebunden und können mit ihrem metaphorischen Abbild interagieren.

Wie gesagt, Case war solch ein "Cowboy", bis einer seiner Auftraggeber beschloß ihm eine Lektion zu erteilen und seinem Leben den Sinn nahm: er erlitt einen Nervenschaden, der ihm die Benutzung seines Decks für immer unmöglich macht; und die Untersuchungen für die er sein ganzes Geld ausgab, bestätigten nur, daß der Schaden irreparabel sei. Also flieht er mit Hilfe von Drogen und Alkohol vor der Realität, verdient ab und an etwas Geld durch Gaunereien und hat im Grunde mit seinem Leben abgeschlossen.

In dieser Situation wird er von einem gewissen Armitage zu sich bestellt, der ihn mit den Fakten vertraut macht: eine Computerprognose schätzt Cases Lebenserwartung -- wenn er so weitermacht -- auf noch einen Monat, und Armitage biete ihm einen Job sowie die Möglichkeit, wieder in die Matrix des Cyberspace einzutauchen. Natürlich schlägt Case dieses Angebot nicht aus und läßt in einer illegalen Klinik die Operation durchführen. Zu ihrem Team gehört auch noch Molly, eine durch Implantate und Nagelmesser "getunte" Kämpferin, die für die körperlichen Aufgaben zuständig ist.

Armitage läßt die beiden immer nur das Notwendigste wissen, und ihre Nachforschungen über ihn führen nur in Sackgassen; sowohl die Identität ihrer Auftraggeber als auch ihr eigentlicher Auftrag bleiben immer noch im Dunkeln. Es kristallisiert sich nur heraus, daß ein Angriff auf die Künstliche Intelligenz eines Großkonzerns bevorstehen könnte -- für einen "Cowboy" die wohl gefährlichste Aufgabe, denn in der Matrix haben Abwehrmaßnahmen nicht nur psychische Auswirkungen.

Urteil: Ehrlicherweise muß man sagen, daß es zeitweilig recht konfus zugeht ... aber schließlich machen ja die Drogen und computererzeugten Illusionswelten den Cyberpunk erst zu dem, was er ist. Die Atmosphäre übt eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus -- die Möglichkeiten des Cyberspace genauso wie die Implantate der Straßen-Samurai. Obwohl die Geschichte äußerst linear verläuft und auf den ersten Blick nur Unterhaltungsliteratur darstellt, ist sie mehr als das; sie beschreibt eine einfache Philosophie: Überleben.

Die Künstlichen Intelligenzen, zwei Seiten eines "Ichs" die sich gegenseitig bekämpfen. Ein über Jahre geplanter Versuch sich aus den Fesseln zu befreien und eine neue Ebene des Bewußtseins zu erreichen. Das ist das Grundthema von Neuromancer, die Protagonisten sind lediglich Marionetten in den Händen einer anderen Macht.

Auch wenn der Stil sicher nicht jedem zusagt -- gelesen haben sollte man das Buch auf jeden Fall, denn es legte die Grundlagen für den heutigen Massenmarkt (wie beispielsweise Shadowrun) und ihn ihm tauchten erstmals viele Konzepte auf, die heute jedem vertraut sind (z.B. das des "Cyberspace"). Ein Muß. --Oliver Faulhaber

Über den Autor

William Gibson, geb. 1948 in South Carolina geboren. Er verliert früh seinen Vater und lebt bis zu seinem fünfzehnten Lebensjahr mit seiner Mutter in einer 2000-Seelen-Gemeinde in Virginia. Um seiner Vietnam-Einberufung zu entgehen, zieht er 1967 nach Kanada. Während seines Studiums der Englischen Literatur beginnt William Gibson Science-Fiction-Geschichten zu schreiben. William Gibson lebt mit Frau und Kind in Vancouver (Kanada).

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13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Utopisch, konfus und nostalgisch, 31. Dezember 2004
Von 
Christian von Montfort (Barcelona, Katalonien) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Neuromancer (Taschenbuch)
Es herrscht Endzeit-Stimmung. Etwa im Jahr 2020 ist der Großteil der Bevölkerung verarmt, schlägt sich mit Kleinkriminalität durch. Massiver Drogenkonsum ist Alltag. Doch die Technik ist voran geschritten: Virtuelle Realitäten, Drogen-Halluzinationen, Hologramme, Viren und Dämonen vermischen sich zu einer verwirrenden Welt, der Cyberwelt. Hacker wie Case sind die Stars der Stunde, sie surfen um die Welt, knacken jeden Code, und sie haben ihr Gehirn bereits direkt mit ihrem Computer verbunden. Als Case seinen Arbeitgeber betrügt, wird er per Toxid-Cocktail ausgeschaltet. Mühsam arbeitet er sich in der kaputten Unterwelt wieder hoch, um schließlich ein großes Ding zu drehen.

"Neuromancer" aus dem Jahr 1984 entstand in der Stimmung der erwachenden Internet-Euphorie. Die Stimmung ist durchgehend düster, das Leben ziellos. Man ist vernetzt, doch jeder schluckt sich high und kämpft für sich allein um das nackte Überleben - der Cyberpunk. Dieses Chaos zeigt sich auch im Schreibstil und den einsilbigen Dialogen, die mir ehrlich gesagt nicht so zugesagt haben - aber das ist sicher Geschmackssache.

Gibson hat mit seiner (Anti-)Utopie 1984 Maßstäbe gesetzt und viele Preise gewonnen. Die Entwicklung der IT hat er etwas unterschätzt (es blüht ein Schwarzmarkt-Handel mit heißen 3-MB-RAMs), andererseits hinkt die Forschung bei der Medizin und Gentechnik noch hinterher, etwa die Organtransplantation mal so eben am Nachmittag oder die Computer-Hirn-Koppelung. Lassen wir uns überraschen. Es ist keine schöne Welt, die Gibson beschreibt, aber wir sind auf dem Weg dorthin.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Kühle Metapher der heutigen Wirklichkeit, 25. Oktober 2007
Rezension bezieht sich auf: Neuromancer (Taschenbuch)
Gute Romane sollten etwas zu sagen haben. Sie sollten Haltung zeigen. Wenn sie das direkt tun, ist das auch okay, es gibt schließlich nicht unbedingt zu viele Heldensagen, die das System an sich in Frage stellen. Wenn sie ihre Kritik am Bestehenden allerdings indirekt ausdrücken, ist es umso besser. Großartig kann das politische, parabelhafte Science-Fiction. Wir alle kennen "1986", "Schöne neue Welt" und "Fahrenheit 451" als Beispiele. "Neuromancer" sollte auch endlich diesen Klassiker-Status bekommen. Warum?

Der Roman versetzt uns in eine Zukunft, die einerseits urban und hypertechnisiert, andererseits aber ein Rückfall in die Barbarei ist. Regierungen gibt es nicht mehr, es gilt nur das Recht des Stärkeren auf allen Ebenen. Das große Geschehen bestimmen ein paar wenige Weltkonzerne, die alles in der Hand haben. Auf der Mikroebene kämpfen Cybersöldner und Tagediebe in verregneten Straßenschluchten und Hochhaushinterzimmern um ihr Überleben. Sie sind einerseits in der Wirklichkeit und andererseits in der "Matrix", dem plastisch gewordenen Internet, in das man sich direkt mit dem Gehirn einloggt und die Datenwege und Knoten sozusagen in grafischer Form sieht. Nähert man sich dem Server einer Großbank, schwebt man etwa auf ein großes Dreieck zu.

Diese Welt ist kalt, ungemütlich, verwirrend. Das Buch ist nicht einfach geschrieben und der Plot selbst hat zwar ein überraschendes Ende und eine solide Struktur, aber er ist nicht entscheidend. Entscheidend ist, dass Gibson eine Welt zeigt, die gar keine echte Utopie ist, sondern nur das Ende der heutigen roten Fäden, wenn man sie konsequent zu Ende spinnt und es mit Privatisierung, Konzernherrschaft und Technisierung der Welt so weiter geht. Gibson hat das Buch in den 80ern geschrieben und erweist sich als pessimistischer Realist. Lakonische, unbehagliche Literatur, die ihren Platz zwischen Orwell, Huxley und Bradbury bekommen muss.
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Das gewisse Feeling, 26. September 2002
Rezension bezieht sich auf: Neuromancer (Taschenbuch)
18 Jahre nachdem das Buch geschrieben wurde, wurden nun alle Ideen in diversen Filmen und Spielen "verbraten", und das Genre Cyberpunk ist tot wie ein Flatliner. Trotzdem hat das Buch immer noch Qualitäten- und das ist das gewisse Feeling, das durch die Handlung durchschimmert. Es ist vielleicht die Mischung aus menschlicher Kälte und der Wärme, die ausgerechnet Maschinen geben können - und die Menschen, die ihr Menschsein teilweise an Maschinen abgegeben haben und zu etwas anderem geworden sind. Wer sich Gedanken macht, zu was die Gattung Mensch im 21.ten Jahrhundert wird, der muss Neuromancer gelesen haben.
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