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Bei all dem fällt auf, dass die Stimmen, die sich mit dem literarischen Wert des Romans beschäftigen, sehr leise sind. Geht es hier überhaupt noch um Literatur und was legitimiert diese vermeintlich paradoxe Methode? Der Plot ist schnell erzählt: Beigbeders Alter Ego Octave schreibt eine Innenansicht der Werbebranche, die von Klischees, Geschmacklosigkeiten und Zynismen nur so strotzt, um am Ende als Verräter gekündigt zu werden. Seine Erwartungen werden nicht nur nicht erfüllt, sondern er muss erst einen Ritualmord begehen, um in die Freiheit eines Gefängnisses flüchten zu können. Der Roman trägt aber nicht nur auf inhaltlicher Ebene dokumentarische Züge: Immer wieder unterbrechen Sprüche, Slogans und Drehbuchskripts den Text wie Werbespots im Privatfernsehen.
Dass das zwar interessant, aber künstlerisch nicht besonders originell ist, weiß Beigbeder selbst. Was viel wirkungsvoller ist, ist die Vermischung aus Realität und Fiktion: Der Autor experimentiert mit einer Wirklichkeit, die sich nur noch nach Marken und Produkten differenzieren lässt. Wie auch bei Christian Kracht tragen die Protagonisten Ralph Lauren, fahren einen BMW Z3 und schreiben Briefe an den Geliebten wie: "Kehr zurück. Wenn du zurückkommst, schenke ich dir einen VW-Beetle." Die paradox erscheinende Methode, durch die fulminante Inszenierung die Werbung mit ihren eigenen Mitteln schlagen zu wollen, ist insofern legitim, als sie eine ungeahnte Sensibilität für das aufzeigt, was man gemeinhin "Zeitgeist" nennen könnte und was jenseits aller Grenzen von Nationalliteraturen -- man denkt an die deutschsprachige Popliteratur und ihr Vorbild Ellis, an Pelivin oder Murakami -- in den letzten Jahren mit einem Sog wiederkehrt, dem man sich kaum mehr entziehen kann.
So wird auch der Kaufakt des Romans existenziell: Neununddreißigneunzig kostet das Buch -- sein Wesen ist der Preis, alles ist Ware. In Frankreich herrscht Kampfeszeit gegen das Gefangensein in einem medialen Netz, was dem Leser durch den Roman und seine Inszenierung eindringlicher kaum hätte vor Augen geführt werden können. Und lässt man sich auf dieses Gesamtkonzept ein, müssen all die Klischees und fragwürdigen Metaphern und Vergleiche auch nicht überbewertet werden. --Kristina Nenninger
Frédéric Beigbeder seziert die Werbebranche
Die Skandale, zumindest die literarischen, kommen zurzeit wieder aus Frankreich. Zahlreiche Autoren und vor allem Autorinnen sie alle sind auffallenderweise nicht mehr ganz jung verunsichern oder begeistern ein recht aufgeputschtes Publikum im In- und Ausland. Ob es tatsächlich Skandale sind, ob die Autoren oder Verlage nur geschickt und medial verstärkt eine Nische willfähriger Rezeption füllen, sei zunächst dahingestellt. Nachdem Michel Houellebecqs Stern mittlerweile schon wieder ein wenig verblasst (spricht die Kurzlebigkeit des Ruhms gegen die Qualität seiner Provokation?), macht sich der 36-jährige Frédéric Beigbeder, ein Freund des Erstgenannten, auf, uns Aspekte aus einer deregulierten, im narzisstischen Wahn befindlichen und in der Einsamkeit versinkenden Welt vorzuführen. Auch ihm eilt der Ruf voraus, ein ganz schlimmer Nestbeschmutzer zu sein. Sein Buch, das jetzt für das fest eingeplante Furore sorgt, beschreibt die Welt der Werbung als ein einziges, grausames Pandämonium. Der Titel, «39,90» (zugleich der Verkaufspreis in Deutschland), ist Programm: Der Wert einer Ware ist ihr Preis. Als jemand, der selber zehn Jahre lang in der Werbebranche tätig war, muss Beigbeder wissen, wovon er redet, und dürfte seinem Helden somit auch den entsprechenden Einblick mit auf den Weg gegeben haben.
Octave, so der Name dieses Helden, ist ein noch junger, aber bereits millionenschwerer Werbefachmann, er hat es zu etwas gebracht in seinem Metier, als «Kreativer» gehört er zu den Besten seines Fachs. Als Teil des Systems reproduziert er es nolens volens und permanent. Gleichzeitig weiss er natürlich um die Lügen, die mit seiner Arbeit endlos perpetuiert werden. «Ich bin Werber (. . .). Ich bin der Typ, der Ihnen Scheisse verkauft», tönt er vollmundig schon zu Anfang. Er sei ein «Weltverschmutzer» und schreibe dieses Buch, so erzählt er, um gefeuert zu werden, er sei nunmehr entschlossen, mit 33 abzutreten. Sein letzter Auftritt wird kein ruhmreicher sein, doch das ist einer späteren Dramaturgie geschuldet; im Vordergrund steht zunächst die Innenansicht eines opaken Gefüges, in welches Licht zu bringen Octave sich fest vorgenommen hat. So beschreibt er minuziös und mit deutlich zynischem Crescendo die nicht selten bizarren Abläufe, die in einem System professioneller Verlogenheit zutage treten. Der Chef des Joghurt-Unternehmens, für das er arbeitet, outet sich ganz nebenbei als Rassist; faschistoides Kriegsvokabular ist ohnehin an der Tagesordnung, und unser Protagonist, der seine Philippika schon mit höchst auffälligem, moralischem Aplomb angereichert hat, ist sich keineswegs zu schade, seine Überlegungen mit Zitaten aus «Mein Kampf» zu schmücken. Es wird klar: In ihrer Zerrüttung hat diese Gesellschaft inklusive ihrer Kritiker alle Regeln des Anstands bereits locker aufgekündigt und frönt geradezu hemmungslos einem postsozialen «anything goes». Das jedenfalls beklagt Octave vehement, selbst wenn er selbst als ethische Instanz bereits versagt hat. Dem Circulus vitiosus entkommt er nur dank seinem gesteigerten Drogenkonsum, der ständigen Prise Kokain, die er sich auf der Toilette reinzieht; anders ausgedrückt, er entkommt ihm eben nicht.
Womöglich ist diese schizoide Struktur mit dafür verantwortlich, dass man bei Octave und seinem lautstark vorgetragenen Aufklärungswillen den Eindruck moralischer Koketterie einfach nicht los wird. Was er beklagt, produziert er in eigener Verantwortung, was er zynisch verwirft, entspringt letztlich exakt seinem Geist.
Auf viel Sympathie darf Octave, dessen Engagement sich zusehends in einer Attitüde der Eitelkeit verliert, deshalb nicht zählen. Vieles ist und bleibt ungereimt in ihm. Sein Frauenbild ist milde ausgedrückt höchst anachronistisch, seine Unfähigkeit zur Liebe wird in seinen Masturbationsphantasien und in seinen Bordellbesuchen manifest, die er gleichzeitig zu besonders abgefeimten Überlegungen zur Rolle der Frau und zur Apologie des Mannes stilisiert («Das Bordell ist der einzige falsche Ort, wo der Mann wahr, schwach, schön und verwundbar ist»); sonstige Unreife demonstriert er zureichend damit, dass er ganze Nächte an seiner Playstation zubringt. Indes: Seine eigene traurige Einsamkeit würde dieser Rambo der Werbebranche jederzeit noch als letzte Freiheit verkaufen.
Doch in der Weise, wie er in den anderen um sich herum die Sklaven eines menschenverachtenden Systems erkennt, muss er dann auch seine eigenen Abhängigkeiten eingestehen. Das Kokain ist sein ständiger Begleiter, es erhält ihn am Leben, liefert ihm die nötigen Ideen und zerstört sein psychosoziales Gleichgewicht. Seine schwangere Freundin Sophie verlässt ihn, nachdem sie erfährt, dass er das Kind nicht haben will; über den Verlust der Beziehung wird er allerdings nicht hinwegkommen. Er macht eine Entziehungskur in Meudon, seine Einsamkeit wächst ins schier Endlose. In Ermangelung tragbarer menschlicher Kontakte verliert er sich in pornographischen Ersatzbildern, machistische Allmachtsphantasien lösen sich ab mit einem sich selbst attestierten «Groschenzynismus», in einem Wort: Der Mann ist am Ende. Hier hätte das Buch enden können oder müssen, und es wäre ein gutes Buch gewesen, stattdessen verliert es sich in der zweiten Hälfte in allerlei nutzlosen Nebenschauplätzen und einem der Geschichte jederzeit abträglichen Brimborium.
Denn die modern inszenierte Zerrissenheit des Helden, seine bissige Art, sein Scheitern in einer Welt des Scheins ist eine Zeit lang höchst unterhaltsam. Beigbeder hat aber zugelassen, dass der Plot ausfranst und mit einem sinnlosen Mord noch ein verkehrtes Highlight erhält: Irgendwo in Miami Beach, nach der Fertigstellung eines Spots, bringen der verzweifelte Moralist Octave und sein Kollege Charlie in einer Art acte gratuit eine alte Frau um, Octave wird dafür später in Frankreich zu zehn Jahren Haft verurteilt. Die letzten Gedanken macht er aus seiner Zelle heraus, phasenweise delirierend, er, Opfer und Produkt seiner eigenen Misere. Das alles wirkt freilich nur noch manieriert.
Und was bleibt am Ende vom präjudizierten Skandal? Die Erkenntnis, dass nicht nur die Welt, sondern auch die Werbebranche schlecht ist? Wir ahnten es. Und wir wissen sogar dies: The show must go on.
Thomas Laux
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
22 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Guter Rundumschlag gegen die Welt der Werbung,
Von
Rezension bezieht sich auf: Neununddreißigneunzig. 39.90 (Taschenbuch)
Ein Abgrund tut sich auf hinter den glänzenden Fassaden der Pariser Werbeagentur Rossery & Witchcraft, genannt "Rosse". Hier arbeiten erfolgreiche Kreative wie Marc, Charlie, Jean-Francois und Octave. Dank ihrer enormen Gehälter können sich die Werber ein sorgloses Leben voller Luxus leisten.Trotzdem ist das Leben nicht immer so einfach: einige suchen in perversen Pornovideos aus dem Internet ein Ventil für ihre Unzufriedenheit, andere täuschen ihren Tod vor, um aus der Hölle des Agenturalltags zu fliehen und wiederum andere entgehen der Welt aus Unmenschlichkeit und Oberflächlichkeit, indem sie sich Kokain und Prostituierten hingeben. Mittendrin in diesem Sumpf befindet sich Octave Parango, ein 33-jähriger Werber mit einem unverschämt hohen Einkommen und einem rasanten Lebensstil. Er hat alles (außer seine Freundin Sophie, die ihn verlassen hat und der er nachtrauert), aber vor allem hat er die Nase voll von der Scheinwelt, in der alles käuflich ist. Aus diesem Grund beschließt er, ein kritsches Buch zu veröffentlichen, um so seine Kündigung zu provozieren. Vorher soll er aber für seine Agentur noch eine Kampagne für das Magerjoghurt eines potenten Kunden fertigstellen. Dabei lassen sich Octave, sein Kollege Charlie und Model/Prostituierte Tamara im Paradies aller Werber, in Miami, zu einer brutalen Gewalttat an einer reichen Rentnerin hinreißen... Ein Rundumschlag gegen die zunehmend kommerzialisierte, herzlose moderne Welt ist Frédéric Beigbeder mit diesem Roman gelungen, der sich erstaunlich leicht liest. Meist trifft der Franzose dabei mit seiner Kritik den Nagel auf den Kopf. Um eine (eher unwichtige) Begleithandlung spinnt Beigbeder eine fast schon apokalyptische Vision von einer Welt, die im Argen liegt. Ganz so schlimm sieht die Welt in Wirklichkeit noch nicht aus (oder ist man schon so abgestumpft? Wahrscheinlich...). Aber etwas Übertreibung gehört ja zu jeder ernstzunehmenden Kritik dazu. Ohne jeden Zweifel ist "Neununddreißigneunzig" einer der besseren Romane, die in den letzten Jahren erschienen sind, geschrieben von einem Autor, der Zukunft hat. Dieses Buch wird sicherlich einen Platz finden neben anderen kritischen Romanen wie "Schöne neue Welt" oder "1984". Überdurchschnittlich gut! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
61 von 72 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Dackel im Pitbull-Kostüm,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Neununddreißigneunzig (Gebundene Ausgabe)
Beigbeder ist ein sympathischer Mensch. Schüchtern wirkt er, nett, liebenswürdig, Nase und Kinn ragen weit aus den Skilehrerlocken hervor. Das hat zwar mit seinem Buch nichts zu tun, aber das sind die positiven Eindrücke - gesehen bei einer Lesung in Wien. Durch seine Erscheinung und sein Aufreten nimmt man ihm nichts übel - zumindest ich nicht - ein netter Kerl und was er sagt, stimmt auch irgendwie, jaja, ganz ok der Bursche, ganz ok, nichts einzuwenden (Aber???). Und in Frankreich: angeblich ist er der neue 'Skandalautor' nach Houellebecq. Mit diesem Ruf verknüpfen sich Erwartungen. Löst er sie ein? 2 Dinge: Erstens - sein Buch verspricht gnadenlose Aufdeckung - allerdings bin ich von Aufdeckungsjournalismus in guten Magazinen bereits anderes gewohnt. Zweitens: literarisch ist das alles wenig anspruchsvoll - der Stil paßt durchaus ins Feuilleton einer Zeitung, die Frage ist, ob den Redakteuren dann die Geschichte nicht zu zahm wäre. Vorgeblich geht es um eine 'Abrechnung mit der Werbebranche', in der der Autor selbst jahrelang tätig war. Tatsächlich ist es aber eine Aneinanderreihung von Anekdoten aus dem daily business des Werbefritzen - die aber kaum überraschend sind. Es ist genauso, wie ich mir die Branche immer vorgestellt habe. Aber der Autor unterstellt mir, daß ich tatsächlich noch an die Glitzerwelt der Models und die Seriosität von Werbeagenturen geglaubt habe. Damit erinnern seine Aufklärungsversuche ein wenig an eine Filmszene aus Ang Lee's 'Der Eissturm', als der Vater - sozusagen in einem Gespräch von Mann zu Mann - sich verlegen bemüht, seinem bereits 16-jährigen Sohn die Nachteile des Onanierens beizubringen, der aber naturgemäß längst andere Sorgen hat. Beigbeder, der Insider, präsentiert mir zum Beispiel als sensationelle Enthüllung, daß alle Schauspieler in TV-Spots, in denen Nahrung beworben wird, die Nahrung nicht schlucken sondern ausspucken. Na sowas, wer hätte das gedacht. Insgesamt: es ist sicher kein großer Verlust, das Buch zu kaufen und zu lesen, vielleicht ist es zwischendurch ganz vergnüglich. Aber die Erwartung sollte lieber nicht auf Houellebecq-Ebene angesiedelt sein. Andernfalls wäre es eine Riesenenttäuschung. Letzterer ist ein Schriftsteller mit literarischem Anspruch, Beigbeder wenig. Mit Houellebecq verbindet ihn also private Freundschaft und die 'Konsumkritik' mit B.E.Ellis. Letzterer versteht es diese Thematik literarisch mit seinem fanatischen Sil umzusetzen, Beigebeder wirkt dagegen extrem harmlos und fast affirmativ in der Darstellung einer zwar 'bekleckerten' aber dennoch irgendwie interessanten Branche - denn schließlich kann man dort so schön unappetitliche Geschichten erleben. Das Pitbull-Kostüm wird dem lieben Dackel wohl eher von der Presse angelegt. Der literarische Stoff selbst hat nicht wirklich Biss, bestenfalls zwickt er spielerisch ein bisschen ins Wadel. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
"Verkaufen Sie die Leute nicht für blöd, aber vergessen Sie nie, dass sie es sind" (33).,
Von Michael Dienstbier "Privatrezensent ohne fina... (Bochum) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 100 REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Neununddreißigneunzig. 39.90 (Taschenbuch)
Frédéric Beigbeder hat zehn Jahre lang recht erfolgreich als Werbetexter gearbeitet. Doch irgendwie scheint ihn diese Tätigkeit nicht so wirklich mit Freude erfüllt zu haben. Sein im 2000 erschienener Roman "39,90" ist eine brutal-zynische Abrechnung mit der Werbeindustrie, die an Illusionslosigkeit und sprachlicher Direktheit selbst einem Michel Houllebecq in nichts nachsteht.Der Werbetexter Octave hat eigentlich alles, was ein Mann sich nur wünschen kann: Geld ohne Ende, schnelle Autos und Frauen. Doch er kann sein Leben und seinen Ekel vor seiner Umwelt nur noch mit jeder Menge Zynismus und im zugekoksten Zustand ertragen: "Seit zweitausend Jahren war nie ein verantwortungsloserer Idiot so mächtig wie ich" (18) urteilt er über sich selbst zu Beginn des Romans. In der Werbeindustrie, die den potentiellen Konsumenten einen schönen Schein und die Illusion von Glück und Selbstverwirklichung durch den Kauf bestimmter Produkte vorgaukelt, ist die Verachtung der Massen eine Grundvoraussetzung der Arbeit: "Verkaufen Sie die Leute nicht für blöd, aber vergessen Sie nie, dass sie es sind" (33) lautet das Credo der Branche. Glück und Zufriedenheit stellen in dieser Welt eine große Gefahr dar, da glückliche Menschen nicht, oder zumindestens weniger, konsumieren, da sie ihre Persönlichkeit nicht über den Besitz bestimmter Artikel definieren. Doch diese Gefahr besteht in den Augen der Werbeindustrie, dem Himmel sei Dank, nicht, da der Mensch von Natur aus nicht zum Glück geschaffen sei: "Die Arbeitslosen sind unglücklich, weil sie nicht arbeiten dürfen, die Arbeitenden, weil sie müssen. Träumt süß, vergesst euer Prozac nicht. Und stellt vor allem keine Fragen. Hier ist kein Warum" (71). "39,90" ist eine Mischung aus einem Roman und einer ideologiekritischen Abrechnung mit den Mechanismen der Werbeindustrie und der Pervertierung des Menschen in einer Kultur, die Konsum und Gewinnstreben zum Endziel erklärt hat. Dazu wimmelt es im Buch nur so von zynischen Sprüchen, von denen die meisten hier nicht zitiert werden können, da sie das automatische Amazon-Zensur-System zum Kollabieren bringen würden. Der Leser kann sich der zynischen Kraft des Buches auf keiner Seite entziehen und verfolgt den Weg des Protagonisten bis zum finalen Gewaltausbruch mit einer Mischung aus Faszination und Ekel. Was bleibt ist eine illusionslos-naturalistische Antwort auf die Frage nach dem Sinn unserer Existenz: "So ist das Leben: Du wirst geboren, du stirbst, und dazwischen hast du Bauchweh. Leben heißt Bauchweh, die ganze Zeit: mit 15, weil du verliebt bist; mit 25, weil du Angst vor der Zukunft hast; mit 35, weil du trinkst; mit 45, weil die Arbeit dich auffrisst; mit 55, weil du nicht mehr verliebt bist; mit 65, weil du Angst vor der Vergangenheit hast; mit 75, weil der Krebs dich auffrisst" (237). Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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