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Neun: Roman
 
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Neun: Roman [Gebundene Ausgabe]

Andrzej Stasiuk , Renate Schmidgall
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 300 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 2 (4. März 2002)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518413260
  • ISBN-13: 978-3518413265
  • Größe und/oder Gewicht: 20,5 x 12,9 x 2,9 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 1.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 716.745 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Andrzej Stasiuk
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Wenn aus Inland Ausland wird

«Neun»: Andrzej Stasiuks Roman einer Zeitenwende

«Noch fünf Jahre (. . .) und überall wird Ausland sein», sagt melancholisch eine Figur in Andrzej Stasiuks 1999 auf Polnisch erschienenem und seit kurzem übersetzt vorliegendem Roman «Neun». Es ist bald so weit: Nach der lethargisch brutalen Selbstvergessenheit der realsozialistischen Endzeit und den Wucherungen eines ungezügelten Frühkapitalismus nach 1989 werden die öffentlichen Räume der osteuropäischen Innenstädte nun mit den immergleichen Versatzstücken aus dem Fundus eines globalen Marktes möbliert. Sie decken die Widersprüche zu und taugen ausserdem wenig als Medien einer identitätsstiftenden Erinnerung. Stasiuks Roman spiegelt die Warschauer Gegenwart der späten neunziger Jahre in Erinnerungen an die siebziger und achtziger Jahre, als das Ausland noch ein Traum war, der einen das beklemmende Inland umso intensiver erleben liess. Die Rebellion der frühen Jahre verbraucht ihre letzten Energien in kriminellen Akten zur Erlangung von Luxusgütern oder in Fluchtversuchen ohne Ziel, so lautet der Befund des Romans. Den autobiographischen Subtext hierzu liefert Andrzej Stasiuks 2001 auf Deutsch erschienene ironische Zwischenbilanz «Wie ich Schriftsteller wurde». Das Buch zeichnet den Weg des inhaftierten Wehrdienstverweigerers, der für Lou Reed und Beckett schwärmte, zum Intellektuellen nach. Die Hygiene der neuen Verhältnisse wird für Stasiuk nur Wirklichkeit im Kontrast zu einer Welt aus Verlierern, Kriminellen, ins Abseits Geratenen. Die Gänge und Fahrten im Roman führen denn auch an die Peripherie Warschaus oder in das Halbdunkel von Unterführungen und Bahnhofshallen – dorthin, wo die Dinge noch einen stechenden Geruch besitzen, das Licht von zuckenden Neonlampen über Imbissstuben mit fettigem Essen flackert, wo im stechenden Benzindampf alter Autos sich der Blick in brackigem Wasser unter rostenden Brücken verliert. In der Beschreibung nicht immer frei vom Pathos einer universellen Ausgesetztheit lässt Stasiuk seine Figuren ihre Kreise zwischen Bierbuden und Ausfallstrassen ziehen: «Das Nichts hatte wie eine Flamme die Ulica Kijowska erfasst, den Bahnhof, die Züge, die Autos, die Menschen und die Läden (. . .) und sie war allein, zusammengerollt in diesem zerwühlten Bett, das wie ein Papierschiffchen in der schwarzen Unendlichkeit driftete.» Neun Leben hat die sprichwörtliche Katze, über mindestens neun Leben scheinen auch die Stasiuk'schen Figuren zu verfügen. Folgerichtig werden ihre Lebensläufe nicht zu Ende erzählt, sie laufen einfach aus. Der antimoderne Affekt des Schriftstellers Stasiuk, der seit 1986 in einem kleinen Dorf in den Beskiden, in der «Welt hinter Dukla» lebt, ist unverkennbar. In diesem Punkt ist er Peter Handkes poetischer Jugoslawien-Utopie nahe, die Momente eines nicht entfremdeten Lebens etwa in archaischen Tauschgeschäften entdeckt, auch oder gerade wenn diese einer improvisierten Notwirtschaft geschuldet sind. Und zweifellos lässt sich aus den verrottenden Milieus poetisches Kapital eher schlagen als aus einer – wenigstens auf den ersten Blick – moderierten westeuropäischen Gesellschaft. Der Roman enthält sich jeder sozialkritischen oder psychologischen Diagnose der polnischen Gesellschaft nach 1989. Gerade dadurch gelingt es ihm, das Fehlen moralischer Kategorien und kollektiver Verbindlichkeiten verständlich zu machen. Für die Figuren in «Neun» gilt, was der Prager Jáchym Topol, der gleichen Generation wie der 1960 geborene Stasiuk angehörend, in seinem monumentalen Nachwende-Roman «Engel Exit» formuliert hat: «Für jeden von ihnen war eine Welt untergegangen, jeder musste sich eine neue erschaffen, anderswo. Und der Underground in seinen klassischen Kulissen kehrte zu einem seiner ältesten Brennpunkte zurück; er wurde zur Unterwelt.» Gewalt passiert wie nebenbei, sie erscheint so perspektivelos wie alles andere. Nur beim Blick zurück werden auch die Hartgesottensten sentimental. Dies entspricht vielleicht dem Zustand einer kollektiven Psyche, die Identität immer noch eher aus dem Blick zurückgewinnt als aus der Erfahrung eines widersprüchlichen Jetzt. In Bruchstücken erzählt Stasiuk in «Neun» die Geschichte von Pawel, einem jungen Geschäftsmann, der zahlungsunfähig wird und in der Folge von brutalen Eintreibern verfolgt wird. Bei seinen ziellosen Gängen durch die Stadt kommt es zu Begegnungen mit Freunden von früher. Der eine, Jacek, ist ein kleiner Drogendealer, der in einer völlig verwahrlosten Wohnung haust; der andere, Bolus, fett, neureich und kriminell, hat seine Wohnung mit den Insignien des neuen Wohlstands ausgestattet, fährt einen BMW, trägt Goldketten zu violetten Hemden. In der Beschreibung von Interieurs, in der Charakterisierung von Figuren durch die Dinge, mit denen sie sich umgeben, liegt Stasiuks grosse Stärke – und in der Evokation grösserer Räume. «Meine Leidenschaft [galt] schon immer der Geographie und nicht der Geschichte», schreibt Stasiuk im Essay über Europa, weil die – nach Osten – offenen Räume ein «Fluchtweg» sein könnten. Er habe genug «von allen diesen Veränderungen» und wünsche sich, «dass die Welt endlich zu dauern beginnt». Andrzej Stasiuks Literatur ist nicht frei von Sentimentalitäten und männlicher Kraftmeierei. Trotzdem ist er einer der interessantesten Schriftsteller seiner Generation. Bernhard Fetz

Kurzbeschreibung

Pawel, ein junger Geschäftsmann, der es zu einem bescheidenen Textilhandel gebracht hat, erwacht in einer Trümmerlandschaft. Der Spiegel im Bad ist zerschlagen, Tuben, Bürsten und Fläschchen liegen auf dem Boden, Kleider sind aus dem Schrank gerissen. Er verlässt seine Wohnung und fährt durch Warschau, getrieben von Unruhe und Angst. Er hat Schulden, man ist ihm auf den Fersen, er braucht Geld. Ein Freund, Jacek, an den er sich um Hilfe wendet, entgeht knapp einem Überfall und ist ebenfalls auf der Flucht.
Stasiuk erzählt diese Geschichte aus dem kriminellen Milieu so unspektakulär wie beklemmend. Ohne Kommentare, präzise wie ein allgegenwärtiges Kameraauge, begleitet er seine Protagonisten von Schauplatz zu Schauplatz: über Bahnhöfe und Magistralen, durch Industriebrachen und Hotelruinen, wilde Gärten und aufgeweichte Lehmwege, heruntergekommene Innenhöfe und schließlich auf die Dächer hoch über der Marszalkowska, wo die Verfolgungsjagd endet. Sein multipler Erzähler lauscht den A temzügen der Großstadt, belauert sie wie ein Lebewesen, spürt dem Vergehen der Zeit nach und wird Zeuge eines Mordes.
Nach "Der weiße Rabe" und "Die Welt hinter Dukla" hat Stasiuk in seinem neuen Buch - es ist sein neuntes - die poetische Ausmessung der heutigen polnischen Wirklichkeit weitergetrieben. Hinter allem, was geschieht, wartet der Stillstand. Das träumerische Wissen um die Vergeblichkeit jeder Fluchtbewegung gibt dem Roman seinen eigentümlichen Zauber.

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7 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen Völlig überladen, 28. Februar 2004
Von 
Rezension bezieht sich auf: Neun: Roman (Gebundene Ausgabe)
Der Klappentext und der wirklich gute Anfang des Buches haben mich dazu gebracht es zu kaufen - bereut habe ich das bereits auf Seite 5. Post-Sozialistischer Alltag hin oder her, der Held ist verzeweifelt und jedes Ding in seiner Umgebung wird ihm zum Menetekel. Jedes. Auf jeder Seite, in jedem Satz, mit jedem Wort. Das nervt, und auf Seite 5 beginnt es sich zu wiederholen, andaeuernd fliegend irgendwo müde Vögel auf, oder dasselbe rote Flugzeug mit einer Reklame für irgendein Schmerzmittel(!) taucht ständig in dem Blick durch die Häuserlücken Warschaus auf - bis man sich fragt, ob dem PIloten nicht irgendwann schwindlig wird oder der Sprit ausgeht. Von der Story sieht man nicht viel, die schleppt sich nur müde durch die Kulissen. Gähnend langweilig, wirklich.
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1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen sprachlos, 25. April 2010
Von 
Auch ich habe mich vom Klappentext und einer Beschreibung in einer Literaturzeitschrift verleiten lassen, dieses Buch zu kaufen. Bis zur Hälfte des Buches hielt ich durch, und lege es nun endgültig weg. Legt man es zwischenzeitlich nämlich mal zu lang weg, weiß man nicht mehr, wer was wo zu wem sagt. Den Sinn und Zweck der Geschichte habe ich bislang nicht verstanden. Das mag an mir liegen, auch weil ich vielleicht den eventuell vorhandenen roten Faden (noch) nicht gefunden habe. Ich bezweifle aber, dass sich dieser im hinteren Teil des Romans befindet ... Keinesfalls eine Empfehlung!
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