Ralf Friedrichs legt endlich nach: Nach den legendären Neulich im Geißbockheim-Dialogen, von denen viele Leser/innen nicht genug kriegen konnten, ist das hier die etwas andere Geschichte des 1. FC Köln. Keine Vereinschronik, wohlgemerkt, mit den nüchternen Meilensteinen der Clubhistorie (3 Meisterschaften, etliche Pokalsiege, aber auch 4 Ab- und vier Wiederaufstiege in die Bundesliga). Sondern mitgehörte und hinterlassene oder zuuuufällig entdeckte, dabei immer rein fiktive und erfundene Szenen aus beinahe 65 Jahren: prall und überaus witzig dargeboten, mit viel Esprit und ganz wenig Rücksicht auf "political correctness".
"Neulich ... History" setzt dabei auf Bewährtes: Die meisten Episödchen sind als Dialoge angelegt, wie bei Dramen. Ralf Friedrichs spielt hier seine große Stärke aus, die genau beobachteten Typen rund um den FC, von Franz Kremer über Peter Weiand und den legendären Gegenspieler vom Kontrahenten aus der Südstadt, Schäng Löring, bis zu Stephan Engels und - als "Gast" - Jürgen Zeltinger. Denen werden wortgewaltig und mit urkölschem Witz Dinge in den Mund gelegt, die so nie stattgefunden haben, aber durchaus hätten stattfinden können. Die Transfereinnahmen aus dem Wechsel von Thomas Häßler von Köln nach Turin etwa sind einfach mal so in einer einzigen Nacht verjubelt worden, jedenfalls fast, weil der Geschäftsführer, ein Ex-Spieler und besagter Jürgen "die Plaat" Zeltinger jägermeisterbeseelt die Lust überkommt, einen draufzumachen. Das ist großes Dialog-Kino, dem die Tagebuchaufzeichnungen des selbstverliebten und hochgradig egomanischen Christoph Daum in nichts nachstehen. Zu meckern gibt es eigentlich nur, dass ein Korrekturlesen vielleicht nicht das Schlechteste gewesen wäre.
Fünf Sterne für den Nachfolge-Band zu den Geschichten aus dem Geißbockheim, der nahtlos anknüpft an "Neulich im Geißbockheim" und "NiGBH 2. Halbzeit", was Schlagfertigkeit und gekonnte Charakterstudie der Akteure beim und im 1. FC Köln angeht. Lukas Podolski thront über allem (geschildert werden die Episoden rückblickend aus dem Jahr 2022, als Poldi längst FC-Präsident ist) und hat zu allem immer einen lakonischen und seeeehr passenden Kommentar parat - auch zur Gründung des Vereins im Jahr 1948: "Damit Fusion, 1. FC Köln und aus die Maus!" Mein Tipp würde analog dazu lauten: "Leute, lesen und amüsieren. Und aus die Maus!"