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Weit entfernt von allen Untergangsvisionen wurden am 1. Januar 2004 im Wiener Goldenen Saal besonders Johann Strauß père -- sein 200. Geburtstag steht bevor -- und sein Konkurrent Joseph Lanner gefeiert: Ersterer kam im ersten Teil des Konzerts u.a. mit seinem "Philomelen-Walzer" und dem mit rassigen Kastagnetten-Klängen aufwartenden "Cachucha-Galopp" zur Geltung; Letzterer stand mit seinen "Hofball-Tänzen" und dem "Tarantel-Galopp" am Schluss der ersten Programmhälfte. Bei der Live-Übertragung am Neujahrsmorgen ging dem Orchester am Schluss der "Hofball-Tänze" die Intonation der Piccolo-Flöten ein wenig nach oben durch und im "Tarantel-Galopp" wunderte man sich einmal über sehr unsaubere Blechbläserklänge -- Probleme, die in der aus mehreren Versionen zusammengeschnittenen CD-Fassung wahrscheinlich nicht mehr zu hören sein werden.
Riccardo Muti, agil wie eh und je, gab zunächst eher den galanten Conférencier am Pult, kam dann aber im zweiten Teil richtig in Fahrt: Mit effektvoll wippender kohlschwarzer Haarpracht, sportlichen Luftsprüngen und elegantem Knieschwung feuerte er die Musiker immer wieder zu stilvoll exstatischen Schlusssteigerungen an. Ohne Rücksicht auf gegenwärtige wirtschaftliche und kulturelle Talfahrten mündete auch dieses Neujahrskonzert selbstverständlich wieder in das obligatorische Finale aus "An der schönen blauen Donau" und "Radetzky-Marsch", damit etwas wehmütig einmal mehr zumindest für kurze Zeit eine heile Welt der ausgelassenen Lebensfreude und der ungebrochenen kulturellen Traditionen beschwörend. --Michael Wersin
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Wenig neues gibt es jedes Jahr, das Programm ist mehr oder weniger immer das selbe.
Irgendwo liegt das Programm zwischen Klassik und leichter Unterhaltungsmusik, die prinzipiell nicht schlecht ist, jedem gefällt und wo es jeden freut, bekannte Melodien wieder zu hören.
Muti am Dirigentenpult ist nicht jedermanns Sache. Für die einen ein etwas arroganter Italiener, für die einen der beste Verdie Dirigent aller Zeit, der hier nur seine Zeit vertut. Wie auch immer, er hat die Sache gut gemacht - obwohl es fraglich ist, ob die Wiener Philharmoniker bei diesem Programm überhaupt noch einen Dirigenten benötigen.
Typisch für das Neujahrskonzert auch die alljährlichen Diskussionen, die dieses Jahr beinahe in einer Polit-Groteske zwischen Italien und Österreich gipfelten. Absolut Lächerlich.
Also Resüme: Wer noch kein Neujahrskonzert zu Hause hat, kann sich dieses jederzeit zulegen. Allein schon der Musik wegen. Ob man allerdings die heurige Version oder eine der letzten Jahre auflegt, ist eher zweitrangig. (Aus den letzten Jahren sticht am ehesten noch die Aufnahme mit Harnoncourt aus dem Jahr 2001 hervor)
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