Hurra - endlich hat mit Nikolaus Harnoncourt (NH) wieder ein Dirigent das Neujahrskonzert geleitet, der sich mit Walzermusik auskennt. Nach Herbert von Karajan (1987) und Carlos Kleiber (1989 und 1992) war die Zeit reif.
Man merkt, daß NH sich mit der Musik von Strauß und Lanner sehr intensiv beschäftigt hat. Das Orchester spielt mit viel Spaß und einem schönen und transparenten frühromantischen Klang. An den Stellen, wo es erforderlich ist, läßt NH es aber auch krachen - und wie!
Eine so spannende Overtüre der "Nacht in Venedig" habe ich bisher noch nicht gehört. Unglaublich, mit welchen schönen Bögen das Thema "Komm in die Gondel" erklingt, und dann wenig später die Bläser beherzt im Walzerschritt zupacken.
Elegant werden die Steirischen Tänze und die großen Walzer (Morgenblätter, Dorfschwalben, Seid umschlungen) gespielt. Brilliant, wie NH jeder einzelnen Sequenz innerhalb der Walzer eine persönliche Note zu geben vermag.
Ganz besonders gefallen mir die fetzigen Polkas (Electrofor, Harlekin, Luzifer). Hier überzeugt NH durch eine wuchtige, den musikalischen Bogen spannende, Interpretation. Dabei mischt sich musikalischer Schönklang mit der reißenden Urgewalt des Strauß'schen Instinkts auf das Perfekteste.