Paradiesisch geht es in Lodges Buch zunächst gar nicht zu: Der Leser erhält zunächst einen Einblick in das eher asketische und von vielerlei Zwängen und Nöten - vom knappen Gehalt bis zur herrschsüchtigen Schwester - geprägte Leben des Bernard Walsh. Er ist Theologe und lehrt an einem College - nur leider hat er schon vor Jahren seinen Glauben verloren, ist also nun in der seltsamen Position eines agnostischen Klerikers. In diese Situation - und Lodge gelingt es wie immer perfekt, das Leiden der Engländer am Wetter und an sich selbst anschaulich darzustellen - platzt die Nachricht von der schweren Krankheit und dem nahenden Tod von Bernards Tante. Sie ist von ihrer Familie verstoßen worden und lebt in Hawaii - im Paradies also. Sie will ihren Bruder sehen, um sich mit ihm zu versöhnen und schließlich gelingt es Bernard auch, seinen Vater zu einer gemeinsamen Reise nach Hawaii zu überreden. Dort überstürzen sich dann die Ereignisse und teilen sich die Stränge der Erzählung: Zum einen erweist es sich als schwierig, die beiden Geschwister zusammenzubringen, zum zweiten verliebt sich Bernard und legt nach und nach seine Angst vor Frauen ab. Und schließlich - wie bei Lodge üblich - kommt auch die Theoriebildung mit ins Spiel. Diesmal geht es einerseits um die ethnologische Bedeutung des Tourismus und zum anderen um Religion. Und die Verquickung von beiden in Hawaii, dem irdischen Paradies. Wieder ein sehr unterhaltsamer, sehr geistreicher Lodge. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)