wann immer brenda kinsel in ihrem buch auf abwege gerät, komme ich in versuchung, vor wut ins buch zu beissen, weil ihr schreibstil dann wirklich unerträglich wird: die völlig sinnfreie einleitung über evas kleidungsstil im paradies. das kapitel von brenda, der männerversteherin, in dem sie uns offenbart, welche kleidung männern an frauen gefällt. oder wenn sie die strenge lehrerin einer mädchenklasse (bestehend aus uns, den leserinnen!) mimt - oh, my god!
augen zu & durch. es lohnt sich! sobald sich die autorin auf ihr fachgebiet konzentriert, sind ihre ausführungen nämlich sehr brauchbar. neben vielen sehr guten tipps, die sie immer wieder ganz nebenbei in den kapiteln verstreut, bietet sie auch drei handfeste methoden an, die sehr gut funktionieren:
1. methode: das fashion feng shui.
das hat überhaupt nichts mit esoterik aber sehr viel mit persönlichem stil zu tun. wenn man den fragebogen dazu beantwortet hat, ist einem klar, welcher stil (bzw welche kombination aus maximal zwei stilen) wirklich zu einem passt.
allerdings ist die anleitung zu diesem test mangelhaft. statt sich die verschiedenen eigenschaften des fragebogens nacheinander durchzulesen & die anzukreuzen, in denen man sich selbst wiedererkennt, sollte man "horizontal vergleichen" & jeweils die eigenschaft ankreuzen, die einem am allermeisten entspricht. ein beispiel:
die erste zeile des tests listet die eigenschaften nachdenklich/extrovertiert/leidenschaftlich/natürlich/zurückhaltend auf. statt alles anzukreuzen, was auf einen zutrifft, sollte man sich fragen, welche dieser eigenschaften am allermeisten zutrifft. ist man zb nachdenklich & zurückhaltend, so kreuze man die eigenschaft an, die stärker ausgeprägt ist. sonst erhält man tatsächlich nur nutzlose punktzahlen queerbeet in allen fünf elementen.
2. methode: zaubern mit modulen.
hier beschreibt sie, wie man ein outfit auf jeweils einem kleidungsstück aufbaut. wenn man zb sensationell schöne winterstiefel hat, dann suche man gezielt nach einem mantel, der gut dazu passt. damit ist dann gewährleistet, dass man im winter draußen im freien phantastisch aussieht, wenn man das haus verlässt. ich gebe zu, das modulsystem noch nicht völlig durchdacht zu haben, deshalb kann ich es hier auch noch nicht wirklich anschaulich erklären. doch es ist ein hochinteressanter ansatz. im grunde beruht es auf der simplen kunst des kombinierens, also wie man zb einen hosenanzug mit bluse zum bürolook & mit top zum ausgehlook macht. nichts besonderes, ich weiß, doch brenda kinsel geht das spiel aus einer ungewöhnlichen perspektive an (siehe das beispiel winterstiefel+mantel). es klingt aufregend & kreativ, wie sie es aufzieht & ich denke, es funktioniert.
3. methode: das messverfahren.
sie kombiniert das body-shape-system mit einer messmethode, die ich in den frühen 80er jahren bei einer color-me-beautiful-stilberatung kennengelernt habe. das body-shape-system teilt frauen in vier oder fünf typen ein (zb sanduhr- oder birnenfigur). das color-me-beautiful-messverfahren ermittelt, welcher körperbereich im verhältnis zu den anderen am längsten ist. mit diesen informationen weiß man genau, welche schnitte einem am besten stehen & welche körperteile man betonen sollte. ein manko in kinsels buch ist, dass sie nur wenig auf die passenden schnitte eingeht. dafür gibt es bessere quellen, zb:
The Science of Sexy: Dress to Fit Your Unique Figure with the Style System That Works for Every Shapeand Sizekinsels idee, diese beiden messverfahren zu kombinieren ist allerdings genial!
fazit:
ein sehr nützliches buch, um seine garderobe zum funktionieren zu bringen. empfehlenswert!
einen stern abzug gibt es für brenda kinsels peinliche schreibstil-pannen & weil das buch so schlecht geklebt ist, dass sich bereits beim ersten lesen einige seiten herausgelöst haben. beim wiederlesen zerfällt das buch bestimmt in einzelteile.