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Dazu genügt es natürlich nicht, die Lyrics eins zu eins umzutexten. Gwildis beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Soulkultur, weiß, wie seine Helden sprechen, denken, fühlen und versieht die wunderschönen Originale mit perfekten Texten, die entweder lautmalerisch oder sinngemäß den Originalen nahe kommen, ohne den Kontext zu Gwildis und seinem eigenen Leben zu verleugnen. Dazu versahen die Producer die Songs mit perlenden, dezenten Arrangements und sensiblen Instrumentierungen.
Wo aber war Gwildis bisher? Wieso gab es diese sexy Stimme und diesen hübschen Charakterkopf nicht schon früher zu sehen und zu hören? Ganz einfach deshalb, weil Gwildis in einer Sparte beschäftigt war, in der man nicht so schnell zum Medienstar wird: dem Musical und der Comedy. Er wirkte mit bei Wuttke II und Vanessa V, spielte bei den Truppen und Projekten Aprillfrisch, Mägädäm, Strombolis und Auto Auto. Vielleicht ist er für diesen Klamauk zu sehr in die Jahre gekommen, vielleicht liegt es aber auch an der neuen Zusammenarbeit mit den früheren EMI-Bossen Canibol und Rybnikar. Jedenfalls sattelte Gwildis komplett um, und nach zwei Solo-CDs mit eigenen Songs macht er sich nun also an Soulklassiker.
Aus dem wundervollen Bill-Withers-Song "Ain't No Sunshine" wurde "Allem Anschein nach bist Du's" -- eigentlich undenkbar, ein Sakrileg, aber irgendwie hört es sich verdammt fein an! "Me And Mrs. Jones" erklingt als "Sie lässt mich nicht mehr los", "You Can Leave Your Hat On" mutiert zu "Lass mal ruhig den Hut auf", "Chain Of Fools" heißt "Schön, schön, schön" und aus dem All-Time-Klassiker "The Dock Of The Bay" wird doch glatt "Mitten vorm Dock Nr. 10". Kann man sich nicht vorstellen, oder? Konnten wir uns auch nicht, aber es klingt! Gwildis' tiefer Respekt den Originalen gegenüber, seine leicht angekratzte Wanderseele und sein charmantes, angeschmuddelt-lebendiges Gesicht samt Stimme machen ihn und seine Cover-Versionen zu einem angenehmen Balanceakt zwischen Broadway-Herzensbrecher-Crooner und markantem Straßenmusikanten. --Kati Hofacker
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Ähnlich wie die Jazzkantine alte tanzbare Soul-Klassiker in deutschen Groove und Sprache transferierten, so versucht es Gwildis mit Soul-Klassikern aus den frühen Jahren (60/70er).
Mit Hilfe erfahrener Studiocracks ist er dieses Experiment mit Respekt vor den alten Klassikern angegangen, d.h. die Melodien wurden keiner neuen Behandlung unterzogen, so dass man sich nach einiger Eingewöhnung "nur" noch mit den Texten arrangieren muss. Und die sind seltsam und genial passend auf den Groove geraten - wenn man mal selbst die Lippen dabei bewegt. Z.B. bei "Papa Was A Rolling Stone" der Temptations, das bei ihm zu "Papa will hier nicht mehr wohn" oder Bill Withers "Ain`t No Sunshine" zu "Allem Anschein nach bist du's" wird, dann bemerkt man erst die Sorgfalt, die hier verwandt wurde.
Interessant sind für den Anfang wirklich die deutschen Texte, deshalb noch etwas mehr davon: "Sittin' on the dock of the bay" ("Mitten vorm Dock Nr. 10"), "Chain of fools" ("Schön, schön, schön") usw. Natürlich können nicht alle Versionen rundum geglückt sein, denn dazu besitzen die Originale einen zu unverwechselbaren Touch in punkto Produktion/Stimmen. Doch Respekt muss ich ihm an dieser Stelle auf jeden Fall zollen - originell und gut gemacht. Denn die Ausgangslage war bestimmt nicht die einfachste.
die deutsche sprache hat einfach ein problem, im vergleich zu auslaendischer pop-/rockmusik. man versteht einmal den text, und man hoert auch sofort ob jemand mit der sprache umgehn kann.
letzteres kann immer noch schiefgehn, wenn die worte nicht zu der musik passen...
viele fallen die lauern. erst recht wenn klassiker von solchem format eingedeutscht werden.
aber einmal sind die songs nicht nur musikalisch nachgespielt, sondern es sind durchaus eigene feinheiten zu erhoeren.
zudem verstehen die musiker ihr handwerk, was auch nicht ganz unwichtig ist.
das gilt auch fuer die texte. die originalsongs wurden von ihrer aussage so belassen, aber nicht wort fuer wort uebersetzt.
so fuegen sich die worte praechtig an die musik.
ich kann beim hoeren der cd einfach nur dasitzen und zuhoeren, und es macht einfach nur laune. den worten, und der verdammt guten stimme des herrn stefan zu lauschen.
ich kann aber auch problemlos nebenher lesen, und unbemerkt wippt der fuss mit.
von der klasse haben die deutschen nicht viel.
gehoert stimmlich, wie auch von den texten her in eine riege mit leuten wie bap, groelemeyer oder wolf maahn.
einzig track nummer 11, der ist misslungen. daher auch nur 4 sternerl.
dieses "que sera, sera" gedoehns passt nun sowas von ueberhaupt nicht in die soul-/rock- und bluesausrichtung der scheibe.
und wenn ueberhaupt, dann am schluss der cd. aber so im hinteren drittel bremst sie meinen fuss beim mitwippen.
auch das reine nur zuhoeren macht den song nicht passender.
fazit: top gespielt, arrangiert, getextet und gesungen. aber der doris day schmachtfetzen ist ein boeser ausrutscher.
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