Wie konnte aus Frank Lehmann schließlich und endlich Herr Lehmann werden? Diese Frage beantwortet Sven Regener in "Neue Vahr Süd", der neun Jahre vor seinem viel gelobten Debütroman "Herr Lehmann" spielt. Und um es gleich vorweg gesagt zu haben: "Neue Vahr Süd" ist noch um einiges besser als sein schon überzeugender Vorgänger!
Frank Lehmann muss zum Bund, da er vergessen hat zu verweigern. Und was er da erlebt, ist zum Schreien komisch. Frank, der eine einzige Verkörperung von Lethargie und Ziellosigkeit darstellt, sieht sich plötzlich mit Menschen konfrontiert, die ihn wegen jeder Nichtigkeit anschreien. Und damit nicht genug. Nach einem kleinen Streit mit seinen Eltern, zieht er in eine WG, die chaotischer nicht sein könnte. Und dann sind da ja auch noch Birgit und Sibille...
Ich war zwar nie beim Bund, aber trotzdem sind die Erlebnisse des schludrigen Melancholikers beim Militär an Humor und Wortwitz auch für Zivilisten nicht zu übertreffen. Ebenso seine WG-Erfahrungen mit seinen absolut verplanten Mitbewohnern, die, außer Saufen und Kiffen, munter die Weltrevolution betreiben.
Und doch liegt die Stärke des Romans in der tiefen Melancholie, die zwischen der offensichtlichen Heiterkeit zum Vorschein kommt. Im Roman wimmelt es nur so von gescheiterten Existenzen. Es gibt nicht einen glücklichen und zufriedenen Menschen. Ziellosigkeit, Trauer, Depressionen und gescheiterte Lebensentwürfe verbinden die Charaktere mit Frank Lehmann an ihrer Spitze.
Fazit: Dreimal so lang und dreimal so gut wie "Herr Lehmann". Ein Roman zum Lachen, zum Trauern und zum Nachdenken.