ich bin immer sehr vorsichtig, wenn Bücher, die ich mag, verfilmt werden. D.h. ich erwarte möglichst nicht zu viel, um nicht enttäuscht zu werden. Und Sven Regeners Roman "Neue Vahr Süd" ist mein erklärtes Lieblingsbuch seit 4 Jahren. Ich habe es sicher schon über 10 mal gelesen und immer wieder Neues entdeckt. Das Steintorviertel der frühen 80er war mein Revier (Jahrgang 59, BW 1977/78 in Flensburg), ich kenne beide "Systeme" dieser Zeit sehr gut.
Man kann Film und Buch nicht in Beziehung setzen, sonst wäre die Enttäuschung vorprogrammiert. Das Drehbuch rafft 581 Seiten auf 90 min, es ist schade, dass viele Details dieser Tatsache zum Opfer fallen, viele Zusammenhänge entstellt werden und - entgegen der Darstellung im Buch - zusammengeklatscht werden.
Da ich mich aber von dem Anspruch freigemacht habe, dass der Film dem Buch in allem entsprechen kann und muss, war ich zwar bei ganz groben Verstümmelungen schon enttäuscht, habe aber auch bei vielen anderen Szenen micht sehr gefreut, z.B. bei der Party in der Chaoten-WG. Plötzlich hatte ich wieder Haare auf dem Kopf :-), lila Hosen an und haben Punk und Reggae gehört, gesoffen, gekifft und .... .
Dafür, dass dieser Film mich für 90 min wieder jung gemacht hat, liebe ich auch ihn. Wenn ich still genießen, schmunzeln, mich freuen will an inneren Monologen und wahnwitzigen Dialogen, besinnlichen Sophistereien, dann lese ich das Buch. Und deswegen gibt es auch nur einen Punkt Abzug zur Höchstnote.