Dietmar Krämer stellt in diesem Werk 'neue' Therapien mit Bach-Blüten vor. Nachdem diese umstrittene Therapieform eine zunehmende Anhängerschaft gewinnen konnte, war es zu erwarten, dass bald neue 'Systeme' auftauchen. Dieses Phänomen ist von anderen 'esoterischen' Disziplinen her sattsam bekannt.
Bei Krämer werden die Blüten zunächst in Äußere und Innere eingeteilt. Die Äußeren Blüten "umfassen negative Seelenkonzepte, die als Folge von äußeren Einflüssen oder als Reaktion auf äußere Einflüsse entstanden sind." Welche anderen, nicht-äußeren Einflüsse es sonst noch geben soll, darüber läßt der Autor die Leser im unklaren. Die verbleibenden Inneren Blüten werden in 12 Schienen eingeteilt. Jede Schiene besteht aus einer Kommunikations-, einer Kompensations- und einer Dekompensationsblüte. Das Konzept ist plausibel: Ist eine Blüten(=Charakter)eigenschaft einseitig negativ ausgeprägt, so muß sie kompensiert werden. Da auf Yin aber immer Yang folgt, schlägt das Pendel zwangsläufig wieder in die Gegenrichtung aus und es erfolgt die Dekompensation. So wird panische Angst (Rock Rose) durch Verdrängung (Agrimony) kompensiert, was schließlich zu innerem Druck und der Angst durchzudrehen (Cherry Plum) führen kann. Diese Schiene ist sehr leicht verständlich, wirft aber auch Fragen auf: Rock Rose ist -auch nach Krämers eigener Beschreibung- nahezu ein Prototyp einer reaktiven, sprich 'Äußeren' Blüte, erscheint hier aber als Innere Kommunikations(=Charakter)-Blüte. Andere Schienen bleiben rätselhaft und unverständlich. Erklärungen für offensichtliche Wiedersprüche sucht man vergebens, ebenso schweigt sich der Autor darüber aus, wie er überhaupt zu dem Schienen-Konzept gekommen ist, lediglich 'Sensitivität' und therapeutische Erfahrung dürften dazu kaum ausreichen. Wer sich einmal mit dem gewaltigen Initiationsweg, den Dr. Bach gegangen ist, beschäftigt hat, darf zumindest leise Zweifel hegen, ob der Autor einen ähnlichen Weg nachvollzogen hat, oder ob nicht einfach seine Fantasie mit im durchgegangen ist. Letzlich muß sich jeder, der ein Urteil abgeben will, selbst mit dem Werk Krämers beschäftigen, vielleicht stellt sein Ansatz ja für manchen der Stein des Weisen dar.
Bei der Besprechung der einzelnen Mittel ist dasselbe, wie bei fast allen neueren Büchern zur Bach-Blüten-Therapie festzustellen. Die Beschreibungen gehen sehr in die Breite und interpretieren ziemlich viel in die Originaltexte hinein, mit der Folge, dass die Blütenbilder ineinander verschwimmen. Der bei Neulingen sattsam bekannte 'Hilfe-ich-brauche-alle-Blüten'-Effekt kommt nicht zuletzt von solch gut gemeinten, aber letztlich verwirrenden, ausführlichen Beschreibungen. Schön dass Krämer seine Lösung des Dilemmas gleich mitliefert.
Ich empfehle als unbedingte Alternative das Werk von Bach/Petersen "Heile dich selbst mit den Bachblüten" - meiner Meinung nach, das einzige Buch, das der Bachblüten-Freund neben seiner eigenen Intuition wirklich braucht.