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Neue Reichskanzlei und »Führerbunker«. Legenden und Wirklichkeit
 
 
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Neue Reichskanzlei und »Führerbunker«. Legenden und Wirklichkeit [Gebundene Ausgabe]

Dietmar Arnold
3.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

So muss Stadtgeschichte geschrieben werden: anschaulich, spannend und immer genau! (Die Welt)

Im Berliner Christoph Links Verlag haben zwei Berliner Historiker in wahrer Puzzlearbeit die Geschichte des Baus von der Planung über die anmaßende Machtentfaltung bis zum schmählichen Ende beschrieben und mit vielen, zum Teil seltenen Bildern dokumentiert. Die minutiöse Nacherzählung ist hier genau richtig; sie räumt mit Legenden aller Art gründlich auf. Ein ebenso spannendes wie lehrreiches Buch! (Das Parlament)

Die Darstellung über den Standort der Reichskanzlei in der Wilhelmstraße, ihrer Vorgeschichte und dann natürlich mit dem Schwergewicht ihres Neubaus nach dem Entwurf von Albert Speer, von Kriegszerstörung und Abbruch ist als Geschichtsort und Architekturereignis für ein breites Lesepublikum eingängig geschrieben sowie insgesamt vozüglich bebildert. (Denkmalspiegel)

Das Parlament, 25.7.05

Im Berliner Christoph Links Verlag haben zwei Berliner Historiker in wahrer Puzzlearbeit die Geschichte des Baus von der Planung über die anmaßende Machtentfaltung bis zum schmählichen Ende beschrieben und mit vielen, zum Teil seltenen Bildern dokumentiert. Die minutiöse Nacherzählung ist hier genau richtig; sie räumt mit Legenden aller Art gründlich auf. Ein ebenso spannendes wie lehrreiches Buch!

Kurzbeschreibung

Kaum ein anderes Gebäude der NS-Zeit ist so von einem Gespinst an Lügen, Mythen und Verklärungen umgeben wie die Neue Reichskanzlei und der »Führerbunker« in Berlin. Hitlers Wohn- und Arbeitsstätte war dazu ausersehen, den NS-Staat zu repräsentieren. Das Tempo der Bauarbeiten und die Pracht des Gebäudes sollten der Welt einen Eindruck von der »Leistungsfähigkeit und der kulturellen Überlegenheit Großdeutschlands« geben. Der Entwurf stammte von Albert Speer, der in seinen Publikationen nach 1945 die Glorifizierung von Bauherr und Bauwerk fortsetzte. Im vorliegenden Buch werden die Hintergründe des dramatischen Baugeschehens vorgestellt und die angebliche Perfektion entlarvt. In einem gesonderten Kapitel wird auf den Bunker im Garten der Reichskanzlei eingegangen. Zahlreiches historisches Bildmaterial illustriert die Geschichte des Ortes, zugleich werden die Legenden darüber umfassend widerlegt.

Über den Autor

Dietmar Arnold: Jahrgang 1964, in Berlin geboren, Studium der Stadt- und Regionalplanung an der Technischen Universität Berlin, Diplomarbeit über die Beelitzer Heilstätten, 1990 Gründung eines freien Planungsbüros, seit 1991 intensive Forschungstätigkeit über den Berliner Untergrund, 1992 Gründung des Berliner Unterwelten e. V.

Auszug aus Neue Reichskanzlei und Führerbunker. Legenden und Wirklichkeit von Dietmar Arnold, Reiner Janick. Copyright © 2005. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Ein Propagandabau des »Großdeutschen Reiches«
Hitlers Neue Reichskanzlei in der Berliner Voßstraße,
seit Januar 1939 die Bühne seiner öffentlichen
Auftritte in der Hauptstadt, war ein für
das »Dritte Reich« eminent wichtiges Bauwerk.
Hier fanden nicht nur propagandistische Großveranstaltungen
statt, sondern hier wurde auch beispielsweise
der tschechische Präsident Hácha zur
Unterwerfung gezwungen, der »Stahlpakt« mit
Mussolini unterzeichnet und die Befehle für mehrere
Angriffskriege erteilt.
Letztlich handelte es sich jedoch um ein Gebäude,
das weniger auf praktische Erfordernisse ausgerichtet
war, sondern der Aufwertung des nationalsozialistischen
Systems diente. Seine äußere und
innere Gestalt waren ganz auf Inszenierung abgestellt,
die Nutzung durch Hitler taktischen Überlegungen
unterworfen - und die Geschichte seiner
Errichtung bewußt verfälscht.
Die sicherlich bekannteste, von der NS-Propaganda
in die Welt gesetzte Legende im Zusammenhang
mit der Neuen Reichskanzlei ist jene von
der Rekordbauzeit. Angeblich erteilte Hitler seinem
Architekten Speer im Januar 1938 den Auftrag, die
Neue Reichskanzlei zu errichten. Dieser habe nach
kurzer Bedenkzeit von einigen Stunden den Auftrag
angenommen, umgehend mit den notwendigen
Abrißarbeiten begonnen, und von März bis
Dezember 1938, also in lediglich neun Monaten,
das gigantische Bauwerk mit seiner über 400 Meter
langen Fassade in Rekordzeit errichten lassen.
Damit war eine der erfolgreichsten und langlebigsten
Propagandalügen des Dritten Reiches geschaffen
worden. Sie sollte die Leistungsfähigkeit
des nationalsozialistischen Systems beweisen, sollte
Glanz auf das Haupt des Bauherrn Hitler lenken,
und sie sollte schließlich auch die Genialität
Ein Propagandabau des »Großdeutschen Reiches«
des Architekten und Organisators Albert Speer unterstreichen.
Was Grund genug für ihn war, diese
Geschichte - wider besseres Wissen - auch noch in
seinen Memoiren fortzuschreiben, dazu noch in
künstlich dramatisierter Form. Diese Legende hält
sich bis heute.
Guido Knopp, Leiter der Redaktion Zeitgeschichte
des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF),
beschäftigt sich seit längerem erfolgreich und quotenträchtig
mit der deutschen Vergangenheit. Im
Herbst 2004 startete eine neue Reihe aus seiner
Redaktion und unter seiner Gesamtleitung: »Hitlers
Manager«. Eine der Folgen war Albert Speer gewidmet,
dem Architekten der Reichskanzlei, Hitlers
Lieblingsbaumeister, und von 1942 bis 1945 Chef
der deutschen Rüstungsindustrie. Sowohl in der
Sendung als auch im gleichnamigen Begleitbuch
wird die Errichtung der Neuen Reichskanzlei durch
Speer beschrieben - und die alte Propagandalüge
einer angeblichen Blitz-Bauzeit von neun Monaten
unkritisch reproduziert. Doch die reale Baugeschichte
der Neuen Reichskanzlei verlief - wie zu
zeigen sein wird - ganz anders.
Die Entstehung des überdimensionierten Repräsentationsbaus
wird noch von einer ganzen Reihe
weiterer Märchen begleitet. So behauptete Hitler,
daß er den Vorgängerbau, die Alte Reichskanzlei -
seit Bismarck Sitz des Deutschen Reichskanzlers -
in einem so erbarmungswürdigen Zustand vorgefunden
habe, daß er dort zunächst nicht einziehen
konnte. Es habe hineingeregnet und Fußböden und
Dachstuhl seien völlig verfault gewesen. Daher
habe er zunächst dieses Gebäude gründlich umbauen
müssen, bevor er dann etwas Neues in Auftrag
gegeben habe, was zugleich eine sozial förderliche
Arbeitsbeschaffungsmaßnahme gewesen sei.
Dabei wurden vorgeblich besonders Handwerker
und Kleinbetriebe unterstützt.
Über die tatsächlich Begünstigten, über Baukosten
und Honorare - vor allem für seinen Bauleiter
und Innenausstatter Albert Speer - wurde dagegen
nie gesprochen, genauso wenig wie von den Toten
und Verletzten, die den hektischen Bauarbeiten
zum Opfer fielen.
Den Lügen, Mythen und Legenden rund um die
Neue Reichskanzlei soll im vorliegenden Buch
nachgegangen werden. Sechzig Jahre nach Kriegsende
ist es höchste Zeit, die Geschichte des Bauwerkes
auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu untersuchen
und noch einmal umfassend darzustellen.
Eingeschlossen ist eine Darstellung des filmisch
gern in Szene gesetzten »Führerbunkers«, in dem
Hitler von März bis Ende April 1945 Zuflucht
suchte, am 20. April seinen Geburtstag feierte und
Eva Braun heiratete, bevor er sich dort am 30. April
1945 das Leben nahm. Von hier aus wurde auch
über die Kapitulation der Stadt Berlin verhandelt,
mit der am 2. Mai 1945 der Krieg in der Reichshauptstadt
und damit auch die Nutzung dieser Gebäude
endete. Was davon unter der Erde heute
noch erhalten ist und wie das gesamte Areal künftig
genutzt wird, steht am Abschluß des vorliegenden
Bandes, der zu weiterer kritischer Auseinandersetzung
mit diesem Teil der deutschen
Geschichte anregen möchte.
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