Die Erste Allgemeine Verunsicherung ist schuld, dass ich so bin. Bereits vor einem Vierteljahrundert kam ich im zarten Kindesalter unter dem romantisch anmutenden Weihnachtsbaum mit den Klängen der Österreicher in Berührung. Den Wortwitz und die versteckte Gesellschaftskritik der Band konnte ich damals allerdings nicht einmal in Ansätzen erahnen. Trotzdem fand ich die EAV aufgrund der abwechslungsreichen Gute-Laune-Musik und den schrillen Kostümen einfach toll.
Dann allerdings verlor ich die Band aus den Augen, wobei ich die alten Kassetten dennoch behalten habe. Hin und wieder ertappe ich mich sogar heute noch dabei, einen der zahlreichen EAV-Ohrwürmer leise zu summen.
Und nun bin ich endlich bereit für neue Ohrwürmer und damit auch für das neue EAV-Album "Neue Helden braucht das Land". Dieser Tonträger enthält das aktuelle Live-Programm sowie vier bisher unveröffentlichte Songs.
Die Band hat nichts aber auch gar nichts von ihrem Biss früherer Alben eingebüßt und beweist dies u.a. bei den Liedern Nostradamus oder Obama. Während erstgenannter Song sich satirisch mit dem rückwärtsgerichteten Denken und Handeln des neuen Papstes Ratzinger (z.B. Pius-Bruderschaft) auseinandersetzt, wird bei Obama der gleichnamigen neuen politischen Lichtgestalt gehuldigt; dabei wird aber auch deutlich, welche hohen Erwartungen vieler Millionen Menschen auf dem amerikanischen Präsidenten lasten und wie schwierig es für ihn in den nächsten Jahren sein wird, diese zu erfüllen.
Bei Neue Helden braucht das Land wird das heutige Fernsehprogramm kritisiert, das im Kampf um die Zuschauer auf Informationssendungen mehr und mehr verzichtet und stattdessen Fernsehköchen und barbusigen C-Prominenten das Feld überlässt. Auf der anderen Seite verschweigt die Band auch nicht, dass das Publikum genau das Programm bekommt, das es verdient.
Rabatt, Rabatt thematisiert hingegen die Geiz-ist-geil Mentalität und die daraus resultierende ständige Jagd nach den besten Angeboten.
Weitere Anspieltipps sind Simsalabim (Die Esoterroristen) sowie Beim Cseijtei im Hof.
Daneben gibt es natürlich auch einige Klassiker der Band, die teilweise textlich aktualisiert wurden. Bei 25 Jahre Märchenprinz wird über das mittlerweile beschwerliche Leben des ehemaligen Aufreisers gesungen. Andere Lieder wie "Ba-Ba-Banküberfall" und "Fata Morgana" gehören einfach dazu und können von mir auf Anhieb gleich wieder mitgesungen werden.
Zu den unveröffentlichten Liedern gehört beispielsweise auch der Mallorca-Hit Bitte Bier, dessen satirische Anspielungen wohl nur im nüchternen Zustand entschlüsselt werden können.
Ein geniales Album, das richtig Lust auf einen Konzertbesuch im November/ Dezember macht.