Neue Deutsche Popliteratur. UTB ProfileDen beiden kritischen Rezensionen ist zunächst einmal hinzuzufügen, dass das Buch stellenweise auch sprachlich wirklich schwach ist. Grammatik- und Rechtschreibfehler sollten spätestens durch einen sorgfältig arbeitenden Lektor beseitigt werden; wenn sich solche Mängel häufen, überschreitet das die Grenze zur Peinlichkeit, da es sich immerhin um Germanisten zu handeln scheint, die den Band verfasst haben. - Zum Inhalt: Die Darstellung gleicht stellenweise einem Werbetext für das Genre "Popliteratur", doch weder wird gesagt, worin denn die literarische Qualität der Texte eigentlich besteht, noch wird ernsthaft versucht genauer zu definieren, was man überhaupt unter dem Begriff zu verstehen hat. Eine skizzenhafte Abgrenzung beispielsweise gegenüber "Jugendliteratur" und Bildungs- bzw. Entwicklungsroman (Kap. 4) reicht dazu keineswegs aus. Auch die strikte zeitliche Eingrenzung (1995-2001) ist problematisch und wirkt recht unmotiviert, wenn nicht gar willkürlich; schon das Adjektiv "neu" wirft Fragen auf. Im Übrigen ist es m. E. fragwürdig, ob im popliterarischen Adoleszenzroman - als Beispiel wird Leberts "Crazy" herangezogen - wirklich nichts mehr "über die Gesellschaft bzw. Teile von ihr und ihr jeweiliges Verhältnis zur Jugend" (S.50) ausgesagt wird. Man darf - glaube ich - diesen Texten attestieren, dass die These von Ute Paulokat falsch ist. Weitere Kritikpunkte: Den Begriff "popmodern" könnte man - denke ich - bedenkenlos streichen, weil er nichts aussagt und den Versuch einer fragwürdigen Etikettierung darstellt. Dass die Einzelanalysen zu sehr in die Tiefe gehen, wie ein Rezensent schreibt, kann man wohl kaum behaupten, aber dies sollte man von einem solchen Überblickswerk, das mit den Schlagworten "klar - knapp - konkret" wirbt, auch nicht erwarten. Sicherlich - man erhält als völlig unbedarfter Leser eine Liste mit Autoren und Werken, die zur "Neuen Deutschen Popliteratur" zu zählen sind und man erfährt auch, worum es in einigen dieser Texte geht. Dem einen oder anderen Schüler der Sekundarstufe II mögen diese Hinweise und die skizzierten Analyse-Ansätze auch als hilfreich erscheinen. Doch die vom Verlag und der Reihe primär angesprochene Klientel ist vermutlich eine andere. --- So sympathisch der Versuch der Autoren, daran mitzuwirken, dass die "Neue Deutsche Popliteratur" in den literarischen Kanon eingehen möge, auch ist: Es stellt sich die Frage, ob sie dem Genre mit dieser Darstellung nicht einen Bärendienst erwiesen haben.