Jürgen Hesse und Hans Christian Schrader legen mit diesem Buch eines der besten Werke zum Thema Bewerbungen vor, das ich bisher gelesen habe. Sehr interessant ist gerade der erste große Part des Buches, der sich rund um die Themen Selbstanalyse und Anforderungsprofile dreht, d.h. was will und kann ich selbst und wovon träumen Arbeitgeber? Wer sich darüber schon im Klaren ist oder wenig Zeit hat, kann diesen Teil des Buches getrost überspringen und trotzdem einen Nutzen daraus ziehen, denn in den nächsten Kapiteln geht das Autorenduo ausführlich ein auf Recherchemöglichkeiten (inkl. Telefonate, Internet und Networking), die Bewerbungsmappe, Test- und Auswahlverfahren, das Vorstellungsgespräch sowie organisatorische Aspekte (Anreise, Kleidung, Nachfassen etc.). Besonders ausführlich ist die Episode über die Bewerbungsmappe: Ob Lebenslauf, Foto, Handschriftenprobe, Referenzen, Arbeitsproben, Zeugnisse oder die von den Autoren als besonders ausgefallenes und damit erfolgreiches Feature angepriesene "Dritte Seite" - auf alles wird eingegangen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem Anschreiben, wobei auch Hinweise auf Sonderformen der schriftlichen Bewerbung (Chiffreanzeigen, Kurzbewerbungen, Initiativbewerbungen) gegeben werden. Als sehr hilfreich habe ich die zahlreichen abgedruckten und kommentierten Beispielen für Bewerbungsunterlagen empfunden, wenn ich auch etwas enttäuscht über die - in meinen Augen - zu standardisierten und damit einfallslosen Anschreiben war. So hebt man sich nach meinem Empfinden nicht von der großen Masse ab. Überaus nützlich ist dafür aber der umfassende Fragekatalog (ca. 120 Fragen!), der Bewerber gut auf einen möglichen Gesprächsverlauf vorbereitet. Hat man diese alle einmal durchgearbeitet, bringt einen sicherlich so leicht kein Personalverantwortlicher mehr aus der Ruhe! Das Kapitel "Vorstellungsgespräch" wird abgerundet mit Feststellungen zur Gesprächsführung- und psychologie, wobei Themen wie Stressinterview, Notlügen, Körpersprachen, Gruppendiskussion etc. behandelt werden. Insgesamt ein wirklich sehr nützliches Buch, allerdings hätte ich mir an mancher Stelle ausführlichere Kommentare erwartet, gerade etwa zur Gehaltsfrage, die leider nur auf gut einer Seite abgehandelt wird. Auch hätte ich mir persönlich Hinweise dazu gewünscht, wie speziell Geisteswissenschaftler vorgehen sollten, wenn sie einen Arbeitsplatz in der freien Wirtschaft anstreben. Aus eigenen Erfahrungen kann ich nur sagen, dass es durchaus nicht wenige Personaler mit Vorbehalten gegenüber diesen Hochschulabsolventen gibt...