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5.0 von 5 Sternen
Unverzichtbar, 22. Juni 2006
Rezension bezieht sich auf: Neue Bahnhöfe. Empfangsgebäude der Deutschen Bundesbahn 1948 bis 1973 (Gebundene Ausgabe)
Wer sich für die Wiederaufbauzeit interessiert und das damalige Faible für Leichtigkeit und Transparenz in der Architektur nicht zur "Bausünde" eklärt, wird in diesem exzellent recherchierten Überblick ein ganz vortreffliches Nachschlagewerk finden.
Auch Modelleisenbahnern ist das Buch zu empfehlen, wird doch die Spiegelung der Epoche in den Sortimenten der Modellbahn-Zubehörindustrie ebenfalls betrachtet.
Sogar die Schwierigkeiten, betriebliche Notwendigkeiten mit ästhetischem Anspruch und städtebaulichen Akzenten zu vereinen sind dokumentiert. Das Buch ist durchgehend mit hochwertigen Fotos illustriert, bisweilen sind auch Grundrißzeichnungen vorhanden.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Von Eisenbahnfans, zu Unrecht, missachtete Phase, 19. Oktober 2008
Rezension bezieht sich auf: Neue Bahnhöfe. Empfangsgebäude der Deutschen Bundesbahn 1948 bis 1973 (Gebundene Ausgabe)
Wir "Pufferküsser" denken bei Bahnhöfen üblicherweise an die Pracht alter Empfangsgebäude, wie es Sie zum Glück auch noch, mehr oder weniger gut Restauriert, gibt. Die Nachkriegsbauten gelten gemeinhin als Bausünden ihrer Zeit und keinesfalls als echte Bahnhöfe. Ich gebe zu, dass auch ich das bisher immer so gesehen habe.
Nach dem Studium dieses Buches sehe ich diese "Bausünden" jedoch mit anderen Augen.
Das Buch zeigt einerseits wie und warum nach 1945 die Bahnhöfe gebaut wurden. Da ist zum einen die Notwendigkeit völlig zerstörte Bahnhöfe und Haltepunkte wieder aufzubauen, da ja die meisten Wege noch per Bahn und nicht mit dem Auto zurückgelegt wurden. Andererseits hatte die Bahn damals kein Geld (heute hat sie es ja, nur steckt sie es nicht in sinnvolle Projekte). So wurde z. B. überlegt, wie man erhaltene Fundamente und tragende Mauern mit einbeziehen konnte. Dementsprechend sparsam musste gebaut werden. Außerdem sollte (und konnte) der bisherige umbaute Raum reduziert werden.
Andererseits galt es die Chance zu nutzen, neue Gebäude zu schaffen, die den damaligen Anforderungen an einen Bahnhof entsprachen. Die Bauten die zu dieser Zeit auch schon 40-90 Jahre alt waren, entsprachen in ihrer Raumaufteilung nicht mehr den Erfordernissen. Zum Teil war der Neubau auch eine Chance, Kopfbahnhöfe durch Verlegung zu Durchgangsbahnhöfen zu machen.
Das Buch, welches vor allem ein Architekturbuch ist zeigt, was sich die Architekten bei den Entwürfen gedacht haben. So ist die Betrachtung der großen, bis zum Dach gezogenen Glasfront der Halle als eine Verlängerung der Halle in den Bahnhofsvorplatz zu sehen. Bei den damaligen Gegebenheiten macht das Sinn (Paradebeispiel Köln Hbf mit Blick auf den Dom).
Die Fotos der Bahnhöfe aus der Zeit ihrer Eröffnung zeigen vor allem, wie es mal ausgesehen hat: Sauber, aufgeräumt, mit großen freien(!) Flächen vor dem Bahnhof, kleine Läden und keine großen Werbeflächen. Und selbstverständlich mit einer bürgerlichen Bahnhofsgaststätte (welche oftmals mit einem eigenen Kredit den Bau des Bahnhofs überhaupt erst ermöglicht hat). Das hat mit den heutigen, verdreckten, verbauten und vielfach schon wieder funktionslosen und dem Verfall preisgegebenen Bauten nichts zu tun.
Auf der anderen Seite befasst sich das Buch auch mit den Erbauern dieser Bahnhöfe. Die Deutsche Bundesbahn hatte unter Theodor Dierksmeier, dem Chefarchitekten der 50er und 60er Jahre, über 700 Bauingenieure im Einsatz.
Dabei wird auch deutlich auf die Rolle Dierksmeiers als engem Vertrauten von Speer im 3. Reich eingegangen (Dierksmeier entwarf der "Haus des Deutschen Fremdenverkehrs" in Berlin (und zeigt wie typisch auch hier nahtlos der Übergang von der Nazizeit in den wirtschaftlichen Erfolg der Nachkriegszeit ging.
Vier Sterne gibt es lediglich, weil zu wenig Bilder enthalten sind. Zwar wird jeder Bahnhof aufgelistet und ist mit einem Foto vertreten, aber dieses ist eben nur eines, i. d. R. eine Außenaufnahme.
Anhand von mehreren Bauten werden natürlich auch weitere Bilder der Hallen, Gaststätten usw. abgebildet, aber insgesamt hätte ich mir zu allen Bauten auch Innenansichten gewünscht die zeigen, wie der Bau konzeptionell einmal gedacht war.
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