Ausgebrannt und leer vor Trauer um ihren ermordeten Ehemann bricht Mel alle Brücken ihres bisherigen Lebens in L.A. hinter sich ab, um weitab aller Hektik und Kriminalität auf dem Land ein neues Leben anzufangen- ein Neubeginn in Virgin River. Als Hebamme und Krankenschwester soll sie dem in die Jahre gekommenen Doc Mullins in dessen Praxis zur Seite stehen. Doch dieser Start erweist sich für Mell als nicht durchführbar. Zum einen ist das gemietete Domizil nicht nur unbewohnbar- es bricht auch fast buchstäblich über Mel zusammen- zum anderen entpuppt sich Doc Mullins als eigenbrötlerischer und unumgänglicher alter Kauz, der zudem keine Hilfe und schon gar nicht von einer Stadtpflanze wie Mel haben will. Einziger Lichtblick in der verfahrenen Situation ist der Barbesitzer Jack, der scheinbar völlig uneigennützig Mel mit Rat und Tat zur Seite steht.
Im Moment ihrer Abreise zurück in die Zivilisation, wird ein Baby ausgesetzt und Mel, die selbst nie Kinder bekommen konnte, nimmt sich der Kleinen an und legt vorerst alle Fluchtgedanken auf Eis. Und hier beginnt für Mel ein langsamer aber steter Weg aus ihrem alten Leben und der erdrückenden Trauer herauszufinden, sich den Menschen um sie herum zu öffnen und den Gefahren des "ruhig geglaubten Hinterwäldler - Daseins" zu trotzen.
Auf einander angewiesen, sind diese Menschen mit allen Eigenheiten und Schrullen Bestandteil eines festen Verbundes, denn das Leben ist hier einfach und hart. Schon bald nehmen die Bewohner Mel mit offenen Armen in diesen Kreis auf. Im zweiten Teil des Buches findet Mel mit June und Susann sowie deren Männern nicht nur neue Freunde, sondern auch deren Unterstützung bei der medizinischen Versorgung der ihr immer mehr ans Herz wachsenden Bewohner von Virgin River. Hinter der Fassade des übellaunigen und brummigen Doc steckt dann doch noch ein guter Kerl und die beiden raufen sich so langsam zusammen.
Die Lovestory zwischen Mel und Jack ist sehr intensiv und einfühlsam beschrieben.
Jack ist ein echter Mr. Perfekt, der mir zu gut ist um wahr zu sein. Auch wenn alle Frauen aus V.R. für dieses Prachtexemplar ihre eigenen Männer eintauschen würden- wenigstens einer, nur ein klitzekleiner Fehler an ihm hätte mir persönlich besser gefallen. In den Nebenparts treffen wir auf eine ganze Reihe interessanter und liebenswerter Protagonisten. Besonders gefallen mir dabei Jacks Ziehsohn Ricky und sein Freund Preacher, dem der nächste Band der Reihe
Wiedersehen in Virgin River gewidmet ist.
Die Story wirkt real und natürlich und lässt uns Mel verstehen, für die an diesem Ort zwei Welten aufeinander prallen. Noch mehr zum Inhalt möchte ich nicht verraten, um die Spannung beim Lesen nicht zu zerstören. Aber nach diesem Buch ist wohl klar, dass das ruhige & friedliche Landleben keineswegs so langweilig und ungefährlich ist, wie man es vielleicht meinen könnte.
Alles in Allem ein guter und flüssiger Lesestoff, der eine interessante neue Reihe verspricht.