Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Abschiedsfahrt von der Jugend, 31. August 1999
Von Ein Kunde
Ole Reuter ist Referendar und steht kurz vor seinem zweiten Staatsexamen. Danach wartet das Berufsleben als Lehrer. Als Lehrer? Ole Reuter kann sich mit diesem Gedanken nicht anfreunden. Festlegen kommt gar nicht in die Tüte. Also kauft sich Ole eine Netzkarte der Bundesbahn. Einen Monat kann man damit in der Republik hin- und herfahren. Vor allem muß man sich zu Fahrtbeginn nicht auf ein Ziel festlegen. So wird die Netzkarte zum Symbol für eine Lebenshaltung, die alles mitnehmen und sich darum auf nichts einlassen will. Ole Reuter ist also in der Republik unterwegs - er ist auf der Suche: nach Erlebnissen, Städten, Frauen und nicht zuletzt nach sich selbst. Und was in Zügen der Bundesbahn so alles an Bekanntschaften lauert, erstaunt den Leser. Besonders Judith scheint eine ernstere Sache zu sein. Köln wird so desöfteren Oles Endstation. Doch nicht zu vergessen die Bäckerstochter aus Jerxheim, einen fixen Traum des Referendars, dem er wie so vielen anderen hinterherfährt. Erste Klasse reist allerdings der Leser dieses Buches, der die Fahrt nicht bereuen wird! (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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7 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
interessante Fahrt durch Deutschland, 22. Dezember 1999
Von Ein Kunde
Die Netzkarte ist der erste Roman von Sten Nadolny, der noch vor Erscheinen dieses Buches im Buchhandel den Ingeborg-Bachmann-Preis 1980 in Klagenfurt gewann, den er für ein Kapitel seines bekannteste Buchs "Die Entdeckung der Langsamkeit" erhielt. In dem Roman "Netzkarte" beschreibt Nadolny die Reise eines Mannes, der sich eine Netzkarte der Deutschen Bahn gekauft hat, mit der er einen Monat durch ganz Westdeutschland reist, teilweise Tag und Nacht, und welche Abenteuer er auf diesen Fahrten quer durch die Republik erlebt. Schon hier leuchtet das erzählerische Talent des Autors auf, das nur wenige Schriftsteller in Deutschland haben. Ein interessantes Buch, interessant geschrieben und mit einer tollen Idee, also es ist das Buch von Nadolny, was mir am Besten gefällt. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Unspektakuläre , aber aufmerksame Betrachtungen, 9. Mai 2008
"Netzkarte" spielt zunächst in den 70er Jahren der alten BRD und handelt von dem kurz vor dem Examen stehenden Pädagogikstudenten Reuter, der mittels Netzkarte relativ wahllos durch das Bundesbahnland fährt. Das paßt zu ihm, der sich "nicht festlegen" kann und auch die Entscheidung einer Berufswahl scheut. Auch Bekanntschaften bleiben nur flüchtig, er läßt sich auf nichts ein.
Einige Jahre später, Reuter hat sein Studium nicht beendet und pendelt unentschlossen zwischen einer Beschäftigung beim Film und einem Job als Taxifahrer hin und her, fährt er abermals mittels Netzkarte und Kursbuch durchs Land, wobei er bereits feststellt, daß sich entweder seine Wahrnehmung oder die Welt geändert hat - oder beides. Der Vorsatz, sich diesmal auch mit Menschen auseinanderzusetzen, wird zumindest teilweise verwirklicht und der Autor begreift schließlich auch den persönlichen Hintergrund seiner Reise: der Fortschrittsglaube seiner Vorväter kann so nicht weitergehen, "die Enkel und Urenkel müssen sehen, daß einiges wieder langsamer wird und anderes gerechter, das ist viel Arbeit". Auf der Fahrt zurück nach Hause - und evtl. auch zu sich selbst - fühlt sich Reuter immerhin "glücklich" und macht "allerlei Pläne".
Nadolnys späteres Thema 'Langsamkeit' schimmert hier bereits deutlich durch; das Buch ist unspektakulär, bietet aber aufmerksame Betrachtungen und Beobachtungen aus einer Zeit, die es so nicht mehr gibt: die der früheren, im Nachhinein fast heimelig anmutenden BRD mit ihren (zu heute / 2008) vergleichsweise harmlosen Problemen.
Fazit: Ein schönes kleines Buch, das zum Beobachten und Kontemplieren anregt - nicht nur im Zugabteil.
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