Keine Ahnung, warum der Piper-Verlag damals das Manuskript zu diesem Buch nicht abgelehnt hat. Allenfalls hätte ein wohlmeinender Lektor antworten können, die Idee mit dem ziellosen Bahnreisen in Deutschland sei ja ganz gut, eine Reihe von Beobachtungen zeigten auch, dass durchaus die Fähigkeit zu treffenden Formulierungen vorliege, aber das ganze Manuskript müsse noch einmal gründlich überarbeitet werden.
So, wie das Buch jetzt vorliegt, kann es jedenfalls nicht überzeugen. Es ist aus Notizen entstanden, die der Ich-Erzähler (=Autor?) sich beim Bahnfahren gemacht hat. Darunter sind hübsch formulierte und interessante Beobachtungen, aber so richtig klar wird die Psychologie des jungen Mannes nicht. Was stört ihn eigentlich am Lehrer-Dasein? Nur die Tatsache, dass man da arbeiten muss? Was für ein Verhältnis hat er zu seinen Unterrichtsfächern (welche überhaupt?), zur Instutition Schule, zu Kollegen und Schülern? Ist es weder dem Ich-Erzähler noch dem Autor aufgefallen, dass dieser Junglehrer nicht nur ständig Frauen erobern will, sondern offenbar eine Vorliebe für "Mädchen", für Schülerinnen hat, so dass es nicht verwundert, dass die schließlich erwählte Judith eine 17jährige Gymnasiastin ist? Und was geht da in dem Ich-Erzähler vor? Wie erfahren es nicht, ebensowenig, wie er plötzlich zum Film kommt und wie er sich da fühlt und weshalb er dort wieder aufhört. Und wieso kann er am Schluss als Dressur-Reitlehrer arbeiten, wo doch ein Faible für Pferde nie eine Rolle gespielt hat?
Kurzum: Man hat das Buch schnell durch, aber viel bleibt nicht hängen.