Ein so grottenschlechtes Buch wie dieses habe ich noch nie gelesen.
Dieses Buch ist Schund, sonst nichts.
Mein Deutsch-Lehrer in der 11. Klasse hätte mir einen Aufsatz in dieser billigen Art schwer enttäuscht um die Ohren gehauen, nachdem er doch über Jahre daran gearbeitet hatte, mir zumindest die fundamentalen Kriterien in puncto Literatur zu vermitteln.
Was uns Farah mit den 'Netzen' präsentiert, fasziniert mich in seiner Schlechtheit so sehr, dass ich weiter und weiter lesen muß, es nicht aus der Hand legen kann, nur um zu sehen, welche Klischees, welche Konstrukte er dem Leser auf der nächsten Seite wohl wieder zumuten wird.
Ich komme aus dem Kopf-Schütteln buchstäblich nicht heraus, die Peinlichkeiten, die Banalitäten, die haarsträubenden Zufälle, die Farah bedienen muß, um seine Cambara auf ihrem Weg von Somalia, über Kanada, und zurück nach Mogadischu zu begleiten, lassen mich Seite um Seite, immer noch eine und noch mal eine weiterlesen, momentan bin ich auf Seite 213, ich kann es immer noch nicht weglegen, ein besseres Beispiel für ein schlechtes Buch gibt es nicht.
Man muß, um einem Buch wirklich gerecht zu werden, immer wieder andere Betrachtungsweisen und Blickwinkel einnehmen, um das Werk als ganzes beurteilen zu können, ohne eventuell einen ganz bestimmten Aspekt außer Acht gelassen zu haben.
Bei Farah gibt es außer einem Thema, dabei einem großen, nichts, er ist völlig unfähig, einen Roman zu schreiben.
Die 'Netze' strotzen vor Widersprüchlichkeiten, ob Farah auch Khat kaut, weiß ich nicht, was ich weiß, ist, daß er auf jeder neuen Seite schon nicht mehr weiß, was er auf der davor verzapft hat.
Cambara steckt in einem tiefschwarzen Ganzkörper- Zelt, eine Wortschöpfung, die dem Autor offensichtlich so gefällt, dass er nicht müde wird, sie immer und immer wieder zu strapazieren, nimmt sich vor, bei nächster Gelegenheit einen leichteren Tschador zu kaufen, ist im nächsten Augenblick zuhause, kocht das Abendessen für einen Trupp schwer bewaffneter Rebellen, die sie 24 Stunden zuvor noch gar nicht kannte, und als sie am nächsten Morgen das Haus verläßt, trägt sie genau diesen Tschador.
Ziel ihrer Rückkehr nach Somalia ist es, einem der berüchtigten 'Warlords' dieser Tage den ehemaligen Familienbesitz wieder zu entreißen, sie hat an diesem Ort zwar selber nie gewohnt, weiß anfangs nicht einmal, wo in Mogadischu sich dieses Anwesen überhaupt befindet ,kann überhaupt keine persönliche Beziehung dazu haben, schlägt dennoch alle Warnungen aus, um sich ganz allein ihren Weg durch eine vom Bürgerkrieg gebeutelte Stadt zu suchen, in der Mord, Vergewaltigung und so weiter an der Tagesordnung sind, wie auf den Seiten davor immer wieder beschrieben.
Am Tor des ehemaligen Familienbesitzes trifft sie eine hochschwangere Frau, ganz offensichtlich eine Bewohnerin, Mißtrauen hin oder her, 10 Minuten später putzt Cambara die Küche dieser Frau.
Die Kinder, für die diese Frau des 'Warlords' verantwortlich ist, sind nicht zuhause, nachdem Cambara die Küche der Aufständischen geputzt hat, ist die Schwangere so erleichtert, daß sie sich hinlegt, obwohl eine ihr völlig fremde Frau im Haus ist, und sie die Ehefrau eines der rivalisierenden Clan-Oberhäupter ist.
Die Kinder kommen heim, es ist vorher seitenlang vorgestellt worden, was der Bürgerkrieg aus Somalia gemacht hat, daß es eine einzige prägende Ober-Eigenschaft in allen Leuten gibt, nämlich das Mißtrauen, und für diese Kinder ist es, auf einmal, von einem Tag auf den anderen völlig selbstverständlich, daß in ihrem 'Warlord'-Zuhause nicht die Mutter sie empfängt, sondern eine völlig fremde Frau.
Worauf sie sich dann von dieser völlig fremden Frau Geschichten erzählen lassen und nicht genug davon bekommen können.
An diesem Buch stimmt nichts, es stimmt kein Anschluß, wie man es beim Film nennt, die Ungereimtheiten sind das einzig Verläßliche, es können keine Charaktäre entstehen, weil jeder auf jeder neuen Seite etwas anderes von sich gibt, etwas, was mit der Seite davor überhaupt nicht vereinbar ist.
Nicht einmal vereinbar unter dem Aspekt des Widerspruches, der in uns allen liegt, und dem man geneigt ist, angesichts des brisanten Themas durchaus Rechnung zu tragen.
Cambara gerät am nächsten Tag, erneut auf dem Weg zum ehemaligen Familien-Anwesen, von einem auf den anderen Moment in einen Sandsturm, es wird eindrücklich beschrieben, daß ihre Augen völlig gerötet sind, sie fast nichts mehr erkennen kann, dann, nicht einmal einen Punkt, nur ein Komma weiter, beobachtet sie in höchster Konzentration einen Falken auf einem Telegraphenmast.
Und findet, in all dem Sturm, dem Sand, dem Chaos, dem Dreck um sie herum, nichts weniger als ein Bündel von Papieren auf dem Boden, unter all dem anderen Müll, erkennt sofort die Brisanz dieses Fundes, ohne einen Blick hinein werfen zu können, denn schon naht die Gefahr in Form von 4 schwerbewaffneten Jugendlichen, die auf nichts anderes, als Stunk, Unterwerfung, Gewalt, Zerstörung, Vergewaltigung aus sind.
Natürlich gelingt es ihr in kürzester Zeit, die 4 Rebellen zur Aufgabe zu bewegen, es kommt dann ja auch noch dieses andere Rebellen-Kommando und die bringen sie dann, standesgemäß mit dem Auto zu ihrem Ziel, dabei hütet sie immer, beinahe panisch, das Bündel von Papieren unter ihrem Tschador, das sie unbedingt an sich nehmen musste in dieser Wüste der Zerstörung, Gewalt und der Hoffnungslosigkeit einer gescheiterten Revolte.
Es kommt noch dreister:
Bevor sie wieder in die Küche der schwangeren Rebellin kommt, konnte sie doch noch einen Blick in den Inhalt ihres Zufallsfundes werfen und , natürlich, es handelt sich um Dokumente, die genau ihren 'Warlord' schwer belasten.
Was sie die ganze Zeit über krampfhaft unter ihren Kleidern verborgen gehalten hat, in der tiefen Überzeugung, etwas eminent Wichtiges gefunden zu haben, vergißt sie dann jedoch, einfach so, auf dem Küchentisch der 'Warlord-Frau'.
Weiter ging`s nicht.
Bei mir nicht.
So einen Mist habe ich noch nie in meinem Leben gelesen.
Dieses Buch ist eine nahezu ideale Fundgrube für einen Literatur-Studenten, der nach einem Thema für seine Doktorarbeit sucht.
Ein besseres Beispiel für Schund, für Trivialität in der Literatur gibt es nicht. Da kann sich einer abarbeiten, eine derartige Stoff-Fülle wird er in keinem anderen Einzel-Werk finden.
Bleibt die Frage, warum so etwas von Suhrkamp verlegt wird. Suhrkamp
!?
Ich habe gerade eben das Buch noch einmal in die Hand genommen und dabei gelesen, was ich fast schon wußte:
Natürlich hat Farah bereits irgend einen Literaturpreis bekommen, es gibt so viele, daß für jeden Autor auf der ganzen Welt ausreichend viele vorhanden sind.
Das ist mehr als nur bedauerlich, weil sich aus dieser Fülle von Ehrenbezeigungen keine Qualität mehr ableiten läßt.
Noch einmal zu Suhrkamp:
Ist es möglich, dass ein einziger, unfähiger, Lektor ein Buch wie dieses über die Übersetzung bis zur Veröffentlichung bringen kann, ohne dass eine zweite Person im Verlag gegenliest?
Offensichtlich!
Ich habe mich in den letzten Jahren viel befaßt mit der Literatur Nordafrikas, Arabiens, des nahen und mittleren Ostens.
Hier sind Schätze zu bergen in einer Fülle, von der die deutsche Gegenwartsliteratur nur träumen kann.
Warum also so ein einfältiges Traktat ??