Soviel vorweg - auch wer noch nie zuvor im Internet auf Partnersuche war, kann sich nach Lektüre des Romans bestens vorstellen, auf welche Typen man dort trifft.
Ob der notorische Betrüger oder der Sprücheklopfer, der sich hinterher als Würstchen entpuppt, ob der poetische Romantiker und Redenschreiber oder der frustrierte Ehemann sowie der Liebenswerte, der zwar als Freund, nicht aber zum Lebenspartner taugt - sie alle sind so bildhaft beschrieben, dass ich beim Lesen meinte, ihnen irgendwo schon einmal begegnet zu sein.
Obwohl es eine fiktive Geschichte ist, wird deutlich, dass die Autorin weiß, worüber sie schreibt.
Der erste Telefonat mit Mr. X, das Austauschen der Fotos von Körperteilen („Armbeuge gegen Kniegelenk"), die Nervosität beim ersten Date („Meine Beine sind wie gelähmt, klumpfüßig bleibe ich im Eingang stehen und kann feststellen, dass jedes dieser Fabelwesen mich kurz taxiert, um sich sofort wieder in Zeitung, Buch oder Milchkaffee zu vertiefen") und die diversen Mailbotschaften wirken sehr authentisch.
Genauso wie die Hauptfiguren: Die chaotische Jola, ihre pragmatische „Mutti-Freundin" Karla, ihr warmherziger Mann Yüksel, der exzentrische Lothar und der unnahbare Theo. Sie alle sind so liebenswert gezeichnet, dass ich sie gerne zu mir nach Hause an den Küchentisch eingeladen hätte. Das wäre eine nette Runde geworden.
Die Protagonisten und die Situationen sind so lebensnah, dass „Netz Date" neben den vielen komischen auch ernste Momente hat. Das fand ich besonders angenehm. Die Protagonistin muss so oft gegen Widerstände kämpfen, sie ist verzweifelt, leidet, hat Hochs und Tiefs. Mich hat das an manchen Stellen sogar berührt, ich konnte mich wieder finden.
Dur und Moll - das echte Leben eben.
Ich kann „Netz Date" jedem empfehlen, der entspannte und unterhaltsame Stunden haben will, etwas zum Lachen - und zum Sich-Hingeben