Wenn die Person, über die die Biografie gehen soll, nicht mehr lebt und es über sie auch kaum Zeugnisse gibt, ist es verständlicherweise schwierig, eine Biografie im herkömmlichen Sinne zu schreiben.
Marianne Brentzel löst dieses Problem, indem sie keine Biografie schreibt, sondern eben eine Annäherung. Sie trägt die wenigen Zeitdokumente zusammen und nimmt auch das Werk der Autorin hinzu. Wenn man sich das Milieu einer Frau aus gutbürgerlichem Hause bewusst macht, ist klar, dass die Beschreibungen in Nesthäkchen und ihren anderen Büchern ihren eigenen Lebensverhältnissen entsprechen. Von anderen hatte sie schließlich keine Ahnung.
Ein fiktives Interview zu kreieren ist immer kritisch, weil man die echten Antworten schließlich nicht kennt. Man bekommt bei Brentzel aber den Eindruck, dass es wirklich so gewesen sein könnte.
Dafür, dass Brentzel mit so wenig Fakten auskommen musste, ist es meiner Meinung nach ein gut gelungenes Buch. Und bis dato war es das Einzige, das sich überhaupt mit der aus sämtlichen Verzeichnissen getilgten Schriftstellerin befasst hat. Allein das hat schon Lob verdient.