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Elite der deutschen Meinungsmacher, 9. Februar 2008
Rezension bezieht sich auf: Nervöse Zone: Politik und Journalismus in der Berliner Republik (Taschenbuch)
Das mit der Titel gebenden "Nervösen Zone" hat sich im Laufe des Buches, bei der Untersuchung der Zusammenhänge zwischen Politik und Medien in der Bundesrepublik, von der Kanzlerdemokratie Konrad Adenauers bis zum "Medienkanzler" Gerhard Schröder und Kanzlerin Angela Merkel, zwischen Bonn und Berlin, letztlich als am Unwichtigsten erwiesen. In Berlin ist im Vergleich zur Kleinstadt Bonn, alles hektischer, fieberiger geworden, die Zahl der Mikrofone hat zugenommen, die Zahl der Reporter hat sich vervielfacht, die Zahl der Kanäle ist gewachsen. Aber das ist eigentlich nicht das, was den Journalismus in der Berliner Republik ausmacht, viel wichtiger ist eine politische Verschiebung weil die überlieferten Ideologien scheinbar erheblich an Bedeutung verloren haben. Früher war der Journalismus sehr stark an politische Projekte angebunden. Zu den glühenden Befürwortern gehörten mit Spiegel, Stern, Frankfurter Rundschau und Zeit, der so genannte linksliberale Journalismus. Er stellte übermächtig den harten Kern der Wortführer da. Heute behandeln die meisten Blätter "nationalpolitische", "neureligiöse" und die breite Masse interessierende Themen. Die journalistische Szene hat sich mehr nach Mitte Rechts verlagert. Es ist eine fragile Szenerie entstanden, weil der Journalismus sich selbst zunehmend vornehmlich durch abwandernde junge Leser bedroht sieht.
In den 50 er, 60er, 70 er Jahren, als es in diesem Land unaufhaltsam stets wie auf einer Einbahnstraße nur bergauf ging hatten die Journalisten und insbesondere die "Elite Journalisten" ausgiebig Zeit und Muße für die unterschiedlichsten Lebensphilosophien, aus denen sie ihre moralischen Einwürfe entwickelten. Im Laufe der Zeit hat sich ihre gesellschaftliche Position, insbesondere durch das unaufhaltsame Fortschreiten der Online-Medien entscheidend verändert. Heute geht es im Journalismus in erster Linie sehr stark um Ökonomie. Das hat es früher nicht gegeben, dass ein Journalist um die eigene Sicherheit in so erkennbarem Maß Sorgen machen musste. Sie wollten einzig und allein Meinungsherrscher sein, und als profilierte Journalisten vornehmlich mit ihren Kommentaren etwas bewirken. Darin lag neben der reinen Nachrichtenübermittlung, der Kern jeder tiefgründigen Recherche. Heute ist es so, dass Journalisten viel mehr als früher mit wirtschaftspolitischen Fragen ihres Unternehmens zu tun haben, weil die Werbeeinnahmen nicht mehr sprudeln. Heute sitzen die "Meinungsführenden Journalisten" alle im gleichen Boot. Sie müssen sich fragen, wer liest uns noch, wer hört uns noch, während die Jugend im Internet surft. Klare Frontstellungen, wie sie früher an der Tagesordnung waren, gibt es nicht mehr, da sind heute scheinbar eher gegenseitige Allianzen angesagt.
Ein Buch von bestechender Aufrichtigkeit, Der Autor sieht genau hin und gibt uns einen tiefgehenden Einblick in die gegenwärtige Journalismus Landschaft. Er behandelt das Thema mit bestechender Aufrichtigkeit, flüssig, erstklassig und atmosphärisch dicht geschrieben, in einer einfühlsamen Sprache von erstaunlicher Präzision. Man merkt durchgehend, dass Lutz Hachmeister sehr genau weiß worüberer schreibt.
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