Der Nachfolger von "Liebe, Tod & Teufel" kommt an dieses grandiose Album nicht ganz heran, hebt sich aber dennoch weit über den Durchschnitt. Im typischen EAV-Stil mischen sich bissige Satiren mit purem Nonsens - manchmal ist nicht einmal zu entscheiden, in welche Kategorie ein Song gehört.
Nach einem kurzen Intro beginnt "Neppomuks Rache" mit einem ironischen Abgesang auf die untergegangene Donaumonarchie, die durch die "schrägen Töne" der Popmusik abgelöst wurde. Walzer und Radetzkymarsch statt Rock'n'Roll - damit soll das degenerierte Österreich wieder zu altem Glanz geführt werden; das respektlose Cover des Albums zeigt, was von solchen Forderungen zu halten ist...
Danach folgt das witzige "Ding Dong", in dem vor dem Öffnen der Tür gewarnt wird - schließlich weiß man nie, wer draußen steht; und weil die Hauptfigur des Lieds ständig die Warnung ignoriert, bricht eine Katastrophe nach der anderen über ihn herein.
Nach einem kurzen Zwischenspiel sagt ein Mann seiner verwöhnten Lebensgefährtin "Arrivederci", danach macht ein anderer mit seiner Freundin Schluss, weil kein Zug in ihren Wohnort Eierbach fährt. Beide Songs sind eher lauwarm und bald vergessen, mit Sicherheit die schwächste Stelle des Albums.
In "S' Muaterl" greift die EAV eines ihrer wichtigsten Themen auf: Kritik an der katholischen Kirche. Eine vom Schicksal schwer geprüfte alte Frau sucht Trost bei der Kirche, wird aber nur ausgenutzt. Schließlich kommt sie zu der Erkenntnis: "Sie bet't ein Vaterunser und sagt: Es ist ein Skandal, unserm Herrgott sein Bodenpersonal." Das Lied hebt sich von den anderen in diesem Album durch seine Ruhe und Nachdenklichkeit ab.
Sehr viel launiger kommt "Einer geht um die Welt" daher. Mit zahlreichen Anspielungen garniert wird ein Lobgesang auf den Furz veranstaltet, der sogar metaphysische Weihen erhält: "Vor ihm sind alle Menschen gleich." Nach dem ernsten "S'Muaterl" ist dieses Lied eher eine Blödelei.
Der vielleicht beste Song des Albums ist "Samurai", eine beißende Satire auf den Sextourismus in Ostasien, in dem die geschmacklosen Vorlieben der meist älteren Touristen schonungslos enthüllt werden: "Ja im Land des Lächelns sind die Frauen klein, er beginnt zu hecheln, könnt' seine Tochter sein." Schließlich nimmt er ein sehr unerwünschtes Souvenir mit nach Hause. Sprachlich interessant ist der pseudo-asiatische Akzent, in dem der Gesang gehalten ist.
Damals aktuell war die Desillusionierung der DDR-Bürger, die mit der Vereinigung alle Hoffnungen verbanden und schwer enttäuscht wurden. In "Es steht ein Haus in Ostberlin" muss ein Mann diese Erfahrung machen: "Dass nicht alles, was da glänzt, Gold ist, weiß Karl-Otto längst - außer, wenn man sich's leisten kann." Schließlich kehrt er nach Ostberlin zurück.
In "Würschtelstand" werden das Desinteresse und die Ignoranz der Wohlstandsgesellschaft aufs Korn genommen: "Wir pfeifen aufs Ozonloch und auf Südafrika - unser Problem: Wo sind die Debreziner?"
Den Abschluss findet das Album schließlich in "Vorbei". Ein gerade verstorbener Mann schaut aus dem Grab seiner eigenen Beerdigung zu und kommentiert drastisch die geheuchelte Trauer seiner Angehörigen: "Die Verwandten ham statt der Bibel den Taschenrechner in der Hand und dividiern das Erbe auseinand". Hämisch teilt er mit, dass es nichts zu erben gibt: Vor seinem Tod war er noch im Casino.
Fazit: Ein typisches EAV-Album, das neben schwächeren Nummern großartige Satiren (S' Muaterl, Samurai, Es steht ein Haus...) beinhaltet und auf jeden Fall in eine Sammlung intelligenter Popmusik gehört.